Der amerikanische Finanzinvestor KKR habe mit der Tochter des deutschen Versicherungskonzerns Allianz eine verbindliche Vereinbarung getroffen, teilten die Unternehmen gestern mit. Über die finanziellen Einzelheiten sei Stillschweigen vereinbart worden.

Der Abschluss der Transaktion, die noch der Zustimmung durch Anleihegläubiger von Selecta unterliege, erfolge voraussichtlich im vierten Quartal 2015. KKR war schon im Sommer 2014 indirekt bei Selecta eingestiegen, indem die Amerikaner dem Schweizer Unternehmen einen langfristigen Kredit über
220 Mio. Euro zur Verfügung gestellt hatten.

Stark in Europa

Selecta ist derzeit in 21 europäischen Ländern an über 145 000 Verkaufspunkten präsent, beschäftigt rund 4500 Angestellte und erzielt einen Jahresumsatz von 714 Millionen Euro. Der Holding-Sitz befindet sich in Cham ZG, der Hauptsitz samt Einfüllproduktlager in Kirchberg BE. Die Geschichte von Selecta hatte 1957 als Einmann-Unternehmen begonnen. Joseph Jeger sah auf einer Geschäftsreise in den USA zum ersten Mal einen Verpflegungsautomaten in einer Fabrik und kopierte die Idee in der Schweiz. Die erste Verpflegungsstation mit dem Namen Selecta entstand in einer kleinen Garage in Jegers Wahlheimat Murten.

1969 übernahm Selecta die Schweizerische Automatengesellschaft (SAG). 1985 wurde das Unternehmen selber geschluckt, vom Konsumgüterkonzern Valora. 1997 erfolgte der Börsengang, ehe 2001 die Aktionäre das Kaufangebot der britischen Compass Group annahmen. Seit Juli 2007 wird Selecta von Allianz Capital Partners kontrolliert.

Schlussstrich für ACP

Mit dem Verkauf zieht der Versicherungsriese Allianz nun einen Schlussstrich unter sein Engagement im Beteiligungsgeschäft. Allianz Capital Partners (ACP) trennt sich mit dem Selecta-Anteil von der letzten klassischen Unternehmensbeteiligung.

ACP hatte als Finanzinvestor teilweise glücklos agiert und hat sich inzwischen auf stabilere Infrastruktur-Beteiligungen wie Windparks oder Raststätten konzentriert. Der Druckmaschinenhersteller Manroland war unter der Ägide von ACP 2011 in die Pleite gerutscht, der Fährbetreiber Scandlines wurde zu einer geringeren Bewertung an den Investor 3i verkauft als bei der Übernahme 2007.

Für Selecta hatte ACP vor acht Jahren
1,1 Milliarden Euro gezahlt, erlöste beim Verkauf an KKR aber nur einen «kleinen positiven Betrag», wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Insider berichtete. Die mit weniger als zehn Prozent an Selecta beteiligte BlueBay wolle ihren Anteil behalten.

KKR ist bereits in verwandten Geschäftsfeldern als Investor aktiv. Beim zweitgrössten italienischen Betreiber von Kaffee- und Lebensmittelautomaten, Gruppo Argenta, waren die Amerikaner 2014 ebenfalls über einen Kredit eingestiegen. Zudem gehört KKR der schwäbische Küchengeräte- und Kaffeeautomaten-Hersteller WMF. (sda)