Pharma
Siegfried-Chef: «Wir haben keine Stellen abgebaut»

Der CEO des Pharmazulieferers Siegfried über den Umbau der Firma und den Pharmastandort Schweiz.

Andreas Schaffner
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Siegfried-CEO Rudolf Hanko im neu bezogenen Hauptsitz in Zofingen.

Siegfried-CEO Rudolf Hanko im neu bezogenen Hauptsitz in Zofingen.

Chris Iseli

Herr Hanko, Sie kommen gerade aus China zurück, wo sie in Nantong die neue Produktionsanlage eingeweiht haben. Findet nun auch bei Siegfried eine schleichende Abwanderung von der Schweiz aus statt?

Rudolf Hanko: Nein. Im Gegenteil. Durch den Ausbau in China, wohin wir Teile des Produktionsprozesses auslagern, können wir insgesamt mehr produzieren. Davon profitieren auch Zofingen und unsere anderen Standorte.

Sie sind seit 2009 im Amt, haben die Firma Siegfried vom Gemischtwarenladen hin zu einem fokussierten Hersteller für Substanzen umgebaut. Ist der Umbau jetzt beendet?

Zur Person

Rudolf Hanko ist seit 2009 Konzernchef bei Siegfried. Der promovierte deutsche Chemiker verantwortet bei Siegfried den Umbau der Firma in ein spezialisierten Hersteller für Arzneimittelhersteller für die forschende Pharmaindustrie sowie ein Anbieter für Entwicklungs- und Herstellungsdienstleister.

Die Börse hat ihre Schritte begrüsst. Auch die gestern präsentierten Zahlen wurden gut aufgenommen. Sie haben den Umsatz und den deutlich Gewinn gesteigert, trotz der massiven Aufwertung des Frankens.

Auch wir sind nicht begeistert von der Währungssituation. Uns ist es jedoch gelungen, durch einen sogenannten «Natürlichen Hedge» einen grossen Teil der Währungsschwankungen aufzufangen.

Das müssen Sie erklären.

Kräftiges Wachstum

Der Pharmaindustriezulieferer Siegfried ist dank der Übernahme von Hameln Pharma in der ersten Jahreshälfte kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 25 Prozent von 200,7 Millionen Franken. Der Reingewinn stieg um 6,7 Prozent auf 20,1 Millionen Franken. Dank dem Kauf von Hameln schossen die Umsätze mit fertigen Arzneien um 81 Prozent. Auch der umsatzmässig fast doppelt so grosse Geschäftszweig mit Wirkstoffen wuchs um 3,3 Prozent. Die Übernahme des Zuliefergeschäfts des deutschen Chemiekonzerns BASF ist laut Siegfried auf Kurs.

Wie sieht es mit dem Jobabbau in der Schweiz?

Wir haben keine Stellen abgebaut in der Schweiz!

Dann kommt es erst jetzt?

Nein. Wir haben hier keine solchen Pläne.

Das Gebiet, in dem sie sich bewegen, ist ungewöhnlich. Sie übernehmen für andere Pharmafirmen einen Teil der Produktion. Und sie helfen ihnen bei der Entwicklung von neuen Wirkstoffen.

Wir sind wie eine Art Rückversicherung. Vor allem im Anfangsstadium der Medikamentenherstellung, in den sogenannten klinischen Phasen, kann eine Pharmafirma dank uns Investitionen vermeiden. Die Firmen müssen nicht neue Fabrik bauen, die sie dann allenfalls nicht brauchen. Denn die Erfolgschancen eines neuen Medikaments sind in diesem Stadium nicht mehr als 50 Prozent. Das wäre also eine enorm risikoreiche Investition. Ausserdem produzieren wir mit sehr hohen Qualitätsstandards, was vonseiten der Behörden weltweit anerkannt wird. Dies können nicht viele Firmen von sich behaupten. Das gibt uns einen enormen Konkurrenzvorteil.

Die Pharmaindustrie steht in der Kritik, zu hohe Preise zu verlangen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Industrie stark dazu beiträgt die Kosten des Systems insgesamt zu senken. Wir produzieren am effizientesten im ganzen Gesundheitswesen. Stellen Sie sich vor, wie viel Geld eingespart werden kann, wenn – als Beispiel – ein Mittel gegen arteriellen Hochdruck, eine akut lebensbedrohende Krankheit, das zwar im Jahr Tausende Franken kostet, eingenommen wird.

Wieso?

Es ist im Verhältnis zu den Kosten für einen längeren, allenfalls sehr langen Spitalaufenthalt, die entstehen können, viel weniger.

Trotzdem steigen die Kosten.

Das ist eben nicht wegen der Medikamente. Dahinter verbirgt sich letztlich die Alterung der Gesellschaft. Weil dies so ist, wird es für das Gesundheitssystem immer wichtiger, effizienter zu werden. Hier glaube ich, kann die Pharmaindustrie einen wesentlichen Teil beitragen.

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