Pandemie
Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister fordert härtere Massnahmen vom Bundesrat

Zu zögerlich, zu wenig konsequent: Die Zuger Regierung kritisiert den Bundesrat für sein «kaskadenhaftes Vorgehen».

Kilian Küttel
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Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister.

Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister.

Bild: Maria Schmid (Zug, 11. November 2020)

Es reicht nicht. Weder die Sonntagsschliessungen für Freizeitbetriebe noch die 19-Uhr-Sperrstunde für Restaurants genügen, um die steigenden Corona-Fallzahlen in den Griff zu bekommen. Da sind sich Bund und Kantone einig wie lange nicht.

Auch die wissenschaftliche Taskforce machte am Dienstag vor den Medien nochmals klar, dass es weitere Massnahmen brauche. Taskforce-Präsident Martin Ackermann sprach sich gar für einen Lockdown aus: «Aus wissenschaftlicher Sicht ist das sinnvoll, um die Ausbreitung zu verhindern und die Fallzahlen zu senken.» Nur will der Bundesrat bekanntermassen nicht so weit gehen. Stattdessen wird er am Freitag voraussichtlich ein Ampelsystem mit drei Eskalationsstufen vorstellen.

Regierung bemängelt zögerliches Handeln des Bundesrates

Das kommt bei der Zuger Regierung nicht gut an. Auf Anfrage schreibt Gesundheitsdirektor Martin Pfister:

«Das kaskadenhafte Vorgehen erachten wir als nicht genügend konsequent angesichts der Entwicklung der epidemiologischen Lage.»

Stattdessen fordert die Regierung ein «entschiedeneres Handeln» vom Bund. Weiter sagt Pfister:

«Falls ein Lockdown nötig wird, soll dieser schnell, konsequent und befristet erlassen werden».

Der Regierungsrat wende sich gegen einen «schrittweisen Lockdown über einen längern Zeitraum.»

Seit Wochen stufen die Behörden die Lage im Kanton Zug als bedrohlich ein. Über die gesamte Zentralschweiz betrachtet, habe sich die Lage in den vergangenen Tagen verschlechtert, so Pfister. Aktuell erfährt der Gesundheitsdirektor die Auswirkungen der Coronapandemie nicht nur als Regierungsrat. Er bestätigt eine Meldung des Onlinemagazins Zentralplus, wonach er sich nach einer Ansteckung im Familienkreis in Quarantäne begeben hat. Dies jedoch, ohne Covid-19-Symptome zu zeigen. Anders als die Intensivpatienten im stark ausgelasteten Zuger Kantonsspital.

Kommt die Impfung schon nächsten Monat?

Wie lange es dauert, bis sich die Lage entspannt, ist nicht abzusehen. Gemäss mehreren Medienberichten bereiten die Kantone die Abgabe des Impfstoffs vor. Laut Angaben des Bundesamts für Gesundheit hat der Bund Impfdosen bei drei verschiedenen Herstellern reserviert. Das Zulassungsverfahren beim Heilmittelinstitut Swissmedic läuft. Wann die Impfungen beginnen, wissen auch die Kantone nicht, wie die Zuger Gesundheitsdirektion auf Anfrage schreibt.

Aber: Die Behörden gehen davon, bereits im Januar mit den Impfungen anfangen zu können. Die Organisation der Impfungen sei ein «grosses und herausforderndes Projekt», welches eine «genaue Planung» benötige. Der Kanton Zug jedoch sei auf Kurs. Laut dem Schreiben der Gesundheitsdirektion wird die Regierung in den kommenden Tagen weitere Informationen über den Stand der Vorbereitungen bekanntgeben.