Detailhandel

Wie Migros-Präsidentin Ursula Nold auf den Fall Piller reagieren will

Seit dem 1. Juli im Amt: Migros-Präsidentin Ursula Nold.

Seit dem 1. Juli im Amt: Migros-Präsidentin Ursula Nold.

Die 50-jährige Bernerin sucht eine Lösung, um die Unternehmensführung des Detailhändlers zu verbessern.

Seit Anfang Juli ist Ursula Nold Präsidentin der Migros. Fast zeitgleich gelang der Fall Damien Piller in die Öffentlichkeit. Seither tobt innerhalb der Migros ein Kampf um den Präsidenten der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg.

Er steht im Verdacht, beim Bau von zwei Migros-Filialen total 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben. Piller wehrt sich mit allen Mitteln gegen seine Absetzung – bislang erfolgreich.

Der Fall beschäftigt auch Nold: «Mir ist wichtig, dass die Migros nun wirklich Konsequenzen daraus zieht», sagte Nold anlässlich eines Mediengesprächs, an dem sie eine Bilanz ihrer ersten Monate zog. An sich seien die Spielregeln zwischen der Zentrale in Zürich und den regionalen Genossenschaften klar festgehalten.

Was aber geschehe, wenn sich jemand nicht an diese Regeln halte, sei leider nicht definiert. «Hier haben wir eine Lücke, hier müssen wir handeln», sagte Nold.

Die Migros müsse deshalb ihre Governance, also die Unternehmensführung, überdenken. «Für mich ist das sonnenklar.» Dabei gelte es Lösungen zu finden, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole. Wie sie das genau angehen will, sagte sie nicht. «Ganz konkret kann ich ihnen noch keine Lösungen präsentieren», gibt Nold zu.

Autonomie der regionalen Genossenschaften beschränken?

Trotz mehrfacher Nachfragen liess sich die 50-jährige Bernerin einzig entlocken, dass für sie auch die Beschränkung der Autonomie der regionalen Genossenschaften eine Möglichkeit sei. Sie erlebe in den Regionen eine «extrem grosse» Offenheit, die Probleme anzugehen.

Niemand wolle, dass sich ein Fall Piller wiederhole. Ob die einflussreichen zehn regionalen Genossenschaften wirklich dazu bereit sein, wird sich zeigen. Bislang hat die Migros-Zentrale keinen direkten Durchgriff auf die regionalen Genossenschaften, vielmehr sind diese die Besitzer der Zentrale.

Geeinigt haben sich die regionalen Genossenschaften auf eine Amtszeitbeschränkung. Als Reaktion auf den Fall Piller haben diese mittlerweile alle zehn Genossenschaften eingeführt oder zumindest geplant.

Wie Nold sagte, hat nun auch die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg eine zwölfjährige Amtszeitbeschränkung eingeführt. Dies gelte ab Juli des nächsten Jahres. Piller, der seit 23 Jahren Regionalpräsident ist, werde nicht mehr kandidieren.

Nold warnt vor schwachem Ergebnis

Was das operative Geschäft anbelangt, stimmte Nold auf ein schwaches Ergebnis ein: «Ich gehe davon aus, dass 2019 nicht als erfolgreiches Jahr in die Analen der Migros eingehen wird.» Die Detailhändlerin habe im Sommer über das ganze Sortiment die Preise gesenkt.

Damit verliere die Migros zwischenzeitlich Umsätze. Das sei jedoch ein bewusster Entscheid. Sie sei überzeugt, dass man dank der tieferen Preise in Zukunft wieder Kunden gewinnen werde. «Das dauert noch ein wenig, wir müssen Geduld haben.»

Um Luft für tiefere Preise zu haben, will Nold weiter an der Effizienz arbeiten. Die Migros müsse schneller werden und Doppelspurigkeiten abbauen, sagte sie etwa mit Blick auf die Informatik und Logistik.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1