Ueli Maurer zeigt sich überzeugt: Die jüngst in Washington verkündeten Sanktionen gegen russische Oligarchen, die auch den Winterthurer Industriekonzern Sulzer betrafen, waren «keine Aktion gegen die Schweiz». Vielmehr habe die amerikanische Regierung bei der Verhängung von Sanktionen gegen den Industriellen Viktor Vekselberg nicht sämtliche Konsequenzen bedacht – wohl auch, weil in den unteren Etagen der zuständigen Ministerien das Fachwissen fehle. «Wir leben in einer Zeit, in der solche Dinge vorkommen können», sagte Maurer während eines Pressegespräches am Rande der Frühlingstagungen der Bretton-Woods-Institutionen in Washington.

Seiner Meinung nach müsse die offizielle Schweiz aus der Episode eine Lehre ziehen: «In einem Umfeld, das sich immer rascher bewegt, müssen wir schneller und selbstbewusster reagieren», sagte der Bundesrat. Diese Aussage bezog sich nicht nur auf die Probleme, die Sulzer plötzlich hatte, sondern auch auf die Strafzölle, mit denen die Amerikaner seit Ende März Stahl- und vor allem Aluminiumimporte aus der Schweiz belegen. Obwohl Bundesbern umgehend gegen die Verhängung dieser Zölle intervenierte, wurde das offizielle Gesuch um eine Ausnahmeregelung erst am Freitag in Washington deponiert.

Maurer zog am Samstag eine positive Bilanz des Gesprächs, das er mit seinem amerikanischen Amtskollegen Steven Mnuchin führen konnte. Er sagte, das bilaterale Verhältnis zwischen der Schweiz und den USA sei gut. Und die beiden Regierungen stünden in einem regelmässigen, «sehr direkten und unkomplizierten» Gedankenaustausch auf der Ebene der Fachkräfte.

Auch der neue oberste amerikanische Notenbanker Jerome «Jay» Powell kenne die Schweiz «gut» und zeige viel Verständnis für die Besonderheiten des Landes. Dies bedeute aber nicht, dass sich die Schweiz zurücklehnen könne. So habe Bern erneut zur Kenntnis genommen, dass die Schweiz auf einer Liste des Finanzministeriums in Washington steht, die Auskunft über Währungsmanipulatoren gibt. Gemäss den Signalen, die man aus der amerikanischen Hauptstadt erhalten habe, steht die Schweiz nicht im Visier der Amerikaner, sagte Maurer. Auf diese Einschätzung könne man sich aber nicht verlassen.