Erinnerungen an einen Freund
Der Hanns mit den zwei «n»

Autor Hans Graber zum Tod seines Freundes, den Luzerner Journalisten Hanns Fuchs.

Hans Graber
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Journalistenkollege Hanns Fuchs (79) ist gestorben. Mit ihm fühlte ich mich seit Jahren freundschaftlich verbunden, und ich widme ihm deshalb diese Kolumne. Vielleicht war Hanns letztlich sogar ein bisschen mitschuldig, dass ich Anfang der Achtziger in Luzern gelandet bin. Die LNN, welche Hanns verlassen hatte, suchte Leute. Und ich hatte eine Stelle gekündigt, ohne zu wissen, wie es mit mir weitergehen soll. Dann rief «Luzern» an.

Hanns Fuchs, fotografiert 2005.

Hanns Fuchs, fotografiert 2005.

Bild: Archiv LZ

Für den ein paar Jahre älteren Hanns hegte ich stets eine gewisse Bewunderung. Unter anderem, weil er dreifacher Schweizer Meister im Rudern war (im Vierer und Achter des RC Reuss). Journalisten kommen sonst ja meistens nur im übertragenen Sinn ins Rudern. Fast noch mehr Achtung vor Hanns hatte ich, weil er Hanns (Kurzform von Johann) hiess und nicht wie ich nur hundskommun Hans. Mit Hanns hat man im Leben sicher bessere Karten, es wirkt interessanter. Wobei Hanns kein zweites «n» nötig gehabt hat.

Mir gefiel, was und vor allem wie Fuchs schrieb. Nur ein Beispiel: Untrennbar mit ihm verbunden ist für mich ein Text, den ich leider im Archiv nicht mehr gefunden habe. Es ging um den Gotthard, um den neuen Strassentunnel und wohl auch um die Wunder der Technik, um den unaufhaltsamen Fortschritt, um die Zeitersparnis auf dem Weg Richtung Süden. Was Hanns aber auch wehmütig werden liess. Er erinnerte im Text deshalb auch an jene Zeiten, als das Tessin noch ein Sehnsuchtsort war, den man sich teils beschwerlich erkämpfen musste, mit dem Töffli oder dem ersten Deux-Chevaux über den Pass. Der Tunnel rückte das Tessin näher, machte es aber auch gewöhnlicher. Hanns hat diese andere Sichtweise wunderbar zu Papier gebracht. Wie so oft.

Neben dem schreibenden war Fuchs auch sprechender Journalist, unter anderem fünf Jahre Deutschland-Korrespondent von Radio SRF (damals DRS) in Bonn, wortgewandt und mit sonorer Stimme. Ein Kontrast dazu war für mich der private Hanns. Ich erlebte ihn nie als Mann der grossen Töne und vielen Worte, eher als stilles Wasser. Ich teilte mit ihm seine Vorliebe für Hopfen, Malz und Wurst, und in schöner Erinnerung sind mir etwelche Feierabendbiere im alten «Felsi» auf dem Schlossberg, als wir uns zu zweit mitunter minutenlang angeschwiegen haben. Manchmal ist auch so alles gesagt.

Apropos Töne: Wenn ich nicht gewusst hätte, welches Instrument Hanns in der «Hafechäsmusig» gespielt hat, hätte ich es auf Anhieb erraten. Nicht erste Geige, nicht Schwyzerörgeli, nicht Klarinette, nicht Gitarre – sondern, klar, Kontrabass. Zweite Reihe, Hintergrundbrummen. Was der Bass wirklich ausmacht, merkt man meist erst, wenn er fehlt. Kontrabassisten leiden deshalb zuweilen an Minderwertigkeitskomplexen, ich glaube aber, dass Hanns über der Sache stand.

Zum Schluss aber schon auch noch ein kleiner Misston, geschuldet dem Umstand des Wohnsitzes im selben Quartier. Wie dieser schlaue Fuchs es vor acht Jahren durch eine raffinierte, um nicht zu sagen, perfide Finte fertiggebracht hat, dass ich praktisch nicht mehr Nein sagen konnte und von ihm, Fuchs, die natürlich ehrenamtliche Redaktion unserer Quartierzeitung übernehmen musste, war schon ein starkes Stück. Eigentlich unverzeihlich. Aber das ist Schnee von vorgestern. Wirklich böse war ich Hanns nie. Wie könnte ich auch.

Zu gerne hätte ich gemeinsam mit ihm weiterhin an irgend­einem Wirtshaustisch ein bisschen geschwiegen, mich mit ihm des Daseins erfreut und dazwischen über einen guten Spruch gelacht. Adieu, lieber Hanns, du wirst fehlen.