Hier spricht der Chef
Sparen! Aber wie?

Gespart wird nicht notwendigerweise dort, wo sich negative Folgen in Grenzen halten, sondern dort, wo solche Folgen für die Bürger am wenigsten nachvollziehbar sind.

Markus Moser*
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*Markus Moser ist CEO der Prionics AG in Schlieren

*Markus Moser ist CEO der Prionics AG in Schlieren

Kaum haben die westlichen Regierungen begriffen, dass Sparen angesagt ist, treiben die entsprechenden Bemühungen auch schon die kuriosesten Blüten. Denn gespart wird nicht notwendigerweise dort, wo sich negative Folgen in Grenzen halten, sondern dort, wo solche Folgen für die Bürger am wenigsten nachvollziehbar sind. Zum Beispiel bei der Lebensmittelsicherheit.

Wir alle wissen zwar, dass gesunde Tierbestände die Voraussetzung für gesunde Milch- und Fleischprodukte sind. Für den Bürger ist jedoch schwer erkennbar, was für die Tierseuchenkontrolle getan oder eben nicht getan wird. Wenn aber Tierseuchen in unseren Nutztierbeständen nicht frühzeitig eingedämmt werden, verbreiten sie sich exponentiell.

Dies verursacht enorme Folgekosten, ganz abgesehen von möglichen Gesundheitsgefährdungen.

Nehmen wir ein Beispiel: In den Sechzigerjahren wurde in Europa die Krankheit Tuberkulose in den Nutztierbeständen fast vollständig ausgerottet. Aber eben nur fast. In England hat sich die Krankheit in den letzten zehn Jahren wieder schlimmer denn je ausgebreitet. Die Seuche in diesem Stadium wieder einzudämmen, ist schwierig, und der wirtschaftliche Schaden enorm. Die Krankheit breitet sich inzwischen auch im übrigen Europa wieder aus. Tuberkulose ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Unter dem gegenwärtigen Spardruck schauen einige EU Länder jedoch lieber nicht allzu genau hin. Die Folgen sind absehbar. Und da Seuchen vor Grenzen nicht Halt machen, werden leider immer auch umliegende Staaten, inklusive die Schweiz, in Mitleidenschaft gezogen.

Wer nicht genau hinschaut, kann oft jahrelang bei der Seuchenüberwachung «sparen», bis die Krankheit dann zum unübersehbaren Problem, mit den entsprechenden Kostenfolgen, geworden ist. Kosten, die letzten Endes wieder der Bürger tragen muss! Auch Sparen will gelernt sein: Heute einzusparen, was morgen um ein Vielfaches berappt werden muss, verschlimmert die Schuldenfalle letztlich nur.

Eine solche «Spar»-Politik ist nichts anderes als eine Fortsetzung der derzeitigen, verfehlten europäischen Schuldenpolitik unter anderem Namen.

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