Homeoffice

Von der Telefonkonferenz auf die Loipe – wie Berggebiete zum Büro werden wollen

Arbeiten und Langlaufen am selben Tag? Homeoffice macht dies möglich.

Arbeiten und Langlaufen am selben Tag? Homeoffice macht dies möglich.

Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch über eine Homeoffice-Pflicht. So oder so wollen die Bergregionen langfristig davon profitieren.

Am Morgen in die Telefonkonferenz, am Nachmittag auf die Loipe oder Skipiste: Seit man wegen der Coronapandemie nicht mehr im Büro auftauchen muss, zieht es immer mehr Schweizer zum Arbeiten in die Berge – in die Zweitwohnung, ins Ferienhaus oder ins Hotel. In Bergregionen wird diese Möglichkeit deshalb zunehmend beworben, von Davos bis Verbier, von Tourismusorganisationen und Hotelketten bis hin zu privaten Anbietern.

Unabhängig davon, ob der Bundesrat die derzeit geltende Homeoffice-Empfehlung zu einer Pflicht ausdehnt, ist Homeoffice für die Bergregionen eine riesige Geschäftsopportunität. Kurzfristig, um die coronabedingten Verluste zu kompensieren. Aber auch langfristig: Städter oder «Unterländer» könnten die tendenziell überdimensionierten Infrastrukturen das ganze Jahr hindurch füllen. Unausgelastete Zwischenmonate im Herbst und Frühling sowie ausgestorbene Dörfer wären von gestern.

Von solchen Szenarien träumen jedenfalls die Berggebiete. Völlig utopisch sind sie nicht. Aktuell vermögen Buchungen dieser Art zwar nur die coronabedingten Verluste etwas zu kompensieren. Doch Pascal Jenny, Kurdirektor in Arosa/Lenzerheide, glaubt, dass Homeoffice mittelfristig 10 bis 15 Prozent zur gesamten Wertschöpfung beitragen könnte. «Viele Hotels überlegen sich momentan, die Zimmer entsprechend auszurüsten, zum Beispiel mit grösseren Tischen.» Reto Branschi, CEO der Destination Davos/Klosters, geht von 5 bis 10 Prozent aus. Dies, weil der Kongress-Tourismus bereits einen wesentlichen Anteil ausmache.

Homeoffice ist erst seit kurzer Zeit ein grosses Thema

Angesichts des grossen Potenzials ist es eigentlich erstaunlich, dass die alpinen Destinationen das Arbeiten in den Bergen nicht schon eher offensiv vermarktet haben. In den ersten Pandemiemonaten. Oder noch vor Corona. Pascal Jenny räumt ein:

Jenny fügt an: «Denn wir tun uns zum Beispiel seit Jahren schwer, im oft sonnigen Spätwinter Ende März bis Mitte April Gäste zu uns auf die Skipisten zu holen. Bis vor kurzem war Homeoffice vielerorts aber nun mal noch kaum ein Thema.»

Homeoffice-Trend: Wird er anhalten?

Einige Initiativen und Projekte gab es freilich schon vorher. Viele Hotels – etwa das Rocks-Resort in Laax – hatten bereits vor Corona Co-Working-Spaces eingerichtet. Ebenso die Standortinitiative «miaEngiadina», die das Engadin zum bevorzugten Rückzugs- und Vernetzungsort der Schweiz machen will und zwecks einer besseren Digitalisierung Glasfasernetze vertreibt. Dann führt die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) seit 2018 ein alpenweites Pilotprojekt durch (mit Regionen von Slowenien bis Frankreich), bei dem für Berggebiete die Chancen der Digitalisierung aufgezeigt werden. In der Schweiz beteiligten sich fünf Oberwalliser Gemeinden daran, 2021 wird es im ganzen Land ausgeweitet.

Wie stark die Gebiete von der Homeoffice-Revolution profitieren können, ist heute dennoch schwierig abzuschätzen. 2021 könnte diesbezüglich spannend werden. Hält der Homeoffice-Trend an und schaffen es die Destinationen, die Städter dafür auch nach Corona zu sich zu holen? Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab – darunter, ob die Arbeitgeber dies weiterhin möglich machen oder auf die Rückkehr ins Büro pochen.

Autor

Gabriela Jordan

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