«Will man uns bei lebendigem Leib verhungern lassen?» Roland Höhn, Administrator der Taxisektion Zürich, ist empört. «So gehts nicht!», kommentiert er die Vorstellungen der SBB des «Bahnhofs der Zukunft». Der SBB-Masterplan sieht mehr Flanierzonen mit Cafés und Restaurants vor. Massiv abgebaut würden dabei vor dem Zürcher Hauptbahnhof die Taxiplätze. Dort stünden die Taxis «teilweise stundenlang vor dem Haupteingang und verhindern damit eine Zone, in der man sich wohlfühlt», begründete dies Jörg Stöckli, Chef der SBB-Immobiliensparte, gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Unter einem Abbau der Standplätze leiden werde der kleine, unabhängige Taxifahrer, sagt Höhn: «Wer profitiert, ist Uber.» Nicht alle Berufskollegen sind mit Roland Höhn einverstanden. Ein Zürcher Taxifahrer nervt sich selber über die Verhältnisse vor dem Hauptbahnhof: «Da herrscht Wildwest – die Taxis stehen Stossstange an Stossstange, das verunmöglicht dem Fahrgast die gesetzlich garantierte freie Taxiwahl.» Er verweist auf das System am Bahnhof Bern, wo nur fünf Taxis direkt vor dem Bahnhofgebäude stehen.

Ähnlich ist es am Flughafen Zürich. Nur jene Wagen fahren zur «Ankunft 1» oder «Ankunft 2» vor, die tatsächlich benötigt werden. Alle andern warten weiter weg. Ein Signal zeigt, wann sie an der Reihe sind. «Im Durchschnitt beträgt die Wartezeit im Warteraum 36 Minuten», sagt Flughafensprecherin Sonja Zöchling.

Auch der Aargauer SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner signalisiert ein gewisses Verständnis dafür, rückwärtige Warteräume für Taxis zu schaffen. Direkt vor dem Bahnhof sei in Zürich wohl ein halbes Dutzend Taxiplätze ausreichend, sagt er.

SBB: Hat mit Uber gebrochen

Skeptisch bleibt Giezendanner beim SBB-Masterplan dennoch. Die Hauptaufgabe der SBB sei der Güter- und Personentransport, «das ist natürlich unbequemer, als Marketing und Immobilienoptimierung zu betreiben». Da müsse die Politik wachsam bleiben.

Taxisuisse, eine Fachgruppe des Nutzfahrzeugverbands Astag, pocht in der Standplatzfrage auf den direkten Dialog der SBB mit der Taxibranche. Immerhin hätten die SBB eine beabsichtigte Zusammenarbeit mit Uber abgebrochen. Uber greift die Taxibranche mit Tiefstpreisen an. Das ist möglich, weil Uber weder Mehrwertsteuern noch Sozialabgaben zahlt.

Stattdessen setzen die Bahnen nun auf Go!, eine Lösung der Schweizer Taxibranche. So kann man mit der App «SBB Reiseplaner» nicht nur Bahnbillette kaufen oder Publibikes buchen, sondern gleich auch eine Taxifahrt bestellen und bezahlen.