Alpnach
F/A-18 Absturz: Pilot schätzte Lage falsch ein

Eine Fehlbeurteilung des Piloten und ein nicht mit letzter Konsequenz durchgeführtes Umkehrmanöver führten zum Absturz der F/A-18 bei Alpnach am 23. Oktober 2013. Dies ergibt der Schlussbericht des militärischen Untersuchungsrichters. Beim Unfall kamen Pilot und Passagier ums Leben.

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Taucher im Alpnachersee nach dem Absturz der FA-18.

Taucher im Alpnachersee nach dem Absturz der FA-18.

Bild: Corinne Glanzmann

Mit aufwendigen technischen, fliegerischen und medizinischen Untersuchungen konnte der Unfallflug lückenlos bis zum Aufprall rekonstruiert werden, wie die Militärjustiz am Montag mitteilte. Die Untersuchungsergebnisse liessen nur einen Schluss zu: Der 38-jährige Pilot habe im kritischen Moment unter zunehmendem Druck die Lage falsch eingeschätzt. Er habe den Raum für ein Wendemanöver zu grosszügig bemessen, mit der Einleitung der Umkehrkurve zu lange zugewartet und das Manöver nicht mit letzter Konsequenz ausgeführt.

In der Folge sei das Flugzeug in eine ausweglose Situation geraten. Andere Gründe, wie eine technische Störung, gesundheitliche Probleme des Piloten oder Dritteinwirkung könnten als Ursachen ausgeschlossen werden. Der Unfall habe keine strafrechtliche Konsequenzen.

Arzt mit an Bord

Der verunfallte Kampfjet war an jenem Tag zusammen mit einem zweiten F/A-18 kurz nach Mittag vom Militärflugplatz Meiringen BE aufgestiegen, um im Raum Zentralschweiz zu trainieren. Im Unfalljet flog ein 54-jähriger Arzt des Fliegerärztlichen Instituts Dübendorf als Passagier mit. Er sollte selber erleben können, wie die Luftwaffe trainiert, heisst es weiter.

Einige Minuten nach dem Start flog die Patrouille bei Alpnach auf eine Regenfront mit tiefliegenden Wolken zu. Der Patrouillen-Leader fällte den Entschluss, nach Meiringen zurückzukehren und setzte zu einer Umkehrkurve an. Kurz danach zerschellte das Kampfflugzeug am Lopper. Beide Besatzungsmitglieder, Pilot und Arzt waren sofort tot. Das zweite Flugzeug landete sicher in Meiringen.

1998 war bereits ein Kampfjet des gleichen Typs im Wallis abgestürzt. Damals starben zwei Piloten der Luftwaffe.

Brünig-Sperrung sorgte für Kritik

Die Militärjustiz hatte das Gebiet am Lopper nach dem Absturz abgesperrt, um Untersuchungen zur Absturzursache durchführen zu können. Ausserdem war die Fahrleitung der Zentralbahn von Trümmerteilen beschädigt worden.

Dies hatte ein mehrere Tage dauernder Streckenunterbruch der Brüniglinie Luzern-Interlaken der Zentralbahn zwischen Hergiswil und Alpnach Dorf zur Folge. Die Interessengemeinschaft Pro Bahn äusserte zwar Verständnis für die Aufklärung des Absturzes, dreieinhalb Tage seien aber klar zu lang, kritisierte sie die Sperrung.

Die Luftwaffe bedankte sich in der Folge in Inseraten in mehreren Zentralschweizer Tageszeitungen für die Geduld und das Verständnis der Bevölkerung von Luzern, Ob- und Nidwalden. Diese hatte nach dem Absturz mit der Sperrung der Zentralbahn und der Kantonsstrasse viele Verzögerungen, Umwege, Behinderungen

pd/shä

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