Arbeitsbedingungen

Sklaven-ähnliche Zustände auf brasilianischer Kaffeeplantage mit Starbucks- und UTZ-Label

Die Plantage verfügte über das Starbucks-Label C.A.F.E., der Kaffee-Gigant bezog aber seit 2016 keine Bohnen mehr von der Plantage. (Archivbild)

Die Plantage verfügte über das Starbucks-Label C.A.F.E., der Kaffee-Gigant bezog aber seit 2016 keine Bohnen mehr von der Plantage. (Archivbild)

Die Kaffeeplantage Corrego das Almas galt lange Zeit als Vorbild für nachhaltigen Kaffeeanbau. Qualitätssiegel von UTZ und Starbucks stellten der Plantage ein gutes Zeugnis aus. Eine Razzia des Arbeitsministeriums fand nun Sklaverei-ähnliche Zustände vor.

Ende August führte das brasilianische Arbeitsministerium eine Razzia in der Kaffeeplantage Corrego das Almas im Bundesstaat Minas Gerais durch und befand, dass mehrere Arbeiter unter erniedrigenden Arbeitsbedingungen arbeiten mussten.

Prekäre Verhältnisse auf der Kaffeeplantage im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Prekäre Verhältnisse auf der Kaffeeplantage im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Wie die Portale «Mongabay» und «Reporter Brasil» berichten, seien die Arbeitsbedingungen katastrophal. Die Arbeiter wohnten in gemeinsamen Hütten ohne fliessendes Wasser. Laut Behörden stellte die sanitäre Einrichtung ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Denn das Wasser kam aus einem offenen Tank, so dass Fledermäuse oder Ratten darin ertranken und das Wasser verunreinigten.

Die Arbeitszeiten wurden nicht aufgeschrieben und die Arbeiter hätten für Sonn- und Feiertage kein Entgelt bekommen. Dazu kam, dass die Arbeiter ihren Lohn nur in der nächstgelegenen Stadt einlösen konnten. Damit sie die Stadt erreichen konnten, stellte die Führung der Plantage einen Bus zur Verfügung. Sie mussten jedoch selbst dafür aufkommen.

Auch die Art und Weise, wie abgerechnet wurde, sorgte für Ärger. Die Arbeiter mussten ihre tägliche Ernte zum Wägen bringen. Wenn sie am nächsten Tag ihre Arbeit wieder aufnahmen, fehlte manchmal ein Teil der Ernte. Als die Arbeiter die Aufseher darauf ansprachen, wurden sie nur ausgelacht, berichtet einer der Plantagenarbeiter.

Laut «Mongabay» hat die Plantage für drei Millionen Kaffeebäume 151 Angestellte. Die Managerin behauptete in einem Statement, dass der Besitzer der Plantage «schockiert» sei, welche Arbeitsbedingungen herrschten und dass Sklaverei nicht zur Arbeitsethik des Unternehmens gehöre. 

So reagieren die Qualitätssiegel

Nachdem publik wurde, dass das Arbeitsministerium 18 Arbeiter befreit hat, entzog die niederländische Stiftung UTZ der Plantage ihr Qualitätssiegel. Die Zertifizierung sei im Februar 2018 beantragt und im April dann ausgestellt worden. Damals sei nichts von den prekären Arbeitsbedingungen zu sehen gewesen. Nachdem «Reporter Brasil» die UTZ darauf hingewiesen habe, hätten sie sofort gehandelt und das Label entzogen.

Auch das Label C.A.F.E., welches zu Starbucks gehört, erklärte, dass sie eine Untersuchung einleiten würden. Sie wiesen darauf hin, dass Starbucks seit 2016 keine Kaffeebohnen mehr von der Farm beziehe. 

Jorge Ferreira dos Santos, Koordinator für Angestellte von Plantagen, begleitete die Ermittler des Arbeitsministeriums bei der Aktion. Er kritisiert das System der Zertifizierer. Seiner Meinung nach ist das System zu wenig transparent und die Sichtweise der Arbeitnehmer werde nicht beachtet. Zudem versagen die Unternehmen oft in der Kontrolle.

Solche Fälle wie die der Plantage Corrego das Almas sind keine Seltenheit. Die «Washington Post» berichtete dieses Jahr bereits von einem anderen Fall in Brasilien aus dem Jahr 2016, bei dem über 800 Plantagenarbeiter befreit wurden. (jaw)

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