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Wir machen den Test: Ist dieser Mini-Tresor das Portemonnaie der Zukunft?

Wir machen den Test: Ist dieser Mini-Tresor das Portemonnaie der Zukunft?

Wir machen den Test: Ist dieser Mini-Tresor das Portemonnaie der Zukunft?

Seit Jahrhunderten hat sich das Portemonnaie in seiner Form kaum verändert. Nun will ein Tüftler die Branche revolutionieren. Die az hat den «smartMiniSafe», die erste elektronische Geldbörse mit integriertem Diebstahlschutz, auf Herz und Nieren getestet.

Ein Blick, ein Griff in die Hosentasche, und weg ist sie: Die Geldbörse war 2011 mit Abstand das beliebteste Diebesgut bei Taschendieben. Auch in Zukunft wird sich dieser Trend kaum ändern. Ein Mann will dem nun Abhilfe schaffen.

Bernd Siebler hat ein elektronisches Portemonnaie mit integriertem Diebstahlschutz entwickelt. Mit dem «smartMiniSafe» will er die klassische Geldbörse revolutionieren. «Wir haben den Geldbeutel der Zukunft geschaffen», so der Deutsche gegenüber der az.

Wenn die Technik streikt

Um das Gerät nutzen zu können, braucht man ein Mobiltelefon, auf dem die von einer Schweizer Firma entwickelte Applikation «SECU4Bags» installiert sein muss. Danach kann man den Chip, welcher im Mini-Safe eingelegt ist, per Bluetooth mit dem Handy verbinden.

So aktiviert man das Portemonnaie der Zukunft

So aktiviert man das Portemonnaie der Zukunft.

Der erste Test zeigt: Das Prinzip des Geräts funktioniert. Auf der Applikation lässt sich eine gewünschte Reichweite definieren und sobald die Geldbörse ausserhalb dieses Bereichs liegt, ertönt ein schriller Alarmton.

Das Ausschalten des unangenehmen Gepiepses bereitet anfangs noch Probleme: Die App stürzt ab, der Alarm läuft weiter. Auch bei den darauffolgenden Tests versagt die Ausschaltfunktion ab und zu. Als Alternative bleibt auf den ersten Blick nur das Öffnen der Schatulle und das manuelle Ausschalten des Geräts.

«Es ist erwünscht, dass der Alarm nicht einfach so abgestellt werden kann», so Siebler. «Ausgeschaltet wird er erst, wenn der «verträgliche» Abstand zwischen Handy und Safe wieder hergestellt ist. Abgesehen davon stellt sich der Piepston von 80 Dezibel nach ca. 1 Minute von selbst ab.»

Der darauffolgende Test bestätigt dies.

Ansprechendes Design aber hohes Gewicht

Das Objekt, welches aus zwei Metall-Hälften besteht, die mit einem Scharnier verbunden sind, hat eine ovale Form und macht optisch einen ansprechenden Eindruck. Einzig das für einen Geldbeutel hohe Gewicht trübt den ersten Eindruck. «Wir wollen das Gewicht nicht auf Kosten der Sicherheit verringern», so Erfinder Bernd Siebler.

Der Innenraum sieht für eine Geldbörse ziemlich ungewohnt aus und ist auch nicht optimal. Zum einen fehlt ein Münzfach (für Münzen ist lediglich eine kleine Vertiefung vorgesehen), zum anderen passen die Schweizer Banknoten in der Breite nicht in den Mini-Safe. «Punkto Münzfach haben wir uns viel überlegt, konnten jedoch die optimale Lösung noch nicht finden», erklärt Siebler. Der Problematik mit der Breite des Geräts ist sich der Erfinder bewusst: «Der Mini-Safe wurde nicht primär für den Schweizer Franken konzipiert. Aber was spricht dagegen, den Geldschein mittig zu falten?»

Der Alltagstest

Für den Alltagstest wird das Gerät beim Einkauf eingesetzt. Die Geldbörse aus der Hosentasche gezogen, sind einem fragende Blicke der Verkäuferin garantiert. Beim Bezahlen macht sich das fehlende Münzfach bemerkbar:

Die Münzen sind kaum aus ihrer Verankerung zu lösen, weshalb man besser mit der Kreditkarte bezahlt. Diese ist nämlich rasch griffbereit, was beweist, dass der Mini-Safe klar auf das bargeldlose Bezahlen fokussiert ist.

Auch ansonsten ist die Ungewohntheit oft ein Hindernis. Sobald das Handy am Arbeitsplatz liegen bleibt und man sich mit der Geldbörse davon macht, ertönt der nervtötende Alarmton. Das Objekt erfüllt somit seinen Zweck, jedoch nicht immer zum Wohlwollen des Nutzers. «Wir hätten den smartMiniSafe auch an ein anderes Gerät anbinden können, beispielsweise an einen Sensor am Gürtel. Doch dies lehnten die Leute klar ab», meint Bernd Siebler zu diesem Problem. «Zudem ist es doch eine gute Sache, wenn das Mobiltelefon durch die Anbindung ebenfalls vor Diebstahl geschützt wird.»

Fazit

Die Idee eines elektronischen Portemonnaies ist sicher gut, auch die Umsetzung ist im Ansatz nicht schlecht. Doch der smartMiniSafe hat noch Kinderkrankheiten, die es zu korrigieren gilt. Vor allem die Alltagstauglichkeit muss deutlich an Attraktivität gewinnen. Auch für Bernd Siebler ist klar, dass man die Entwicklung noch optimieren kann: «Auch ein Gerät wie das iPhone ist nie fertig entwickelt.»

Negativ ins Gewicht fällt der hohe Preis von 275 Euro, den der Erfinder mit hohen Materialkosten begründet. «Sobald der Mini-Safe in höheren Massen produziert wird, wird der Preis sinken», verspricht Siebler.

Momentan ist der Mini-Safe seiner Zeit noch voraus. Doch wenn das Gerät alltagstauglicher wird, hat es durchaus Chancen, sich in Zukunft zu etablieren.

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