Wirtschaft

Wegen Corona-Virus gehen italienischen Bauern die Erntehelfer aus - werden Olivenöl und Feigen hierzulande plötzlich rar?

Oliven, Pasta sowie Früchte und Gemüse: Italien ist ein für die Schweiz ein wichtiger Handelspartner. (Bild: Dominik Wunderli)

Oliven, Pasta sowie Früchte und Gemüse: Italien ist ein für die Schweiz ein wichtiger Handelspartner. (Bild: Dominik Wunderli)

Die italienische Landwirtschaft fürchtet sich vor grossen Ausfällen bei ausländischen Arbeitskräften. Was bedeutet dies für die Produktion und den Import italienischer Lebensmittel?

Durch die Massnahmen gegen das Corona-Virus wird das öffentliche Leben zunehmend eingeschränkt, zahlreiche Branchen leiden bereits unter den Folgen. Beruhigend ist daher, dass der Warenverkehr weiterhin funktioniert und die Versorgung sichergestellt ist. Engpässe mit Lebensmitteln aus Italien sind jedoch nicht auszuschliessen. Dort kämpfen die Bauern mittlerweile mit einem Mangel an Erntehelfern. Laut dem italienischen Landwirtschaftsverband Coldiretti sagen immer mehr Saisonarbeiter aus Rumänien, Bulgarien und Polen für die Erntezeit ab.

Vor allem Rumänen, die etwa einen Drittel der Helfer ausmachen, verzichten vermehrt auf den Einsatz, seit ihre Regierung eine zweiwöchige Quarantäne für Rückkehrer aus Norditalien verhängt hat. So kurz vor der Arbeitssaison lösen die Absagen bei den Bauern grosse Ängste aus. Die rund 370'000 Saisonarbeiter bewältigen normalerweise über einen Viertel der Arbeitsstunden. Der Verband befürchtet einen Ertragsverlust und schlug vor kurzem Alarm. Seit die Sperrzone am Montag auf ganz Italien ausgeweitet wurde, dürfte sich die Lage noch verschärft haben.

Was bedeutet ein möglicher Ausfall der Arbeitskräfte für die Produktion und den Import italienischer Lebensmittel? Könnten Olivenöl, Pasta und Feigen hierzulande plötzlich rar werden? Etwa im Bereich Früchte und Gemüse ist Italien einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Fast 12 Prozent dieser Waren kommt laut der eidgenössischen Zollverwaltung aus dem südlichen Nachbarland. Ob ein Engpass droht, kann momentan niemand einschätzen. Das hängt von der weiteren Entwicklung der Epidemie ab. Beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung heisst es: «Inwieweit die Produktion längerfristig von den aktuellen Auflagen betroffen sein wird, können wir im Moment nicht beantworten.» Bislang sei der Import aus Italien von der aktuellen Situation nicht betroffen.

Importsaison neigt sich Ende zu, Schweizer Saison beginnt bald

Frischwarenhändler Tiziano Marinello, der die hiesige Gastronomie mit Früchten und Gemüse aus Italien beliefert und mit vielen Produzenten in Kontakt steht, glaubt nicht, dass die italienische Landwirtschaft vor grossen Arbeitsausfällen steht: «Vor allem in Süditalien sind die Zustände schlimm. Wer dort arbeitet, ist auf das Geld angewiesen und wird trotz Corona-Virus dorthin gehen.» Gänzlich unbeschwert ist Marinello mit Blick auf die Versorgung aber nicht. Die Schweiz könne nicht auf importiertes Obst und Gemüse verzichten, gibt er zu bedenken. In Zeiten des Mangels würden Länder Lebensmittel primär für sich behalten.

Sollte es tatsächlich zu Engpässen mit Lebensmitteln aus Italien oder anderen Ländern kommen, geht glücklicherweise bald die Schweizer Saison los. «Die Importsaison neigt sich bereits dem Ende zu. Bald wachsen auch in der Schweiz Salat, Tomaten oder Brokkoli», sagt Marcel Jampen, Bereichsleiter Markt beim Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels Swisscofel. Jampen bleibt zuversichtlich und rechnet nicht damit, dass es zu einem Versorgungsengpass kommen könnte.

Den Schweizer Bauern könnte die Corona-Krise in ihrem Anliegen nach einem höheren Selbstversorgungsgrad dennoch Rückenwind geben. Der Schweizer Bauernverband betont jedoch, aus dem Virus kein politisches Kapital schlagen zu wollen. «Das Interesse an einem gewissen Selbstversorgungsgrad ist aus unserer Sicht immer da», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein. «Punkto Versorgung ist die Corona-Krise bislang ausserdem kein Problem. In der Vergangenheit war die Lage schon brenzliger, als grosse Exporteure wegen schlechten Wetterbedingungen grosse Teile der Ernte verloren. 2008 exportierte Asien zum Beispiel kaum Reis.» Für die wohlhabende Schweiz sieht Helfenstein aber auch in allfälligen Mangelzeiten nicht schwarz: «Wir würden zuletzt verhungern, weil wir auch sehr hohe Lebensmittelpreise noch zahlen könnten.»

Autor

Gabriela Jordan

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