Energiepreise
Das wird teuer: Die Windräder stehen still und die Gaskraftwerke werden wieder angeworfen

Jetzt wird Strom auch in der Schweiz teurer. Scharfe Preissteigerungen in Kontinentaleuropa und Grossbritannien verheissen nichts Gutes.

Daniel Zulauf
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Windenergie liefert in Grossbritannien derzeit nur 5 statt 20 Prozent des benötigten Strombedarfs.

Windenergie liefert in Grossbritannien derzeit nur 5 statt 20 Prozent des benötigten Strombedarfs.

Bild: Imago

Die Strommärkte spielen verrückt. Ein bisschen etwas davon bekommen dieser Tage auch alle Haushalte in der Schweiz mit. Die regionalen Energieversorger kommunizieren ihren Kleinkunden wie immer Anfang September die Stromtarife für das kommende Jahr. Der Trend weist überall aufwärts, weiss Antonia Adam von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) in Bern. Die Preiserhöhungen bewegen sich in den meisten Fällen zwischen zwei und fünf Prozent.

Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa kommen die Schweizer aus regulatorischen und anderen Gründen noch sehr glimpflich davon. Für deutsche Konsumenten hat sich die Stromrechnung in den vergangenen zwölf Monaten um gegen 20 Prozent verteuert. Die Preiserhöhung hat bereits die Konsumentenschützer auf den Plan gerufen. Sie fordern preisdämpfende Massnahmen der Regierung. Eine Megawattstunde wird an der deutschen Strombörse in Leipzig auf Sicht von zwölf Monaten derzeit für 90 Euro verkauft. So hoch war der Preis letztmals im Jahr 2008.

Flaute lässt Windräder in der Nordsee stillstehen

Auch in Spanien bringt eine erwartete Preiserhöhung im laufenden Jahr von 25 Prozent die Politik in Zugzwang. Am turbulentesten geht es derzeit in Grossbritannien zu und her. An den lokalen Strommärkten lägen die Grosshandelspreise derzeit das Vierfache über dem normalen Niveau, schreibt der «Daily Telegraph» am Dienstag.

Die europäische Hitzewelle hat die Stromproduktion der Windparks in der Nordsee praktisch zum Erliegen gebracht. In gewöhnlichen Zeiten bezieht Grossbritannien rund ein Fünftel des Strombedarfes aus Windenergie. Aktuell sind es gemäss «Daily Telegraph» nur rund fünf Prozent.

Weil es derzeit noch keine effiziente Lösung gibt, Strom aus Windenergie in grossen Mengen zu speichern, müssen sich die Briten mit Gas behelfen. Gaskraftwerke liefern derzeit fast 50 Prozent des Stroms auf der Insel. Normalerweise sind es etwa 30 Prozent. Eben erst hat die staatliche britische Energieagentur den Energieversorger EDF angewiesen, zwei Gaskraftwerke im nördlichen Teil des Landes wieder in Betrieb zu nehmen. Die Notmassnahme kommt in einem denkbar ungünstigen Moment. Viele Gaskraftwerke wurden in den vergangenen Jahren abgeschaltet und vom Netz genommen.

Der erhöhte Bedarf nach Strom aus Gaskraftwerken ist ein Hauptgrund für die starken Strompreisausschläge in ganz Europa. Ausschlaggebend für den Strompreis sind nicht die Gestehungskosten aller Energiequellen, sondern der Preis der letzten eingekauften Megawattstunde. Diese kommt aus besagten klimatischen Gründen (wenig Wind) aus dem Gaskraftwerk.

Preissprung von 12 auf 35 Euro

Daniel Steger, Analyst für Stromproduktionsfirmen beim Schweizer Vermögensverwalter De Pury Pictet Turrettini, sagt, der Zwölfmonatspreis pro Megawattstunde Gas habe sich im Jahresvergleich von zwölf Euro auf rund 35 Euro erhöht. «Die Erdgaslager sind weitgehend leer und aus Russland kommt zu wenig Nachschub.»

Die Entwicklung auf den Energiemärkten gefällt derweil den Aktionären von Glencore, der weltgrössten privaten Kohleproduzentin. Der Aktienkurs ist an der Londoner Börse seit Jahresfrist um fast 100 Prozent auf 340 Pence gestiegen. Auch die Eigentümer der Bernischen Kraftwerke (BKW) sind potenzielle Nutzniesser dieser Entwicklung. Im August sind die Titel um zehn Prozent und damit viel stärker als der Gesamtmarkt gestiegen.

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