Bezirksgericht Willisau
Angezeigter Hundehalter wehrt sich: «Die Hunde sind mein Herzblut»

Zu wenig Platz, nicht ausbruchsicher, ungenügende Beschäftigung: Ein Schweizer Hundehalter muss sich wegen Verstösse gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht verantworten.

Sandra Monika Ziegler
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Das kantonale Veterinäramt kontrollierte Ende Februar 2020 einen Hundezüchter. Zur Kontrollzeit hatte der Beklagte 15 Schäferhunde und sechs Welpen. Es kam zur Anzeige wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz und setzte eine Busse inklusive Verfahrenskosten von 1220 Franken ab. Der Hundehalter akzeptierte den Strafbefehl nicht. Am Donnerstag wurde am Willisauer Bezirksgericht verhandelt. Der Mann erschien mit seiner Verteidigerin, die Staatsanwaltschaft blieb der Verhandlung fern.

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Bild: sam

Der Beklagte wies Vorwürfe wie Platz-, Bewegungs- und Beschäftigungsmangel zurück: «Das stimmt so nicht, das ist falsch, stimmt nicht.» Nach diesen Worten setzte er dann zur Schilderung der damaligen Situation aus seiner Warte an. Auf die Frage der Richterin, warum er Einsprache erhoben habe, sagte der 58-Jährige: «Ich habe in keiner Weise gegen das Tierschutzgesetz oder Seuchengesetz verstossen.» Zur Haltung der Hunde zählte er all seine erhöhten Liegeplätze auf, die sich im Gehege, der Scheune und auch im Wohnhaus sowohl heute wie damals befinden.

Beklagter sieht sich als Hundefreund

Zu den kritisierten Platzverhältnissen sagte er aus, dass das Welpenzimmer rund 16 Quadratmeter aufweist und die Hunde ein Auslaufterrain von rund 70 Quadratmeter haben. Im Strafbefehl waren punkto Welpenzimmer knapp 14,5 Quadratmeter angegeben. Die Einzelrichterin fragte den Beschuldigten, wie er sich den Unterschied erkläre. «Die haben ein Lasermesser verwendet, ich habe den Grundriss genommen», erklärte er.

Der Hundehalter betonte, er liebe Hunde über alles, sie seien sein Lebensinhalt, gäben ihm Kraft. Bereits seine Eltern hätten Hunde gehabt und auch seine Grosseltern. Zum Zeitpunkt der Kontrolle sei er vor knapp zwei Wochen aus dem Spital entlassen worden und noch nicht ganz fertig mit Einrichten gewesen. Doch die Hunde hätten immer genügend und täglich Auslauf gehabt.

Beschuldigter: Noch nie Reklamationen erhalten

Ein Vorwurf war, dass der Zaun ums Aussengehege zu niedrig gewesen sei. Bei der Ankunft der Kontrolltruppe sei ein Hund darüber gesprungen. Beklagter: «Das war Arco, ein besonders gwundriger menschenfreundlicher Hund.» Der habe einfach die Leute begrüssen wollen und sei deshalb über den Zaun gesprungen. «Es ist aber nie einer der Hunde abgehauen, und heute ist ein Dreimeterzaun ums Gehege.»

Der Mann blieb freundlich und sachlich, verstand jedoch nicht, warum er jetzt da sitzen musste. Er betonte immer wieder, dass seine Hundehaltung auch von Fachstellen positiv bewertet wurde, die Käufer mit seinen Hunden immer zufrieden seien und es nie Reklamationen gegeben habe. Und auch die Sozialkompetenzen seiner Hunde bewiesen die artgerechte Haltung.

Staatsanwaltschaft habe zu wenig abgeklärt

Das Plädoyer der Verteidigerin liess aufhorchen. Sie forderte einen Freispruch. Ihr Mandant liebe die Hunde und sei qualifiziert für die Haltung. Sie spricht von Mängeln in der Verfügung und in der Sachverhaltsdarstellung: «Der Veterinärdienst hat sich bei der Verfügung auf Merkblätter gestützt. Merkblätter haben aber keine Rechtsgültigkeit. Und die Staatsanwaltschaft hat sich auf die Verfügung gestützt, ohne selber abzuklären.»

Fazit der Verteidigerin: «Die Staatsanwaltschaft hat nicht rechtsgenüglich abgeklärt und verletzt damit den Untersuchungsgrundsatz.» Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.

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