Swatch-CEO

Zwischen Genialität, Rebellion und Dominanz

Nick Hayek

Nick Hayek

Nick Hayek, verantwortlich für die Kultmarke Swatch, ist anders als andere Manager. Genau wie sein Vater, der geniale Unternehmer und Showman. Sein Sohn führt das Erbe seine Vaters ganz im Stil des Swatch-Gründers fort.

Wenn am Mittwoch an der Generalversammlung von Swatch die Vorkämpfer für eine bessere Aktionärskultur aufbegehren, darf man nicht zu viel erwarten. Das wissen auch die Vertreter der Aktionärsaktivisten Actares, Ethos, zCapital oder ISS, die im Vorfeld der GV eine Wahl des Verwaltungsrats ablehnten, weil es nur eine Blockabstimmung gibt. Das widerspricht den Gepflogenheiten einer modernen Unternehmensführung (Corporate Governance). Als Erfolg wertet Ehos-Direktor Dominique Biedermann, wenn schon 10 oder 20 Prozent Nein-Stimmen zustande kommen werden.

Bei Swatch halten nämlich auch drei Jahre nach dem Tod des Konzerngründers Nicolas die Hayeks das Heft in der Hand. Der Aktionärspool um die Gründerfamilie Hayek beherrscht beim Bieler Uhrenkonzern 41 Prozent der Stimmen.

Und die Familie besetzt die wichtigsten Positionen. Nicolas Sohn Nick ist Verwaltungsrat und CEO der Gruppe. Seine Tochter Nayla ist Verwaltungsratspräsidentin und CEO der US-Diamantentochter Harry Winston. Und Naylas Sohn Marc ist Mitglied der erweiterten Konzernleitung und wird als kommender Mann beim weltgrössten Uhrenhersteller gehandelt.

Wie schon ihr Vater führen sie das Unternehmen mit einer Mischung aus Genialität, Rebellion und Dominanz. Vor allem der Konzernchef Nick hält die Fahne der Familientradition bewusst in die Höhe und referiert gerne auf das Genie des Vaters. «Mein Vater hat uns immer eingeschärft: Auch als Erwachsene müsst ihr euch die Neugierde und Phantasie bewahren, die ihr mit acht Jahren als Kind hattet», so der Swatch-CEO jüngst in der Gewerkschaftszeitung «Work».

Börsenwert versechsfacht

In Investorenkreisen wird das geschätzt. Schliesslich lieferte das System Hayek in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine konstant gute Performance: Die Inhaberaktie notierte vor ein paar Tage bei 602 Franken auf einem Allzeithoch. Seit 1998 hat der Valor seinen Wert versechsfacht.

Dass sich die Familie dabei immer wieder rebellisch zeigt und etwa eigene Regeln der Corporate Governance zelebriert, stört Investoren nicht. Im Gegenteil: «Swatch ist eine Firma mit einem starken Aktionär, was gerade in der Luxusgüterindustrie ein Vorteil ist», sagt Scilla Huang Sun, die den Luxury-Brands-Fonds von Julius Bär managt, in dem Swatch das grösste Investment darstellt. Dass der Verwaltungsrat en bloc gewählt werden kann, sei positiv. «Für den Aufbau von starken Marken wie sie Swatch hat, braucht es Kontinuität im Topmanagement», so die Fondsmanagerin.

Für Brancheninsider ist die Stärke der Hayek-Familie mit Luxusmarken wie Breguet oder Blancpain und den mittelständischeren Brands wie Omega, Longines, Rado oder Tissot aber mittlerweile zu gross geworden. Hinter vorgehaltener Hand fällt auch mal der Begriff arrogant. «Das betrifft den Umgang mit Zulieferern, aber auch gegenüber Kunden und Konkurrenten», so ein Uhrenhersteller, der anonym bleiben möchte. Der Konzern habe in der Schweiz den Status des Retters der Uhrenbranche. Der Vater Hayek habe sicher sehr viel geleistet. Doch es habe sich auch vieles geändert. «Heute ist der Konzern auf Wachstum getrimmt und da haben es alle sehr schwer, die im Weg stehen», so der Insider weiter und verweist die ETA-Werke.

Weko wird im Juli entscheiden

Schon vor längerem hat Swatch angekündigt, kleinere Uhrenhersteller künftig nicht mehr mit Werken des Tochterunternehmens ETA SA Manufacture Horlogère Suisse beliefern zu wollen. Die Wettbewerbskommission (Weko) prüft, ob das einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung darstellt. Ein Urteil steht kurz bevor: «Wir wollen vor der Sommerpause, Mitte Juli informieren», so Weko-Direktor Rafael Corazza auf Anfrage.

«Swatch ist je länger je mehr mit sich selbst beschäftigt und verfolgt nicht mehr in erster Linie die Interessen der Branche», sagt Erich Mosset, Chef des Basler Uhrenwerkherstellers Ronda. Das zeige sich bei der Swissness-Debatte, in der Swatch die Position vertritt, dass ein Uhrenhersteller neu 60 statt nur 50 Prozent einer Uhr in der Schweiz herstellen müsse, damit er mit dem Label «Swiss Made» werben dürfe. «Der Uhrenverband FH vertritt damit die Interessen der grossen Luxusgüterkonzerne wie Swatch und Richemont, nicht der ganzen Branche», sagt Mosset.

Hayeks Kampf gegen Grossbanken

Hayeks Kampf gegen Grossbanken

Gerade kleinere Hersteller von günstigeren Schweizer Uhren sind auf Komponenten aus dem Ausland angewiesen, weil sie in der Schweiz zu teuer sind. Um in der Swissness-Debatte die Interessen der kleineren Uhrenhersteller der Schweiz zu bündeln, hat Mosset zusammen mit Mondaine-Chef Ronnie Bernheim die IG Swissmade gegründet.
Doch der lange Arm von Swatch reicht nicht nur ins Parlament, wo die Swissness-Vorschläge derzeit zur Diskussion auf dem Tisch liegen. Seine Interessen weiss Swatch auch in der Fensterablage bei den Uhrenläden durchzusetzen. «Gegen die Dominanz von grossen Marken in den Verkaufsauslagen haben kleinere Hersteller wenig entgegenzusetzen», sagt Mosset.

Swatch wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Dass er nicht nur Freunde hat, damit scheint Nick Hayek aber gut leben zu können. Auf die Frage wie wichtig es ihm sei, beliebt zu sein, antwortete er vor kurzem einem Journalisten des «Bieler Tagblatts»: «Überhaupt nicht. Ich bin so, wie ich bin.»

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