Spielwaren

Toys ’R’ Us meldet Insolvenz an – ein Vorbote für Schweizer Shops?

Weltweit betreibt Toys ’R’ Us über 1600 Filialen – auch im Basler Stücki, in Spreitenbach und in Oftringen.

Weltweit betreibt Toys ’R’ Us über 1600 Filialen – auch im Basler Stücki, in Spreitenbach und in Oftringen.

Just vor dem Weihnachtsgeschäft meldet der US-Gigant Insolvenz an – zu viele Eltern hatten zuletzt Spielwaren online bestellt. Ein Vorbote für Schweizer Shops?

Das Spiel ist vorbei und das vor der wichtigsten Zeit für die Branche. Der US-Konzern Toys ’R’ Us stellte am späten Montagabend einen Antrag auf Gläubigerschutz. Zu viele Eltern hatten zuletzt die Actionfiguren, Puzzles und Puppen für ihre Kinder online bestellt, namentlich beim Handelsriesen Amazon. Hinzu kam eine drückende Schuldenlast, die den US-Spielwarenhändler in die Knie zwang. Noch sind die Geschäfte in den USA und Kanada jedoch offen. Ziel des Unternehmens sei es, die Schulden zu reduzieren und in den Online-Shop zu investieren, wie es in einer Medienmitteilung von Toys ’R’ Us heisst.

Toys ’R’ Us zählt insgesamt rund 64 000 Mitarbeitende und 875 Filialen in den USA. Weltweit sind es über 1600 Geschäfte, inklusive dem Kinderzimmer-Ausstatter «Babies ’R’ us». Die Investoren Bain und KKR hatten die Kette 2005 für 7,5 Milliarden Dollar gekauft. Nach Bekanntgabe der Insolvenz fielen auch die Aktienkurse der Spielzeughersteller Hasbro («Transformers») und Mattel («Barbie»). Beide haben offenbar bereits ihre Lieferungen eingeschränkt, aus Angst, dass ihre Rechnungen nicht beglichen werden.

Weniger Umsatz in der Schweiz

Auch in der Schweiz war Toys ’R’ Us zuletzt wenig erfolgreich. Der Umsatz fiel in den vergangenen zwei Jahren von 95 auf 89 Millionen Franken. Insgesamt präsentiere sich die Marktsituation jedoch stabil, sagt Sandro Küng, Geschäftsführer vom Spielwaren-Verband Schweiz (SVS). «Die Umsätze sind Jahr für Jahr konstant, ohne grosse Ausrisse.» Insgesamt setzen die Schweizer Spielwarenhändler 460 Millionen Franken um. Besonders beliebt seien zurzeit Roboter der Hollywood-Filme «Transformers» und «Star Wars» sowie Puzzles und Brettspiele, sagt Küng. Zu einem Verkaufshype hätten kurzfristig zudem die sogenannten Fidget Spinner geführt, mit denen angeblich Nervosität abgebaut werden soll.

Während Toys ’R’ Us in der Schweiz an Umsatz einbüsst, gibt es tatsächlich manche Schweizer Spielwarenhändler, die zurzeit auf Expansionskurs sind. Keine Probleme sieht man etwa bei Spielkiste, welche momentan zehn Standorte in der Deutschschweiz betreibt. Der Kunde wisse genau, was er für sein Geld erwarten könne, und da seien Fachgeschäfte im Vorteil, sagt Spielkiste-Geschäftsführer Patrick Lutz. Und dies unabhängig davon, ob der Onlinemarkt wichtiger werde. Spielkiste geht es offenbar gut: Der 11. Standort wird im November in der Mall of Switzerland eröffnet. Und auch bei Amsler Spielwaren kam in diesem Jahr ein neuer Standort dazu. Neu betreibt Amsler acht Läden in der Deutschschweiz. Die Filiale in Brugg musste jedoch wegen sinkender Kundenfrequenz aus der Altstadt wegzügeln.

Franz Carl Weber ohne E-Shop

Langfristig können sich aber wohl auch diese Marktteilnehmer nicht dem Onlinetrend entziehen. Das Marktforschungsunternehmen GfK schätzt den Online-Anteil am Schweizer Spielwarenmarkt auf gerade mal 7 Prozent, was gegenüber dem Ausland ein äusserst tiefer Wert ist. Sandro Küng vom SVS schätzt den wahren Wert, inklusive Bestellungen über Amazon, denn auch auf 14 Prozent. Und beim Migros-Onlinewarenhaus Galaxus spricht man von steigenden Umsätzen mit Spielwaren.

Doch nicht jeder Händler wird sich die teuren Investitionen für den Aufbau eines gut funktionierenden und grossen Onlineshops leisten können. Beim Traditionsunternehmen Franz Carl Weber, das dem französischen Konzern Ludendo gehört, fehlt ein solcher sogar komplett. Stattdessen verkauft Franz Carl Weber seine Artikel auf Siroop, dem noch jungen Amazon-Verschnitt von Coop und Swisscom. Das Traditionshaus Pastorini setzt bereits auf einen eigenen Online-Shop. Laut der Studie «Retail Outlook» der Credit Suisse kauften Schweizer Konsumenten 2015 Waren im Wert von rund 7,5 Milliarden Franken im Internet ein, also 5 Prozent aller Detailhandelsumsätze. In den letzten sieben Jahren habe der E-Commerce ein jährliches Wachstum von 6,4 Prozent verzeichnet. Die Bank geht davon aus, dass sich der E-Commerce-Anteil im Detailhandel innerhalb der nächsten fünf Jahre auf über 10 Prozent verdoppeln wird. Davon wird auch der Spielwarenhandel nicht ausgenommen sein.

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