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Syrien-Affäre: Verfahren gegen Lafarge eröffnet

Die französische Justiz hat ein formelles Verfahren gegen Lafarge wegen der Vorgänge in Syrien eröffnet. (Archiv)

Die französische Justiz hat ein formelles Verfahren gegen Lafarge wegen der Vorgänge in Syrien eröffnet. (Archiv)

Die Syrien-Affäre hat für den französischen Konzern Lafarge eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nun ist auch das Unternehmen eingeklagt.

Lafarge – die Tochter des schweizerisch-französischen Konzerns LafargeHolcim – wurde gestern von den Justizbehörden in Paris formell als juristische Person angeklagt. Die Vorwürfe lauten auf «Verstoss gegen ein Embargo», «Gefährdung des Lebens anderer», «Finanzierung eines terroristischen Unternehmens» und «Mittäterschaft an Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

Damit hat sich die Syrien-Affäre für Lafarge-Holcim weiter ausgeweitet. Lafarge hatte im Mai 2010 im Norden von Syrien ein modernes Zementwerk eröffnet. Auch als in dem Gebiet bewaffnete Konflikte ausbrachen, wollte man dessen Betrieb weiterhin aufrechterhalten. Zu diesem Zweck zahlte Lafarge hohe Summen, unter anderem an die Terrormiliz Islamischer Staat. Im November 2016 reichte die Nichtregierungsorganisation Sherpa eine Strafanzeige ein, zusammen mit elf syrischen Ex-Mitarbeitern. Im Dezember 2017 nahmen die französischen Behörden dann Ermittlungen auf. Zuletzt waren acht ehemalige Manager von Lafarge eingeklagt, darunter zwei ehemalige CEOs. Der Vorwurf an sie lautete auf «Terrorismusfinanzierung» und «Gefährdung des Lebens anderer».

Seit gestern wird auch gegen den Konzern selbst ermittelt. Sherpa vermeldete dazu: das Verfahren wegen «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» gegen eine «juristische Person» sei «weltweit das erste seiner Art». Das mache den Fall zum «Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit von Unternehmen», die Geschäfte in Kriegs- und Konfliktregionen treiben würden.

Lafarge-Holcim liess in einer Mitteilung ausrichten, «eine kleine Gruppe von Personen, die das Unternehmen bereits verlassen haben» habe sich «gravierende Verstösse» zuschulden kommen lassen. Lafarge selber jedoch werde sich gegen die Anschuldigungen zur Wehr setzen: «Sie entsprechen nicht den Verantwortlichkeiten von Lafarge.»

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