Meteo Systems
Zuger Regenmacher im Zwielicht

Die Geschichte klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Die in Zug domizilierte Firma Meteo Systems soll im letzten Sommer im Wüstenstaat Abu Dhabi mehr als 50 Gewitterstürme künstlich erzeugt haben. Experten sind skeptisch.

Sven Millischer
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Die Geschichte klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Die in Zug domizilierte Firma Meteo Systems soll im letzten Sommer im Wüstenstaat Abu Dhabi mehr als 50 Gewitterstürme künstlich erzeugt haben. Dies in einer Gegend im Osten des Landes, in welcher zu dieser Jahreszeit kaum je ein Tropfen Regen fällt.

Günstiges Wasser

Die Versuche mit künstlichen Gewittern sollen Teil eines Geheimprojekts im Umfang von 11 Millionen Dollar sein. «The Sunday Times» schrieb, der Emir von Abu Dhabi, Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan, habe den Auftrag initiiert. Das englische Sonntagsblatt stützte sich im Bericht auf Dokumente und ein vertrauliches Unternehmensvideo von Meteo Systems. Darin erklärt Firmengründer Helmut Fluhrer, man setze derzeit in Abu Dhabi die eigene Regenerzeugungstechnologie «Weathertec» ein. In einer Unternehmensbroschüre erklärt Meteo Systems zudem, ihre Lösung könne pro Monat 100 Millionen Kubikmeter Wasser erzeugen. Dies entspricht dem Volumen, das eine grosse Entsalzungsanlage liefern kann. Ein solches Werk koste allerdings umgerechnet rund 1,3 Milliarden Franken, während die eigene Lösung bloss mit 10 Millionen Franken zu Buche schlage, verspricht der Werbeprospekt der Zuger Firma.

Aufgeladene Staubkörner

Wie aber will «Weathertec» die Wüste zum Wasserschloss machen? Das Unternehmen setzt auf Ionen-Emitter, welche Billionen negativ geladener Elementarteilchen ausstossen. Fünf solcher Elektronen-Stationen mit jeweils zwanzig turmhohen Emittern soll Meteo Systems in Abu Dhabi aufgestellt haben. Elektronen besitzen die natürliche Eigenschaft, Staubpartikel anzuziehen. Davon ist bekanntlich in der Wüste reichlich vorhanden. Mittels thermischer Konvektion werden die Staubkörner schliesslich in die Atmosphäre geblasen, wo die aufgeladenen Teilchen Wassermoleküle anziehen, welche daran kondensieren – vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit ist genügend hoch. Aus den Wassertropfen formieren sich schliesslich Wolken. Und irgendwann beginnt es, zu regnen. So weit die Theorie einer Technologie, mit welcher bereits zu Zeiten des Kalten Kriegs die Militärs in der Sowjetunion experimentiert haben.

Keine wissenschaftliche Basis

Was ist also dran an «Weathertec»? «Diese Methode ist schlicht nicht in der Lage, Wolken zu erzeugen», sagt Jonathan Golden, ein Experte auf dem Gebiet der Wetterveränderung, im Fachblatt «National Geographic». Auch Roelof Bruintjes ist skeptisch: «Es gibt keine wissenschaftliche Basis für deren Behauptungen.» Bruintjes führt das Wettermodifikationsprogramm am amerikanischen National Center for Atmospheric Research. Und das Expertenteam der World Meteorological Organisation, einer UNO-Behörde, hält in einem allgemeinen Bericht fest: «Die Energie im Wettersystem ist so gross, dass es unmöglich ist, eine Regenwolke zu erzeugen.» Technologien wie der Ionisierung müsse man deshalb mit «Misstrauen» begegnet werden.

Auch die im Bericht der «Sunday Times» aufgeführten Experten halten nicht, was sie versprechen. So wird von Peter Wilderer, Professor an der TU München behauptet, er habe die Wetterexperimente von Meteo Systems persönlich mitverfolgt. Wilderer widerspricht.

Weiter verweist das britische Sonntagsblatt auf Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, die «beeindruckt» gewesen seien vom Projekt in Abu Dhabi. In einer schriftlichen Stellungnahme hält das Institut fest, keinerlei Verbindungen zum Projekt unterhalten zu haben. Auch seien die Gewitterstürme von letztem Sommer auf ungewöhnliche Wetterverhältnisse zurückzuführen und nicht auf «lokale Experimente». Der Emir von Abu Dhabi könnte also bald aus allen Wolken fallen mit seinem Gewitterplänen.

Zugeknöpfter Chef

Lieferant Meteo Systems gibt sich derweil zugeknöpft und bleibt bislang Beweise schuldig, jene 50 Gewitterstürme auch tatsächlich künstlich erzeugt zu haben. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme war Gründer und Geschäftsführer Helmut Fluhrer für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gut möglich also, dass der Zuger Regenmacher in der Wüste Abu Dhabis nur Luftschlösser gebaut hat.