Detailhandel
Warum die Schweizer bei Denner, Aldi und Lidl einkaufen

Sicher: Die Dominanz von Migros und Coop ist im Schweizer Lebensmitteldetailhandel nach wie vor ungebrochen. Aber nicht mehr ungangefochten: Die drei Discounter Denner, Aldi und Lidl haben sich als feste Grössen etabliert.

Ruedi Mäder
Merken
Drucken
Teilen
Noch hält Denner die Konkurrenz punkto Umsatz in Schach. Chris Iseli

Noch hält Denner die Konkurrenz punkto Umsatz in Schach. Chris Iseli

Zu den Eigenheiten des Schweizer Lebensmittel-Detailhandels gehört die Dominanz der beiden Grossverteiler Migros und Coop. Dass diese beiden umsatzmässig in einer eigenen Liga spielen, hat nicht nur mit ihrem Eigenwachstum zu tun, sondern auch mit einer Reihe von Firmenübernahmen. Die letzten Deals hatten aber auch wettbewerbsrechtliche Konsequenzen: Die Übernahme des letzten einheimischen Discounters Denner durch die Migros anno 2007 wurde von der Wettbewerbskommission an Auflagen geknüpft.

Die Weko wollte damit vor allem sicherstellen, dass Denner nicht einfach mit der Mutter Migros gleichgeschaltet würde. Über eine Lockerung jener und anderer Auflagen (auch für Coop) kann 2014 mit der Weko gesprochen werden – oder vorher, falls Aldi und Lidl gemeinsam 250 Filialen betreiben.

Trio mit 10 Prozent Marktanteil

Aldi ist seit 2005 präsent, Lidl seit 2009. Kumuliert betreiben die beiden rund 190 Läden und stemmen einen Umsatz von schätzungsweise 2 Milliarden Franken. Das Trio Denner, Aldi und Lidl halte aktuell einen Anteil von 10 Prozent am Lebensmitteldetailhandel, folgert das Handelsberatungsunternehmen Fuhrer & Hotz. Dieses fühlte im August rund 500 Discountkunden den Puls.

Die über 65-Jährigen kaufen überdurchschnittlich häufig bei einem Discounter ein. Demgegenüber, so resümieren Fuhrer & Hotz, sei das Segment der jungen Konsumenten «deutlich untervertreten».

Meistgenanntes Motiv für den Einkauf bei einem der drei Discounter ist der Standort, das heisst die Nähe zum Wohn- oder Arbeitsort. Am zweithäufigsten wird der Laden wegen eines bestimmten Produkts besucht. Erst an dritter Stelle werden Preise beziehungsweise Aktionen als Einkaufsmotiv genannt.

Der Preis ist heiss

Punkto Preis räumen die Aldi-«Shopper» ihrem Detailhändler die grösste Attraktivität ein, dicht gefolgt von Lidl, während Denner an dritter Stelle liegt. Die Discounter-Klientel vermutet, dass sie gegenüber einem identischen Einkauf bei einem Grossverteiler im Schnitt 15 bis 20 Prozent spart. Dass viele Kunden beim Schätzen von Preisen aber häufig weit daneben liegen, hat eine Erhebung der Marktforscher GfK Schweiz von Mitte 2011 gezeigt.

Der Blick in die Einkaufstaschen zeigt, dass es Aldi mittlerweile gelungen ist, die Kundschaft zum so genannten Grosseinkauf zu animieren: Mit durchschnittlich 14 Artikeln und Ausgaben von Fr. 38.50 weist Aldi deutlich höhere Werte auf als die beiden Zunftverwandten.

Die Imageprofile schmeicheln den drei Ketten. Zwischen 70 und 80 Prozent der Kunden attestieren ihrem Discounter, glaubwürdig («hält, was er verspricht») und vertrauenswürdig zu sein. Bezüglich Frische hat Lidl die Nase vorn. Nur Denner wird zugeschrieben, «schweizerisch» zu sein.

Denner ist bezüglich Tabakwaren und Getränken die bevorzugte Discounteradresse. Bei Elektrogeräten hingegen haben die Konkurrenten aus dem Norden die Nase vorn.

Bei haltbaren Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln kommt es am häufigsten zu «Fehlverkäufen» – weil schlicht keine Ware vorrätig ist.