20. Adventsfenster: Jede Spende erfreut gleich mehrere Herzen

In unserem 20. Adventsfenster zeigen wir, wie mit dem Christkindli-Briefkasten Wünsche wahr werden: Von der neuen Matratze bis zum Kinderanorak.

Sandra Monika Ziegler
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Von links: Heidi Rothen mit Constanca, Serena und Suada mit Davi auf dem Arm beim Christkindli-Briefkasten vor dem Luzerner Rathaus.

Von links: Heidi Rothen mit Constanca, Serena und Suada mit Davi auf dem Arm beim Christkindli-Briefkasten vor dem Luzerner Rathaus.

Jakob Ineichen, 10. Dezember 2019

Eine kleine Idee mit grosser Wirkung: Der Christkindli-Briefkasten. Seit bald 30 Jahren können dort Gross und Klein ihre Wünsche ans Christkind einwerfen. Es werden jedes Jahr mehr, wie Initiantin Heidi Rothen erzählt: «Es fällt auf, das vermehrt Lebensmittelgutscheine gewünscht werden.» Dies führt Rothen darauf zurück, dass, wenn das Budget knapp ist, vermehrt am Essen gespart wird und dann über die Festtage doch noch der Wunsch aufkommt, auch einmal etwas Gutes auf dem Tisch zu haben.

Allgemein könne gesagt werden, dass das Geld bei immer mehr Menschen knapp ist. Die soziale Ungleichheit nehme offensichtlich zu, doch leider sehen das nicht alle, so Rothen. Sie erfüllt fast alle Wünsche dank Spenden aus diversen Quellen.

Einmal landete der Briefkasten am Bahnhof

Heidi Rothen kennt die Anliegen der Menschen. Amtete sie doch über 33 Jahre lang (bis 2004) als Hausbeamtin im Luzerner Rathaus und wohnte auch dort, mitten in der Stadt. Oft habe sie auf dem Kornmarkt mit fremden Menschen gesprochen und so ihre Sorgen und Nöte erfahren. Und immer gegen die Weihnachtszeit habe sich das Mitteilungsbedürfnis nochmals verstärkt.

Der Briefkasten bekam also nicht einfach so seinen prominenten Standort? «Nein, ich wollte ihn in meiner Nähe. Aber alleine hätte ich das nie auf die Beine gestellt. Aktiv daran beteiligt waren Bernard Jurt, der damals das Strasseninspektorat leitete, die Schreinerei Brauchli und das Malergeschäft Durrer.»

Jurt habe ihr einen Güselkübel geschenkt, Brauchli diesen ihn Holz gepackt und Durrer ihn dann bemalt. Angst, dass der Briefkasten gestohlen werden könnte, hatte Rothen nie. Bislang geschah dies erst einmal. «Der Kasten wurde aber beim Bahnhof Luzern gefunden und samt den Briefen wieder zum Rathaus gebracht.» Aktuell steht die vierte Version des Briefkastens vor dem Rathaus.

Die Absender der Briefe stammen aus dem ganzen Kanton und nicht nur aus der Stadt. Es kommen sogar Briefe aus dem Gefängnis Grosshof. Die Häftlinge bitten nicht etwa um ihre Freilassung, sondern um ein kleines Präsent, meist etwas Süsses oder ein Buch. Andere Wünsche sind etwa eine neue Matratze, Schmuck für den Christbaum, Legosteine oder Pampers und natürlich Kinderkleider.

Im Kasten landen aber nicht nur Wünsche, sondern auch Lebensmittelgutscheine, das freut Rothen besonders:

«Wir sind für jede Spende dankbar. Das freut uns ebenso wie die Beschenkten»