Die Plage wiederholt sich jeden Herbst. Mehr oder weniger dubiose Vermittler und Makler rufen aufs Handy an und fragen, bei welcher Krankenkasse jemand versichert ist. Oft mit aggressiven Ton versuchen die Anrufer, ein Treffen zu vereinbaren. So versuchen Makler und Vermittler im Auftrag der Versicherer, neue Kunden zu gewinnen.

Daneben tummeln sich zahlreiche seriöse Vergleichtsplattformen wie Comparis, Moneyland, Bonus oder Dschungelkompass. Die Anbieter versuchen, vor allem damit zu punkten, dass sie unabhängig agieren. Doch stimmt das wirklich? Über die Frage ist diese Woche eine Diskussion auf dem Kurznachrichtendienst Twitter entbrannt.

Im Fokus steht Comparis. Die Firma sei mittels einer Tochtergesellschaft seit einigen Jahren selbst Maklerin, schrieb Benjamin Manz, Geschäftsführer von Moneyland.ch. «Das dann noch extra die Unterschiede zu Maklern betont werden, ist etwas dreist.» Tatsächlich gehört zu Comparis die Maklerin Optimatis. Wer sich auf Comparis etwa für die Krankenkasse Groupe Mutuel entscheidet, wird mit einem speziellen Hinweis konfrontiert. Mutuel nehme zwar keine Offertanfragen von Comparis entgegen, die Daten werden jedoch an Optimatis weitergeleitet, heisst es dort. In der Folge übergibt Optimatis die Daten an einen Vermittler, der mit Mutuel zusammenarbeite.

Gleichzeitig grenzt sich Comparis jedoch klar von Maklern ab. So schreibt Comparis an anderer Stelle auf ihrer Website: «Anders als Makler ist Comparis nicht auf bestimmte Versicherungsanbieter beschränkt, sondern ist bestrebt, einen kompletten Marktüberblick zu liefern.» Im Internet tauchten regelmässig Websites auf, die einen schnellen Krankenkassenvergleich versprächen. «Häufig haben diese Angebote vor allem ein Ziel: Adressdaten von wechselwilligen Personen zu sammeln, die dann an Makler weitergereicht werden.» Der Widerspruch stört nicht nur Manz, sondern auch zahlreiche Krankenkassen, deren Vertreter sich jedoch nicht namentlich äussern wollen.

Politiker kritisieren Vergleichsplattformen

Comparis wehrt sich gegen die Kritik. Optimatis und Comparis seien «juristisch getrennte Rechtspersonen», sagt ein Sprecher. Nutzer mit Beratungsbedarf könnten freiwillig die kostenlosen Dienstleistungen der Comparis-Partner wie Optimatis verwenden und sich so in der Entscheidungsfindung unterstützen lassen. «Comparis ist kein Makler», betont der Sprecher.

Wenn ein Nutzer die Website verlasse, entscheide er autonom, ob er von einem Partner von Comparis «Maklerdienstleistungen» bezieht. Fakt ist allerdings, dass Optimatis Teil der Decisis-Holding ist. Unter dem Dach dieser Gruppe befinden sich alle Firmen der Vergleichsplattform. Comparis selber bezeichnet Optimatis als «Schwestergesellschaft».

Das Geschäftsmodell der Vergleichsplattformen ist auch Thema unter Politikern. SVP-Nationalrat Lukas Reimann hat dazu Ende letzten Jahres einen Vorstoss eingereicht. Er zielt zwar auf sämtliche Plattformen, etwa im Bereich Bankkonten oder Reisen, meint aber auch Krankenkassen. «Die Plattformen bieten nur eine vermeintliche Übersicht», sagt Reimann. In Wirklichkeit würden die Konsumenten oft in die Irre geführt, weil das jeweilige Portal für Abschlüsse Provisionen kassiere und damit wie ein Makler oder Vermittler arbeite.

Reimann betont, dass er an sich nichts gegen Comparis habe. Die Firma betreibe ein Geschäft und verdiene damit Geld, wie andere auch. «Comparis sollte sich jedoch nicht Konsumentenschutzorganisation gebärden, das ist nicht ehrlich.» Der Bundesrat soll deshalb prüfen, wie die Vergleichsplattformen zu mehr Transparenz verpflichtet werden können. Ihm schwebt vor allem die Offenlegung aller offenen und versteckten Provisionen vor.

Unter Druck das Geschäftsmodell angepasst

Tatsächlich sind diese Provisionen eine wichtige Einnahmequelle für Vergleichsplattformen wie Comparis, Moneyland oder Bonus. Fordert jemand über die Vergleichsplattformen eine Offerte ein, so erhält die jeweilige Firma von den Krankenkassen eine Gebühr. Diese beträgt rund 50 Franken. Kenner sagen, dass Branchenführer Comparis durch neue Vergleichsplattformen in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten ist. Zudem haben sich gewisse Kassen entschieden, nicht mehr mit Comparis zusammenzuarbeiten. Derzeit sind es über ein Dutzend Versicherer, darunter Groupe Mutuel. Aus diesen Gründen habe Comparis die Vermittlerfirma Optimatis gegründet, so die Vermutung der Kenner.

Gelingt es einem Makler wie Optimatis, einen Kunden zu einer Kasse zu lotsen, zahlt die Versicherung 500 Franken oder mehr, wie Recherchen zeigen. Dies ist natürlich weit lukrativer als die blosse Vermittlung von Offerten.

Ob tatsächlich mehr Transparenz in das ganz Geschäft kommt, ist fraglich. Der Bundesrat ist gegen Reimanns Vorstoss, das Parlament hat noch nicht darüber befunden.