Autobranche

Tiefe Benzinpreise: Kaufen die Schweizer nun mehr Autos?

Die Autohändler können sich dank den tiefen Benzinpreisen auf ein gutes Jahr einstellen. Dazu kommen die Euro-Rabatte wegen des starken Frankens. Alles in Butter also?

Wenn ein Blick in die Vergangenheit die Entwicklung in die Zukunft voraussagt, dann wird 2015 ein gutes Jahr für den Autohandel. Die Importeure überbieten sich nach dem Frankenschock mit saftigen Rabatten auf Neuwagen. Die bereits 2011 und 2012 durch den Franken-Höhenflug ausgelöste «Rabattschlacht» zeigte damals jedenfalls Wirkung. 2012 wurde mit über 328'000 verkauften Autos das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten erreicht.

Keinen nennenswerten Beitrag an den Autoabsatz in der Schweiz liefert dagegen der Benzinpreis. Dies zeigt ein Vergleich der Benzinpreise und der Autoverkäufe. Seit Anfang 2000 verlaufen die Kurven praktisch identisch; wenn der Benzinpreis steigt, gehen die Autoverkäufe nicht auffallend zurück und umgekehrt (siehe Grafik). Auch die jüngste Benzinpreis-Senkungsrunde wird daran nicht viel ändern. Im Durchschnitt kostet aktuell der Liter Benzin bleifrei rund 1.40 Franken. Nach Berechnungen des Bundesamtes für Statistik lag der Preis für den Treibstoff im Jahresdurchschnitt letztmals 2004 so tief. 

Die Autoverkäufe im langjährigen Durchschnitt.

Die Autoverkäufe im langjährigen Durchschnitt.

Billiger Sprit hebt Kauflust

Im Gegensatz zur Schweiz beeinflusst der Benzinpreis den Autokauf in den USA. Dort folgt der Autoabsatz jeweils stark dem Verlauf des Benzinpreises. Dieser hat sich seit vergangenem Sommer fast halbiert auf rund 2 Dollar je Gallone (3,8 Liter). Dies entspricht umgerechnet etwa 50 Rappen. Deshalb läuft das Autogeschäft auf Hochtouren. An der Detroit Auto Show Mitte Januar meldeten praktisch alle inländischen und ausländischen Autobauer Rekordzahlen für den US-Markt. Erste Schätzungen rechnen für 2014 mit dem Verkauf von 16,9 Millionen Autos. Das sind gegenüber 2012 rund 17 Prozent mehr. Und für 2015 wird eine weitere Steigerung erwartet.

Der Benzinpreis spiele in der Schweiz beim Kaufentscheid für ein Auto tatsächlich keine Rolle, sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz. Hierzulande sei eine Benzinpreissenkung im Ausmass wie in den USA nicht möglich. Nach der jüngsten Senkung von über 1.70 Franken auf die erwähnten 1.40 Franken sei das weitere Senkungspotenzial beschränkt. Burgener verweist auf die hohen Abgaben an den Staat. Laut Angaben der Erdölvereinigung fliesst deutlich über die Hälfte des Benzinpreises an den Zapfsäulen in Form von fixen Kosten wie Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag, usw. an den Staat – sie sind für den Tankstellenbetreiber unbeeinflussbar.

Dagegen ist, so Burgener, bei den Schweizer Konsumenten der Treibstoffverbrauch ein Thema. «Die Effizienz eines Autos ist ein wichtiger Punkt beim Kaufentscheid.» Zudem verweist er auf die qualitativen Fortschritte im Autobau. «Der Beschaffungszyklus erhöht sich und das Durchschnittsalter des schweizerischen Autoparks steigt.»

«Das benzinsensitivste Land»

In den USA ticken die Uhren beim Autokauf anders, sagt Martin Neff, Chefökonom bei Raiffeisen. «Die USA sind das benzinsensitivste Land der Welt.» Wenn die Haushalte ihre Benzinrechnung halbieren können, werde das zusätzlich verfügbare Einkommen grossmehrheitlich nicht etwa gespart, sondern umgehend ein neues Auto gekauft oder geleast. Das funktioniert auch umgekehrt. Als der Benzinpreis in den USA auf über vier Dollar pro Gallone stieg, gingen die Autoverkäufe sofort zurück; insbesondere die «Spritfresser» blieben auf der Halde.

Der US-Konsument sei damals zur Vernunft gekommen, Ökologie wurde zum Thema. «Mit dem freien Fall des Benzinpreises ist diese Sensibilisierung nun aufgehoben worden.» An der Automesse in Detroit hiess es, dass inzwischen jedes zweite in den USA verkaufte Auto ein Pick-up oder ein SUV sei. Und das US-Energieministerium gab bekannt, dass das Ziel – 2015 eine Million Elektroautos zu verkaufen – nicht erreicht werde. Neff verweist in diesem Zusammenhang auf den Aktienverlauf des US-Elektroautoherstellers Tesla. Der Kurs hat innert drei Monaten über 20 Prozent verloren.

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