Hünenberg
Wieder aus Holz, aber nicht schäbig: So soll die neue Asylunterkunft aussehen

Der Gemeinderat hat das nach Einsprachen überarbeitete Projekt im Bösch aufgelegt. Er hofft damit auf den baldigen Abschluss einer jahrelangen Auseinandersetzung.

Raphael Biermayr
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Eine Visualisierung der geplanten Unterkunft in den Auflageunterlagen.

Eine Visualisierung der geplanten Unterkunft in den Auflageunterlagen.

Bild: Raphael Biermayr (Hünenberg, 23. Juni 2021)

Wer die neue Asylunterkunft im Bösch erblicken wird, der wird ein Holzhaus sehen – wie heute. Allerdings kein derart schäbiges. Das zeigt das bis und mit 30. Juni aufliegende Baugesuch der Gemeinde Hünenberg. Darin finden sich Visualisierungen eines dreigeschossigen Gebäudes in Holzbauweise mit einem Stewi für Wäsche sowie Spielgeräten für Kinder auf der Wiese. Die drei Etagen sind deckungsgleich aufgebaut: mit fünf Zimmern, einer Küche, einem Gemeinschaftsraum, Toiletten und einer Waschküche.

Es handelt sich um einen zweckmässigen Bau, der selbst vom damit beauftragten Chamer Architekturbüro als «unspektakulär» bezeichnet wird. Der im Jahr 2015 von den Stimmenden für eine neue Unterkunft gesprochene Kredit von 1,4 Millionen Franken wird damit nicht überschritten. Das war das Ziel des Gemeinderats. Denn so muss er mit dem überarbeiteten Projekt nicht vor die Gemeindeversammlung.

So sieht die Unterkunft noch immer aus. Denn das durch die hier im September 2016 stehenden Bauprofile erkennbare Projekt wurde nicht umgesetzt.

So sieht die Unterkunft noch immer aus. Denn das durch die hier im September 2016 stehenden Bauprofile erkennbare Projekt wurde nicht umgesetzt.

Bild: Werner Schelbert

Die Überarbeitung der Pläne wurde nötig, nachdem durch den Regierungsrat gestützte Einsprachen das ursprüngliche Vorhaben zu Fall gebracht hatten. Die Gegner beriefen sich erfolgreich auf einen Bebauungsplan, der vom Gemeinderat bei der Planung der damaligen Unterkunft ausser Acht gelassen wurde. Jene war im Zuge der 2015 und in den Folgejahren hohen Flüchtlingszahlen für mehr Personen ausgelegt als die aktuelle. Höchstens 36 Asylsuchende sollen künftig im Bösch Platz finden. Der Hünenberger Gemeinderat rechnet wohl damit, diesen Höchstwert nicht zu erreichen. Das Brandschutzkonzept in den Auflageunterlagen sieht jedenfalls eine Höchstauslastung von nur 30 Personen vor.

Keine Nothilfeplätze mehr vorgesehen

Bevor das Baugesuch aufgelegt wurde, hatten sich die Behörden mit Einsprechern ausgetauscht. Dies, um ein breit abgestütztes Projekt präsentieren zu können, verbunden mit der Hoffnung, das Vorhaben diesmal umzusetzen. Und das möglichst schnell: Der Baustart ist für Oktober vorgesehen, die Fertigstellung für März 2022 – 13 Jahre nach den ersten Plänen für eine neue Asylunterkunft in der Gemeinde.

Das kantonale Sozialamt leistete dem Gemeinderat Hilfestellung, um die Akzeptanz des neuen Gebäudes zu steigern. Denn im Bösch sollen keine Nothilfeplätze mehr angeboten werden, wie die ehemalige Leiterin Jris Bischof im vergangenen März gegenüber unserer Zeitung sagte. Nothilfeplätze stehen abgewiesenen Asylbewerbern, die die Schweiz verlassen müssen, zu. Diese Situation birgt Zündstoff. Im Bösch gab es vor einigen Jahren denn auch gelegentliche Polizeieinsätze, vor allem wegen Drogendelikten. Seither ist die Unterkunft nicht mehr voll ausgelastet worden.

Der Architekt bescheinigt dem neuen Holzgebäude übrigens eine Lebensdauer von 30 Jahren. Bei Erreichen dieses Werts wäre es genau gleich alt sein wie die heutige, 1991 erbaute Hütte.

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