Charcuterie
Warum Fleischverarbeiter Bell erfolgreich auf Salate setzt

Jetzt wird auch noch die Fleischverarbeitung automatisiert. Beim Fleischverarbeiter Bell in Basel ist ein erster Charcuterie-Roboter bereits tätig. Das Unternehmen experimentiert auch mit vegetarischen Lebensmitteln.

Stefan Schuppli
Drucken
Die Automatisierung – hier in der Salami-Verpackung – wird weiter voranschreiten.

Die Automatisierung – hier in der Salami-Verpackung – wird weiter voranschreiten.

KEYSTONE

Die ersten Schritte mögen bescheiden aussehen. Der Charcuterie-Roboter in Basel ist eher eine Verpackungsmaschine, die die Wursträdli ordentlich in die Verpackung bringt. Das spart vielleicht gerade mal drei Stellen ein. Bei Bell ist man aber überzeugt, dass die Entwicklung weiter gehen wird. Nicht aus Spargründen, sondern weil sich immer weniger Leute finden lassen, die die Arbeit machen wollen, sagte Bell-Chef Laurenz Wyss an der Jahresmedienkonferenz.

Bereits existiere eine chinesische Anlage, die imstande sei, Fleisch auszulösen. Diese Arbeit kann also eine Maschine abnehmen. Die Arbeitsbedingungen in diesem Beruf sind hart: Zwischen zwei und 12 Grad ist es, und feucht.

Lernen von Medtech

Die Automatiklösungen in der Metzgerei sind nicht «von der Stange» zu haben. «Wir gehen davon aus, dass man hier Anleihen in der Medtech-Branche machen muss. Diese stellt sehr genau arbeitende Operationsroboter her, sagte Finanzchef Marco Tschanz gegenüber der «Nordwestschweiz». Sicher ist, dass grosse Investitionen, wie sie etwa in Oensingen geplant sind, gut überlegt sein müssen. «Bis in ein paar Jahren sind möglicherweise solche Geräte auf dem Markt.» Automatisierung und Informatik böten ein riesiges Potenzial. Es sei für die Industrie wichtig, Trends möglichst früh zu erkennen und produktionstechnisch darauf reagieren zu können.

Vegetarische Bell

Ein solcher Trend sei bei Bell heute schon klar zu erkennen: mehr Fertiggerichte («Convenience»), mehr Seafood, mehr vegetarische Produkte. Richtig gelesen: Der Fleischverarbeiter Bell wird auch ein bisschen fleischlos und verkauft unter der Marke «Eisberg» auch immer mehr Fertigsalate. Hier hat sich Bell in der Schweiz als Marktführer profiliert.

Diese Sparten wachsen kräftig und sie haben erst noch eine höhere Marge. Nicht zuletzt firmiert der europaweit tätige Konzern unter «Bell Food Group». So wurde auch die Marketingstrategie angepasst.

Nach der Akquisition von 51 Prozent an Hilcona stieg der Umsatzanteil von «Convenience» auf 17 Prozent. Frischfleisch macht 25 Prozent aus, Charcuterie 31 Prozent, Geflügel 20 und Seafood 5 Prozent.

Das Marktumfeld sei aber hart, besonders in Deutschland und Frankreich, wo die Preise enorm unter Druck seien. Wyss schloss nicht aus, dass man sich von Frankreich verabschiede. Dank der Vollkonsolidierung der neuen Firmen sind Umsatz und Betriebsgewinn um über 20 Prozent gestiegen. Weil Gewinnbeiträge an Minderheitsaktionäre abgeliefert worden seien, wuchs der Gewinn nur um 6,1 Prozent. Das organische Wachstum der Gruppe beläuft sich auf rund ein Prozent.

In der Schweiz, wo Bell 69 Prozent des Umsatzes erzielt, wurde «trotz schwierigen Rahmenbedingungen ein solides Ergebnis» erzielt. Die Rohstoffteuerung und die stärkere Wettbewerbsintensität hätten den Druck auf die Margen erhöht. Mit Verkaufsförderungsmassnahmen und Effizienzsteigerungen konnte dies grösstenteils wettgemacht werden.

Auch für das laufende Jahr geht Bell von abermals anspruchsvollen Rahmenbedingungen aus, insbesondere durch weiterhin volatile Rohstoffpreise und einen andauernden, sich intensivierenden Wettbewerb. Im Fokus der unternehmerischen Aktivitäten stehe die reibungslose Integration der akquirierten Unternehmen. In diesem Jahr wird Bell darüber hinaus mit den Investitionen in Oensingen (Tiefkühllager, Erneuerung Schlachtbetrieb, Parkhaus) und in Basel (Neubau eines Parkhauses und des Betriebes «Seafood») beginnen. Das Volumen beträgt rund 500 Millionen, zwei Drittel davon werden in Oensingen, ein Drittel in Basel investiert.

Die Bell-Aktie büsste gestern 7,6 Prozent ein und schloss bei 439 Franken. Womöglich handelt es sich um Gewinnmitnahmen in einem engen Markt. In den vergangenen acht Tagen schoss die Aktie stark nach oben.

Aktuelle Nachrichten