Solnet
Telefondienst verrechnete vier Jahre zu tiefe Gebühren - und wusste davon

Solnet verschickte in den vergangenen vier Jahren aus immer zu tiefe Rechnungen. Nun will die Firma den Betrag aus «administrativen Gründen» in zwei Tranchen einfordern. Recherchen zeigen: Die falsche Verrechnung erfolgte bewusst.

Marco Sansoni
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Der Brief, welche die Solnet-Kunden vergangene Woche erhielten

Der Brief, welche die Solnet-Kunden vergangene Woche erhielten

AZ

Dicke Post für die Telefonkunden von Solnet. Diese Woche wird ihnen eine Rechnung für die Zeitspanne von 2007 bis 2010 ins Haus flattern. Grund dafür: Die Firma Solnet hat in der besagten Zeit den Kunden nur die Grundgebühr des Telefonanschlusses, nicht aber die Gesprächskosten verrechnet, bestätigt Markus Binz, Geschäftsführer von Solnet gegenüber «Radio 32».

630 Franken im Durchschnitt

Die Mehrkosten pro Anschluss beliefen sich durchschnittlich auf 15 Franken pro Monat, so Binz. Hochgerechnet auf die betroffene Zeitspanne muss so jeder Kunde 630 Franken berappen. Da ein Teil dieser Kunden mit einer Flatrate telefoniert, kann angenommen werden, dass einige der Beträge massiv über dem Durchschnitt liegen.

Was nach einer Computerpanne aussieht, ist in Wahrheit gar keine. az weiss aus zuverlässiger Quelle, dass die Firma über Jahre hinweg den Kunden falsche Rechnungen verschickte. Dies begann schon mit der Einführung des neuen Telefonieangebotes vor fünf Jahren. Ein für das Angebot von Geschäftsführer Binz persönlich programmiertes Abrechnungsprogramm funktionierte nie korrekt. Solnet behandelte dieses Problem anscheinend nicht prioritär und verschickte seither ihren Kunden zu tiefe Telefonrechnungen. Beim Anbieter fühlte sich ausserdem niemand gezwungen, die Kunden auf den Fakt hinzuweisen.

«Skandalöses Vorgehen»

André Bähler von der Stiftung Konsumentenschutz findet das Vorgehen von Solnet skandalös. «Es ist besonders kundenunfreundlich, dass die Dienstleistungsbezüger nicht einmal über später folgende Rechnungen informiert wurden», so Bähler. Er könne sich an keinen vergleichbaren Fall erinnern.

Rechtlich könne der Kunde gegen Solnet nichts ausrichten, weil Telefonrechnungen erst nach fünf Jahren verfallen würden, sagt Bähler. Immerhin: Von der Firma wird eine Ratenzahlung gewährt. Die Konditionen dafür sind aber unbekannt. Bei Solnet war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.