Todesfall
Bernie Madoff stirbt in Gefängnisklinik – Oswald Grübel: «Er bewies, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss»

Der 82-Jährige Bernie Madoff war in den USA wegen eines spektakulären Anlagebetrug zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. Bankerlegende Oswald Grübel bezeichnet seine Lüge als durchsichtig.

Stefan Ehrbar und Daniel Zulauf
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Bernie Madoff bekannte sich 2009 vor einem New Yorker Gericht schuldig.

Bernie Madoff bekannte sich 2009 vor einem New Yorker Gericht schuldig.

Keystone

Der wegen eines der grössten Anlagebetrugsfälle der Finanzgeschichte zu 150 Jahren Haft verurteilte US-Börsenmakler Bernard Madoff ist tot. Entsprechende US-Medienberichte bestätigten US-Justizbehörden am Mittwoch auf Nachfrage. Madoff verstarb im Alter von 82 Jahren in einer Klinik eines Gefängnisses im US-Bundesstaat North Carolina, wo er seine Strafe verbüsste.

Madoff gilt als Mastermind eines Finanzschwindels historischer Dimension. Er hatte sich 2009 in elf Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter Betrug und Geldwäsche. Er hatte Investoren um Dutzende Milliarden Dollar gebracht, indem er über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne durch Geld neuer Anleger vortäuschte. Als der Schwindel in der Finanzkrise aufflog, verloren viele ihre ganzen Ersparnisse.

Madoff betrieb ein «Ponzi-Schema»

Madoff hatte bereits im Februar 2020 in einem Interview mit der «Washington Post» geklagt, sterbenskrank zu sein und in der Corona-Pandemie einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt, dem jedoch nicht stattgegeben worden war. Sein Anwalt hatte damals erklärt, dass Madoff an einer tödlichen Nierenkrankheit leide und wahrscheinlich nur noch weniger als 18 Monate zu leben habe.

Madoff wurde 1938 in Brooklyn geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Studium der Politikwissenschaften gründete er 1960 seine Investmentfirma, die zunächst erfolgreich mit «Penny Stocks», also Aktien mit sehr tiefem Wert, handelte. Madoff stieg zudem früh in den automatisierten Wertpapierhandel mit Computern ein. 2008 wurde er verhaftet, weil er ein «Ponzi-Schema» betrieben hatte.

Grübel hielt Madoff draussen

Dabei handelt es sich um ein System, das Ausschüttungen an bestehende Teilnehmer mit Beträgen neuer Teilnehmer deckt – nicht unähnlich einem Schneeballsystem. Ein solches System funktioniert nur, wenn die Zahl der Teilnehmer stetig steigt. Als einer von Madoffs Kunden milliardenschwere Einlagen zurückforderte, kollabierte Madoffs Firma.

Der ehemalige Chef der Credit Suisse und der UBS, Oswald Grübel, hatte den Verlockungen von Madoffs vermeintlichem Superfonds widerstanden und ihn nicht in die Credit Suisse hineingelassen. «Madoff konnte der Welt über Jahre hinaus eine Performance vorgaukeln und sich so den Status eines Gurus erschwindeln», sagte Grübel im Januar 2019 im Gespräch mit CH Media. «Damit hat er bewiesen, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss, damit sie glaubwürdig wird.»

«Madoffs Lüge war durchsichtig»

Die Zeiten seien damals «sehr anders als heute» gewesen, so Grübel. «Wer sich vor 20 Jahren eine Reputation erarbeitet hatte, konnte lange darauf herumreiten, ohne befürchten zu müssen, ernsthaft hinterfragt zu werden. Im Informations- und Technologiezeitalter von heute ist das anders.» Madoffs Erklärungen über sein Erfolgsrezept seien damals nicht stichhaltig gewesen. «Es ist schon wenig plausibel, dass jemand über lange Zeit eine sehr stabile jährliche Rendite erwirtschaften kann, ich glaube, die lag damals bei etwa 7 Prozent im Jahr. Hätte er dies tatsächlich hingekriegt, wäre dies eine Meisterleistung gewesen», so Grübel.

«Dann behauptete er, mit Optionen zu arbeiten und mehr Rendite erwirtschaften zu können als die Konkurrenz, weil er mit seiner eigenen Brokerfirma sehr nahe am Markt dran sei. Aber die Gesetze und Vorschriften galten für die Madoff-Broker genau gleich wie für die anderen. Auch diese Lüge war deshalb durchsichtig», sagte er dieser Zeitung.

Oswald Grübel prägte den Schweizer Finanzplatz wie kaum ein anderer Manager. Bis 2007 leitete er während fünf Jahren die Credit Suisse, für die er während insgesamt 37 Jahren tätig war. Als bald darauf die UBS am Abgrund stand, holte deren Verwaltungsrat den heute 76-Jährigen als Retter aus dem Ruhestand zurück. 2011 trat er zurück, nachdem ein Händler in London 2,3 Milliarden Franken in den Sand gesetzt hatte.

Mit Material der Agentur dpa.