Kommentar
Schwindende Wasserreserven: Die Schweiz könnte ausgerechnet von der Gasbranche lernen

Angesichts der wachsenden Herausforderungen ist es an der Zeit, dass der Bund die Wasserversorgung grossräumiger denkt – und die dafür nötige Datenlage schafft.

Gregory Remez
Gregory Remez
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Blick auf den Stausee Lago di Lei an der italienischen Grenze.

Blick auf den Stausee Lago di Lei an der italienischen Grenze.

Bild: Key

Die Schweiz hat ein Datenproblem beim Wasser. Wie der Bundesrat selbst einräumt, gibt es auf nationaler Ebene kaum Informationen darüber, wie viel Wasser wann von wem genutzt wird. Diese wären angesichts schwindender Wasserressourcen jedoch wichtig.

Die klimatischen Veränderungen stellen das Wasserschloss Schweiz vor neue Herausforderungen. Wassersparen in Folge von Trockenperioden, wie es diesen Sommer in mehreren Gebieten nötig war, bildet gemäss Fachkreisen die «neue Realität». Umso wichtiger wird es, Risikogebiete noch schneller zu identifizieren. Verzicht reicht nicht, es braucht effizientes Management.

Von verschiedener Seite wird daher kritisiert, dass der Bund nicht genau weiss, wie es um unsere Wasserressourcen steht. Grund ist ein klassisches Föderalismusproblem. Den Kantonen, die für den Vollzug der Gewässerschutzgesetzgebung zuständig sind, fehlte lange ein entsprechender Auftrag. Der Bund versucht nun, diesen nachzureichen.

Ein möglicher Ansatz wäre eine nationale Datenbank zur Wassernutzung. Gescheitert ist diese bisher vor allem an der fragmentierten Datenlage, denn von Kanton zu Kanton wird unterschiedlich erhoben. Hinzu kommen Sicherheitsbedenken, da es sich bei der Wasserversorgung um kritische Infrastruktur handelt.

Dabei gibt es in anderen Bereichen bereits vergleichbare Projekte. Letzten Sommer wurde etwa im Strom- und Gasmarkt ein nationaler Datenhub lanciert, gegenwärtig wird dort gar ein Datenaustausch mit der EU diskutiert. Höchste Zeit, auch die Wasserversorgung grossräumiger zu denken.