Internetkriminalität
So versuchen E-Mail-Betrüger und Hacker, unsere Leser abzuzocken

Gefährlich wird es, wenn Hacker E-Mail-Konten knacken: Dann versuchen die Gauner die darin aufgelisteten Kontaktpersonen übers Ohr zu hauen. Gemein daran ist: Sie verfassen Hilferufe an Freunde des Hacking-Opfers

Roman Seiler
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Internetbetrug kennt viele Facetten. (Symbolbild)

Internetbetrug kennt viele Facetten. (Symbolbild)

Keystone

Mehr als dreist: Per E-Mail meldet sich ein Freund. «lch hoffe du hast die Nachricht schnell erhalten», schreibt er offensichtlich leicht verzweifelt, «ich bin nach Limassol verreist und habe meine Tasche verloren – samt Reisepass und Kreditkarte.» Die Botschaft sei bereit, ihn ohne seinen Pass ausreisen zu lassen; er müsse «nur noch sein Ticket und die Hotelrechnung» bezahlen und habe dafür kein Geld.

Und dann kommt der entscheidende Satz: Ob der Freund nicht bereit wäre, ihm via die Geldüberweisungsfirma Western Union 1000 Euro zukommen zu lassen. Schnell!

So fies: Der in fast perfektem Deutsch verfasste Text ist nicht vom Freund. Sondern vom Betrüger, der dessen E-Mail-Konto gehackt hat. Danach hat er an die darin aufgelisteten Kontakte das erwähnte E-Mail versandt. Der eine oder andere, ist er sicher, fliegt dann schon drauf rein.

30000 Euro

Das E-Mail-Konto gehackt wurde auch dem «Nordwestschweiz»-Leser Rolf Staubli aus Lommiswil, SO. Er befand sich damals in Asien. In seinem Fall sandten die Hacker danach seiner Frau ein Mail und forderten sie auf, im Namen des Lesers eine Zahlung von 30000 Euro auszulösen.

Er hatte Glück: Dank eines aufmerksamen Mitarbeiters seiner Bank liess sich die Zahlung noch stoppen. Der Angestellte fand komisch, dass eine polnische Iban-Nummer vermerkt worden war.

Das ist nur eine von mehreren Maschen, mit denen Leser der «Nordwestschweiz» von Internetkriminellen abgezockt werden sollten. Die Leser meldeten sich auf den gestern publizierten Aufruf zum Artikel «Ein falscher Klick und schon grüsst der Betrüger».

Darin wurde auf eine Warnung des Mieterverbands vor E-Mails mit fingierten Wohnungsinseraten hingewiesen. Mit diesen Mails würde versucht, sich eine Vorschusszahlung in Form eines «Miet-Depots» zu erschleichen.

Etwas ähnliches erlebte ein Leser, als er den Elektro-Scooter seines verstorbenen Vaters versteigern wollte. Er erhielt ein «Super-Angebot». Es hatte allerdings einen Haken: Das Gefährt hätte ins Ausland verschickt werden sollen. Daher verlangte der Interessent einen Vorschuss, um die Transportkosten zu finanzieren. Das ist ein klassischer «Vorschussbetrug»: Wer bezahlt, sieht sein Geld nie wieder.

Per E-Mail locken Betrüger auch gerne mit einem lukrativen Lottogewinn, den man sich nur abholen müsste. Wer sich meldet, muss allerdings zuerst eine «Gebühr» entrichten.

Forderungen, für einen Vertrag, den man nie abgeschlossen hatte.

Forderungen, für einen Vertrag, den man nie abgeschlossen hatte.

ZVG

Eine noch frechere Variante stammt von der «Kanzlei TCR International LPP». Sie versendet Briefe, in denen sie behauptet, sie sei vom «Fachverband der Lotterie und Glückspielanbieter Deutschland» mandatiert worden, eine «Beitragszahlung von 750,86 Euro» einzufordern. Man solle doch umgehend das «Vergleichsangebot von 323,5 Euro begleichen. Ein Einzahlungsschein liegt dem Brief bei. Wenn die Überweisung nicht bis am 28. April erfolge, werde die Forderung «gerichtlich geltend gemacht»: «Die dadurch entstehenden Kosten gehen zu Ihren Lasten.» Begründet wird die Forderung damit, dass anfangs 2013 telefonisch ein Vertrag mit «Euromillions» abgeschlossen worden sei.

Das ist Quatsch, sagt die Leserin, welche den Brief der Redaktion gesandt hat. Sie habe weder Lotto gespielt, noch per Telefon eine entsprechende Anfrage erhalten.

Die Masche gleicht derjenigen, mit der KMU abgezockt werden. So erhielt die Betreiberin eines Restaurants kürzlich mehrere Mahnungen, weil sie angeblich einen Eintrag in ein Firmenregister vereinbart habe. Als die «Nordwestschweiz» bei Unternehmen «Euro Branchen Info» nachfragt, mit welcher Begründung die Rechnung 350 Euro erfolgt sei, meldet der Absender unverzüglich: «Die Rechnung ist storniert worden.»

In diesen Fällen reicht offenbar ein Mail mit der Drohung, den Rechtsweg zu beschreiten oder ein Medium einzuschalten, und der Spuk ist vorbei.

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