Gesuche

Wegen Corona-Virus: Dutzende Schweizer Firmen beantragen Staatshilfe

© SNB/Keystone

Die Kantone zählen viele Gesuche für Kurzarbeit. Gewerkschaften fordern zudem Hilfe von der Schweizerischen Nationalbank.

Das Corona-Virus hält die Weltwirtschaft weiter in Atem. Weil sich Anleger in den Franken als sicheren Hafen flüchten, stieg der Wert der Schweizer Währung in den letzten Tagen. Deshalb dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt interveniert haben, wie die AWP berichtet. Gestern betrug der Euro-Franken-Kurs 1,07. Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), hält eine Intervention der SNB für nötig: «Wir verlangen, dass sie aktiv gegen die Aufwertung des Franken kämpft und für eine Abwertung sorgen muss.»

Zur Sprache bringen wollen das die Gewerkschaften an einem runden Tisch, den Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) in der «Sonntagszeitung» angekündigt hatte. Dieses Spitzentreffen mit dem Bund brauche es, sagt Lampart nun gegenüber CH Media. Wichtig sei, dass Kantone die Anträge auf Kurzarbeit der Unternehmen nun unbürokratisch bewilligen. Unternehmen können seit neustem entsprechende Gesuche beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) stellen. «Das muss auch für den Dienstleistungssektor gelten», sagt Lampart. Bisher wurde Kurzarbeit vor allem in der Industrie angewendet. Ein weiteres Problem sei, dass viele Firmen nicht mehr an Vorprodukte und Rohstoffe kommen. «Der Bund und die Verbände sollen bei Engpässen in diesem Bereich helfen, alternative Bezugsquellen zu finden.» Kritik übt Lampart an der Informationspolitik des Bundes. Zwar sei der Informationsfluss «ausreichend», aber: «Er sollte sich in den nächsten Tagen verbessern.»

Schwarze Aussichten für die Weltwirtschaft

Wenig übrig für runde Tische und ein Konjunkturprogramm hat SVP-Nationalrat Alfred Heer. «Der Hyperaktivismus ist fehl am Platz», sagt er. Auch seine IT-Firma sei betroffen und könne keine PC mehr liefern. «Das ist halt so und kurzfristig nicht zu ändern. Für die vom Corona-Virus betroffenen Firmen haben wir bereits die notwendigen Mittel wie Kurzarbeit, die in diesem Fall greifen», sagt Heer. «Man sollte sich jetzt auf die gesundheitliche Bewältigung konzentrieren.»

Eine Umfrage zeigt, dass bereits in mehreren Kantonen Gesuche eingereicht worden sind. Im Kanton Luzern, wo der Tourismus eine wichtige Rolle spielt, sind es bereits 18 Anträge. Auch im Kanton Bern, wo die Tourismusregion Berner Oberland das Ausbleiben der chinesischen Gäste spürt, wurden 4 Gesuche eingereicht. Etwas weniger sind es in Zürich (5), Basel-Stadt (2) und St.Gallen (2). Häufig handelt es sich laut den Behörden um vorsorgliche Anträge. Ob die Unternehmen tatsächlich Kurzarbeit einführen, sieht das Seco erst in späteren Arbeitszeitstatistiken.

Die Ämter gehen davon aus, dass die Anzahl Gesuche je nach Entwicklung der Epidemie zunehmen wird. «Zahlreiche Unternehmen» erkundigten sich derzeit nach den Kriterien für virusbedingte Kurzarbeit, heisst es etwa beim Kanton Basel-Stadt. Diese kommen vor allem aus der Gastronomie, Hotellerie und anderen Dienstleistungssektoren. Um Kurzarbeit einzuführen, müssen Firmen einen Zusammenhang zwischen Arbeitsausfall und Corona-Virus belegen können. Laut dem Seco könne der Arbeitsausfall entweder auf behördliche Massnahmen (etwa Abriegelung der Städte) oder auf wirtschaftliche Gründe (etwa ein Nachfragerückgang infolge von Infizierungsängsten) zurückzuführen sein.

Derweil schrauben Ökonomen ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft herunter. Gestern schlug die OECD Alarm. Die Industriestaaten-Organisation warnte vor dem grössten Wirtschaftsrisiko seit der Finanzkrise und senkte ihre Prognose für 2020 von 2,9 auf 2,4 Prozent. Ein «langanhaltender und intensiver Ausbruch» des Virus könne die Prognose sogar auf 1,5 Prozent verringern, schreibt die OECD und schliesst auch eine Rezession nicht aus.

Die OECD ruft die Regierungen deshalb auf, «schnell und energisch» zu handeln, und fordert unter anderem eine unterstützende Geld- und Finanzpolitik. Italien und Japan planen nun Hilfspakete in Milliardenhöhe. Im Ursprungsland China wurden bereits zahlreiche Massnahmen eingeleitet, um die Liquidität im Markt kurzfristig zu erhöhen. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien diskutieren derzeit über Konjunkturprogramme.

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