Luzern
Impfdrängler versuchen Kantonsspital auszutricksen – interne Nummer veröffentlicht

Eine interne Nummer des Luzerner Kantonsspitals wird in den sozialen Medien herumgereicht. So versuchen externe Personen, an eine Impfung zu kommen, die für das Gesundheitspersonal gedacht ist. In einzelnen Fällen dürften sie erfolgreich gewesen sein.

Christian Glaus
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Eine interne Telefonnummer des Luzerner Kantonsspitals (Luks) ist offenbar nach aussen weitergegeben worden. Über diese Nummer konnte sich das Gesundheitspersonal für eine Impfung im Spital anmelden. Doch zuletzt war diese hoffnungslos überlastet, wie eine interne Mitteilung des Luks zeigt, die unserer Zeitung vorliegt. Darin schreibt die Kommunikationsabteilung, impfberechtigte Mitarbeitende müssten «unter Umständen lange Wartezeiten in Kauf nehmen».

Es scheint einen regelrechten Run auf die Coronaimpfung zu geben. So sehr, dass Impfwillige versuchen, das Luzerner Kantonsspital auszutricksen.

Es scheint einen regelrechten Run auf die Coronaimpfung zu geben. So sehr, dass Impfwillige versuchen, das Luzerner Kantonsspital auszutricksen.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. März 2021)

Derzeit werden am Luks pro Tag 400 bis 450 Personen pro Tag geimpft. Es handelt sich um Mitarbeitende des Spitals, der Spitex, von Arztpraxen oder um ambulante Patienten. Sie alle melden sich über die Nummer an, die nun in den sozialen Medien kursiert. Wer die Telefonnummer nach aussen weitergegeben hat, lässt sich gemäss Luks nicht eruieren. Man bedauere den Vorfall.

Ob unberechtigte Personen es tatsächlich geschafft haben, eine Impfung am Luks zu erhalten, ist nicht klar. Das Spital schliesst nicht aus, dass dies in Einzelfällen geschehen ist. In einer Mitteilung schreibt das Luks, pro Woche würden über 2500 Personen im Spital geimpft.

«Dass bei dieser hohen Impfkadenz Einzelfälle unseren Kontrollen entgehen können, ist nicht ganz auszuschliessen.»

Inzwischen seien die internen Kontrollmechanismen verschärft worden. «Wer die Kriterien für eine Impfung bei uns nicht erfüllt, wird nach wie vor an die kantonalen Impfzentren verwiesen.»

Die Panne mit der internen Luks-Telefonnummer hat der Luzerner SP-Präsident David Roth auf Twitter publik gemacht:

Später ergänzt Roth seinen Tweet und schreibt: «Das ging schnell. Offensichtlich können sich unter 65-Jährige bereits nicht mehr anmelden. Danke allen, die das rasch angepasst haben!»

Auf Anfrage sagt Roth, er sei aus seinem Bekanntenkreis auf die Panne aufmerksam gemacht worden. Dass Leute versuchten, über Tricks zu einer früheren Impfung zu kommen, sei «ein absolutes Ärgernis». Dadurch steige der Aufwand für alle Beteiligten unnötiger Weise. Wie viele Personen sich eine Impfung am Luks erschleichen konnten, weiss auch Roth nicht. Er wisse aber von einem 30-Jährigen, der einen Termin erhalten habe, obwohl er keines der Kriterien für eine Impfung erfülle.

Der SP-Präsident hinterfragt auch das System der telefonischen Anmeldung. Mehrere tausend Personen arbeiteten im Kanton Luzern im Gesundheitsbereich und müssten somit die interne Luks-Nummer wählen, um einen Impftermin zu bekommen. «Für eine derart grosse Zahl scheint mir eine Telefonhotline nicht geeignet zu sein.» Das Luks schreibt gegenüber unserer Zeitung: «Das Telefon ist zeitgemäss für diesen Zweck, weil so eine Identifikation durch entsprechende Rückfragen besser möglich ist.»