Der Index der zwanzig grössten Schweizer Aktien, der Swiss Market Index (SMI), notierte am Montag nach einer positiven Eröffnung zeitweise über 5800 Punkte (siehe Grafik). Damit hat das Schweizer Blue-Chip-Barometer seit dem Jahrestiefststand vom 9. August bei 4695 Zählern rund 24 Prozent zugelegt. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) legte in der gleichen Zeit 21 Prozent auf 5248 Punkte zu.

Aktienstrategen reden von einem «Erholungsrally», das absehbar wurde, nachdem die Kurse zuvor übertrieben stark gefallen waren. Auftrieb verliehen die Hoffnungen auf eine nachhaltige Lösung der europäischen Schuldenkrise. «Zudem sind die Wirtschaftsdaten speziell in den Vereinigten Staaten weniger schlimm als befürchtet ausgefallen», sagt Philipp Bärtschi, Chefstratege bei der Bank Sarasin.

Finanzwerte profitierten

Speziell davon profitiert haben Finanzwerte und Aktien von konjunktursensitiven Unternehmen. Mit einem Kursplus von 20 Prozent sind die Titel der beiden Versicherungskonzerne Zurich Financial Services und Swiss Re die SMI-Topperformer der letzten vier Wochen. Julius Bär verbuchte in der gleichen Zeit ein Kursplus von 18, Credit Suisse eines von 17 Prozent. Die UBS dagegen hinkt mit einem Kursgewinn von 8 Prozent hinterher. Der Zykliker Holcim ist mit einem Plus von 19 Prozent in den letzten vier Wochen der drittbeste Titel im SMI.

Wer über die Landesgrenzen schaut, stellt fest, dass die Kurse hierzulande deutlich stärker angezogen haben als im Ausland. Der US-Index Dow Jones und das deutsche Barometer Dax befinden sich erst seit Anfang Oktober im Aufwärtstrend (siehe Grafiken). «Die Schweizer Börse profitierte davon, dass die Schweizerische Nationalbank im September den Franken gegenüber dem Euro geschwächt hatte», sagt Bärtschi. Die im EU-Raum erwirtschafteten Umsätze von Schweizer Firmen haben damit quasi schlagartig einen höheren Wert gewonnen, was sich auch positiv auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen auswirken wird.

Erwartungen zurückschrauben

Der Anlageprofi geht davon aus, dass das Kursrally noch ein wenig anhalten könnte, dann eine Konsolidierung folgen wird. «Bis Ende Jahr rechne ich mit einer Seitwärtsbewegung», sagt Bärtschi. Das heisst, der SMI dürfte in etwa auf dem gleichen Niveau notieren wie heute.

Auf längere Sicht müssten Anleger ihre Erwartungen zurückschrauben. «In den Industriestaaten wird das Wachstum künftig nicht mehr so stark ausfallen wie in den vergangenen zwei, drei Jahrzenten», sagt Bärtschi. Entsprechend würde auch die faire Bewertung von Aktien sinken. Auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, das zeigt, wie viel Anleger für einen Franken Gewinn pro Aktien zu zahlen bereit sind, werde in Zukunft im Schnitt mit einem Wert von 10 bis 12 ein fairer Aktienpreis erreicht sein. «Früher zahlten Investoren im Schnitt 13- bis 15-mal den Gewinn pro Aktie», so Bärtschi.