Erst kürzlich liess ein hochrangiger Manager des TelekomanbietersSalt verlauten, das Unternehmen wolle keine weiteren Preisoffensiven starten.

Mit der Positionierung der Nummer drei im Schweizer Markt sei man zufrieden. Immerhin sei Salt in der Schweizum 30 Prozent günstiger als der Branchenprimus Swisscom. Für weitere Preissenkungen sehe er keine Möglichkeiten.

Mal sehen, ob Salt nach der jüngsten Swisscom-Ankündigung an dieser Position festhalten wird. Denn die Nummer eins im Schweizer Markt hat am Dienstagmorgen einige Neuerungen angekündigt, die bei der Konkurrenz zu reden geben dürften...

Neue Handy-Abos

Die Swisscom lanciert neue Mobilfunk-Abos für Privatkunden und Firmen namens «Natel infinity 2.0». Konkret sind das (in der Regel) teurere Nachfolge-Angebote für die 2015 lancierten Infinity-Plus-Abos, die aber laut der aktuellen Ankündigung «massiv mehr Leistung» bringen:

  • Höhere Surfgeschwindigkeiten
  • Günstigere Datenpakete
  • Mehr Roaming
  • Unbegrenzter Online-Speicher

Die neuen «Natel infinity 2.0»-Abos im Überblick:

Höhere Abo-Preise

Für Infinity-Kunden kosten die neuen Handy-Abos zwischen 6 und 20 Franken mehr pro Monat, mit einer Ausnahme:

  • Infinity XS: 65 Franken statt 59.
  • Infinity S: 79 Franken statt 75.
  • Infinity M: gleicher Preis (99 Franken)
  • Infinity L: 139 Franken statt 129.
  • Infinity XL: 199 Franken statt 179.

Schneller surfen

Infinity-Kunden, die für ihr Abo mehr bezahlen, surfen auch schneller. An diesem Grundsatz ändert sich nichts, aber die Swisscom erhöht die Surfgeschwindigkeiten:

  • Infinity XS: 1 Megabit/Sekunde (statt 0,2).
  • Infinity S: 10 Mbit/s (statt 2).
  • Infinity M: 50 Mbit/s (statt 20).
  • Infinity L: unlimitierte Geschwindigkeit (statt 40 Mbit/s).
  • Infinity XL: unlimitierte Geschwindigkeit (wie bisher).

Abos kosten mehr, ausser...

Der neuen monatlichen Kosten für das Handy-Abo hängen davon ab, ob man von der Swisscom ein subventioniertes neues Gerät beziehen will. Die bisherigen tieferen Abopreise gibt es weiterhin, dann muss man schon ein Handy haben, respektive ein neues Gerät zum Vollpreis kaufen.

Neues Billig-Abo, aber...

Neben den teureren Infinity-Abos gibt es ein günstiges Einstiegsangebot namens «Natel light»: Privatkunden und KMU können für 29 Franken pro Monat schweizweit surfen und unlimitiert telefonieren (aber nur auf Anschlüsse von Swisscom-Kunden). Privatkunden unter 26 Jahren bezahlen nur 25 Franken pro Monat. Allerdings ist das Datenvolumen auf 500 Megabyte beschränkt, was insbesondere bei fleissigen Streamern (YouTube etc.) nicht reichen dürfte.

Mit M-Budget bietet die Swisscom schon heute ein Handy-Abo für 29 Franken an. Darin enthalten sind 1 Gigabyte Datenvolumen, 500 Telefonminuten und 500 SMS.

Günstiger ins Ausland

Neu sind bei allen Infinity-Abos Anrufe von der Schweiz ins EU-Ausland, nach Westeuropa, USA und Kanada in den Abonnementskosten inbegriffen.

Die Roaming-Tage (das sind die Anzahl Tage, an denen man im Ausland ohne Zusatzkosten unlimitiert telefonieren und SMS versenden kann) werden wie folgt erhöht:

  • Infinity XS: 30 Tage (keine Erhöhung).
  • Infinity S: 45 Tage (statt bislang 30).
  • Infinity M: 60 Tage (statt 30).
  • Infinity L: 365 Tage (statt 100)
  • Infinity XL: 365 Tage (wie bisher).

Swisscom senkt laut Ankündigung auch die Preise für die Datenpakete im EU-Ausland für alle Kunden um über 20 Prozent:

  • 200 Megabyte Daten gebe es ab 15 Franken,
  • und das 1-GB-Paket (1024 MB) für 39 Franken.

Auch ausserhalb der EU senkt die Swisscom die Preise fürs mobile Surfen. So kosten «in den wichtigsten Reiseländern» ausserhalb der EU 200 Megabyte noch 19 Franken.

«Unbegrenzter» Online-Speicher my Cloud

Allen Infinity-Kunden steht ab dem 5. April ein «unbegrenzter Online-Speicher für den normalen persönlichen Eigengebrauch» zur Verfügung. Swisscom nennt die Dropbox-Alternative, die Kundendaten in Schweizer Rechenzentren aufbewahrt, myCloud. Das Unternehmen betont, dass die Dienstleistung «damit dem heimischen Datenschutzgesetz» unterliege.

Der Speicherdienst ermöglicht es, Bilder, Videos und andere Dateien in einem virtuellen Tresor abzulegen. Mit der myCloud-App (für iOS und Android) kann man jederzeit auf die Inhalte zugreifen – vorausgesetzt, es besteht eine WLAN- oder Mobilfunkverbindung.

Was die Verantwortlichen unter der Formulierung «unbegrenzt» tatsächlich verstehen, wird sich in der Praxis zeigen, wenn einzelne Nutzer gewaltige Datenmengen bei myCloud ablegen...

Wann ist es so weit?

Die neuen Handy-Abos sind ab 21. März verfügbar. Bestehende Kunden können auf dieses Datum hin wechseln, oder auch ihren bisherigen Mobilfunk-Vertrag weiterführen.

Ab dem 1. April können Swisscom-Kunden ein Abo auch ohne Gerätebezug abschliessen und so von einem monatlichen Rabatt auf den Abopreis profitieren.

Schliesslich ist bei einem Aboabschluss mit Gerätebezug ab sofort die zinsfreie Ratenzahlung möglich. Vorerst in wenigen Swisscom-Shops, ab Mitte März sollen die restlichen Swisscom-Shops und der Online-Shop folgen, ab Mitte Jahr weitere Vertriebskanäle.

Bringt es das?

Das Telekomzentrum Schweiz, das sich laut eigenen Angaben für die Konsumenten einsetzt und den Anbietern kritisch auf die Finger schaut, kommt zu einer positiven Einschätzung:

«Die Leistung wurde nochmals massiv erhöht und endlich wurden auch bei den kleineren Abos die Speedgeschwindigkeiten auf ein tragbares Niveau angehoben. Für Kunden, die das Handy überdurchschnittlich nutzen und auch oft im EU-Ausland sind und dort ebenfalls das Handy fleissig nutzen möchten, sind die Abos durchaus attraktiv. Für Durchschnittsnutzer, die nicht oft im EU-Ausland sind, gibt es nach wie vor günstigere Alternativen.»

Fazit: Da die Nutzung stark variieren kann, lohnt sich immer ein Abo-Vergleich, bei dem die entscheidenden Kostenfaktoren berücksichtigt werden. Dies bieten verschiedene Online-Dienstleister an.