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Ende des Zonen-Chaos? So sieht der neue SBB-Billettautomat aus – und das ändert sich beim Ticketkauf

Die Bahn prüft, ob sie auf ihren Billettautomaten neue Funktionen anbieten kann. Mehrere Automaten in Bern sind bereits umgerüstet, Hunderte weitere könnten folgen.

Stefan Ehrbar
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So sieht die Oberfläche der neuen Billettautomaten aus.

So sieht die Oberfläche der neuen Billettautomaten aus.

SBB

An fünf Billettautomaten der SBB im Bahnhof Bern ist etwas anders. Ihre Benutzeroberfläche ähnelt jener auf dem Smartphone, die bisherigen Schaltflächen sind verschwunden. Das ist Teil eines Tests der Bahn. Sie tüftelt am «Billettautomat der Zukunft», wie sie das Projekt nennt.

Die grösste Änderung: Während bei den aktuellen Automaten Kunden jeweils ihren Zielort angeben und dann auswählen, wann sie fahren möchten und über welche Strecke, entspricht die Oberfläche der neuen Automaten jener der SBB-App. Zunächst müssen Billettkäufer ihren Zielort angeben. Danach werden die nächsten Verbindungen dorthin präsentiert. Nach Auswahl einer passenden Verbindung werden die zur Verfügung stehenden Billette angezeigt, die dann gekauft werden können.

Beenden die SBB das Zonen-Chaos?

Damit könnte das Zonen-Chaos Geschichte sein. Bei den jetzigen Automaten haben einige Nutzer Probleme, weil sie beispielsweise nicht wissen, welche Strecke ihr Zug nimmt und die falsche Verbindung lösen – oder weil sie die falschen Zonen in Tarifverbünden lösen. «Um heute ein Billett zu kaufen, braucht es oft einen Pilotenschein», sagte Karin Blättler, die Präsidentin von Pro Bahn, im Dezember 2019 dem SRF. «Diese Komplexität ist unhaltbar.» Müssen Passagiere nun zuerst die konkrete Verbindung auswählen,d ürfte sich dieses Problem entschärfen.

Der Billetkauf funktioniert an den mittlerweile fünf umgerüsteten Automaten in Bern nur mit Kreditkarte oder einem anderen kontaktlosen Zahlungsmittel wie Apple Pay. Dabei soll es allerdings nicht bleiben: Wenn die Automaten sich bewähren und in der ganzen Schweiz die neue Software eingesetzt wird, soll auch Bargeld akzeptiert werden.

SBB geht Bargeld-Diskussion aus dem Weg

Damit gehen die SBB einer Kontroverse aus dem Weg, die unlängst die Berner Bahn BLS mit ihrem Verzicht auf die Bezahlmöglichkeit per Bargeld bei einigen neuen Automaten losgetreten hatte (CH Media berichtete). Allerdings handelt es sich auch dabei vorerst um einen Test. Die BLS muss die aktuellen Automaten bis im Jahr 2025 ersetzen und will nun herausfinden, ob ausschliesslich bargeldloses Bezahlen von den Kunden akzeptiert würde. Erste Rückmeldungen der Kunden seien positiv, sagte eine Sprecherin vor drei Monaten.

Die SBB hingegen teilten damals gegenüber CH Media mit, bargeldlose Automaten würden bei ihr «nicht so bald verschwinden», auch wenn an den Automaten bargeldlos bezahlt werden könne. Mit der Coronakrise hat das bargeldlose Bezahlen allerdings noch einmal einen Schub erhalten. Mittlerweile werden laut Zahlen der Nationalbank bei unregelmässig getätigten Zahlungen nur noch 43 Prozent mit Bargeld beglichen.

Test läuft bis Ende Jahr

Die neuen Automaten in Bern sollen noch bis mindestens Ende Jahr getestet werden, sagt SBB-Sprecher Martin Meier. Im Lauf der nächsten Monate werde entschieden, ob die neue Software auch auf anderen Automaten zum Einsatz komme. Diese sei einfacher und intuitiver bedienbar, sagt Meier. Es soll schneller und komfortabler möglich sein, zum korrekten Billett zu kommen.

«Die bestehende Benutzeroberfläche wurde in den letzten Jahren zwar laufend angepasst, aber nie grundlegend überarbeitet», so Meier. Die neue lehne sich nun an die SBB-App und sbb.ch an. «Digital natives», die mit digitalen Technologien vertraut sind und ihre Tickets schon heute online oder in der App kaufen, dürften bei der neuen Software damit im Vorteil sein.

Kunden geben noch kaum Feedback

Weil mit der neuen Oberfläche vor dem Billettkauf der Fahrplan der gewünschten Verbindung ausgewählt werden muss, könne sichergestellt werden, dass Kunden das für ihre Verbindung richtige Billett erhalten, sagt SBB-Sprecher Meier: «Der Aufwand für Erstattung oder Nachzahlung kann so minimiert werden.»

Und wie kommt die neue Software bei der Kundschaft an? Dazu halten sich die SBB noch bedeckt. Es seien bisher erst wenige Rückmeldungen eingegangen, sagt Meier. Andererseits würden an den umgerüsteten Automaten regelmässig Verkäufe getätigt. Darum gehe die Bahn davon aus, dass die neue Benutzerführung von den Kundinnen und Kunden gut akzeptiert werde.

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