Swiss Media Forum
Swatch-Group-Chef Nick Hayek: «Ich bin Konsument und Opfer von Medien zugleich»

Am Swiss Media Forum teilt Swatch-Group-Chef Nick Hayek gegen die grossen Medienhäuser und gegen den Bundesrat aus.

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Nick Hayek, CEO Swatch Group (links) im Gespräch mit Patrik Müller, Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, am SwissMediaForum.

Nick Hayek, CEO Swatch Group (links) im Gespräch mit Patrik Müller, Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, am SwissMediaForum.

Severin Bigler / SwissMediaForum

Wie können die Medien innovativer sein? Antworten auf diese Frage versuchte Patrik Müller, Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, am Swiss Media Forum am Donnerstag aus Swatch-Group-Chef Nick Hayek herauszukitzeln. Der jährliche Anlass fand physisch im Lake Side in Zürich statt. Zuschauerinnen und Zuschauer konnten die Debatte aufgrund der Coronaschutzmassnahmen per Videostream verfolgen.

Bevor sich Hayek, der an beiden Handgelenken eine Uhr trug, über die Kernthemen äusserte, nahm Patrik Müller die Gelegenheit wahr, ihn auf den Zustand der Uhrenbranche anzusprechen. Der Swatch-Group-Chef war in den vergangenen Monaten medial wenig präsent. «Ich würde nicht sagen, dass wir stärker als die Medien von der Krise betroffen sind», antwortete Hayek. «Der Konsum ist bereits zurückgekommen, vor allem in China.» Bis Ende Jahr erwartet Hayek, in die Gewinnzone zu kommen.

Junge Journalisten würden ihr Handwerk nicht kennen

Redete sich zwischenzeitlich in Rage: Nick Hayek.

Redete sich zwischenzeitlich in Rage: Nick Hayek.

Severin Bigler / SwissMediaForum

Danach ging es ans Eingemachte. Hayek nahm sich zunächst den Bundesrat vor: Die Regierung habe in den letzten Monaten zu ängstlich und zu wenig mutig agiert. Statt Verantwortung zu übernehmen, habe der Bundesrat wichtige Entscheide an die Kantone abgeschoben. Mit dieser «Salamitaktik» habe er eine grosse Unsicherheit kreiert. «Wir müssen nichts neu erfinden, sondern nur Richtung Osten schauen, wie die Länder dort das Virus in den Griff gekriegt haben», so Hayek, dessen Unternehmen einen beträchtlichen Teil des Umsatzes in Asien erzielt.

Flammender Monolog und drei Mängel der Medien

Als Hayek schliesslich zum Kernthema Medien gelangte, hatte er sich bereits heissgeredet. Er sei Konsument, Inserent und Opfer von Medien zugleich, meinte er. In einem flammenden Monolog machte er drei Hauptmängel der heutigen Medien aus: Junge Journalisten würden ihr Handwerk nicht mehr kennen, die Sparrunden der Redaktionen würden zu einem Einheitsbrei sowie zu einer fehlenden Identität der einzelnen Zeitungstitel führen. «Wenn ich investieren will, brauche ich eine Zeitung mit Profil und nicht einen Chefredaktor für drei Zeitungen», sagte er mit einem Seitenhieb gegen Patrik Müller.

Nick Hayek (links) und Patrik Müller im Gespräch.

Nick Hayek (links) und Patrik Müller im Gespräch.

Severin Bigler / SwissMediaForum

Dieser konterte, dass Swatch Group ja ebenfalls Synergien nutze. «Kann es sein, dass die Medienbranche der Uhrenbranche sozusagen voraus ist, da sie dem Druck der Digitalisierung schon länger ausgesetzt ist? Vielleicht legt Swatch Group die Werke ihrer einzelnen Marken eines Tages auch zusammen?» Dieses Szenario bestritt Hayek vehement ­– schliesslich habe auch die Uhrenbranche schon lange Konkurrenz durch Smartphones. «Dank Smartwatches fangen viele jetzt aber wieder an, eine Uhr am Handgelenk zu tragen.»