Der Kanton Thurgau teilte mit, dass das legendäre Schloss verkauft ist. Das Grundstück ist über 100 Fussballfelder gross und enthält neben dem Schloss eine Burgruine, einen Gutshof, ein Badehaus am Bodensee, Wald und eine weitere Baulandparzelle.

Der neue Schlossherr ist nicht weniger illuster als der verstorbene Pleitier: Es handelt sich um den 38-jährigen Internet-Unternehmer Christian Alexander Schmid. Der gelernte Programmierer wurde schwerreich mit seiner Firma Rapidshare und einem umstrittenen Geschäftsmodell.

Das Schloss Eugensberg in Bildern: 

Vom Strafgericht angeklagt

Rapidshare war eine Plattform, über die man für wenige Franken pro Monat Computerdateien teilen konnte. In den besten Zeiten besuchten 42 Millionen Nutzer pro Tag das Portal. Das Konstrukt war ideal für die Verbreitung von illegalen Raubkopien und wurde oft dafür benutzt.

In der Folge geriet Rapidshare zusehends ins Visier der Film- und Musikindustrie. Im März 2015 hat Rapidshare den Dienst eingestellt. Im September des letzten Jahres musste sich Schmid vor dem Zuger Strafgericht wegen Urheberrechtsverletzungen seiner Firma verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe und eine Busse von insgesamt 720 000 Franken.

Finanziell scheint es dem Ex-Internet-Mogul gut zu gehen, denn er musste für das Schloss mindestens 35 Millionen Franken auf den Tisch legen. Das war der Richtpreis des Konkursamtes. Allerdings: Gleich neben der riesigen Parzelle sind mehrere grosse Windräder geplant. Offenbar will Schmid mit seiner Familie das Schloss Eugensberg bewohnen.

Schmid hat offenbar ein Faible für Schlösser und Villen. Im Jahr 2012 kaufte er die Villa Margaritha in Vitznau. Das 7700-Quadratmeter-Grundstück hat einen Privatstrand, ein Bootshaus und eine grosszügige Parkanlage. Sie gehört ihm offenbar immer noch.

Im Jahr 2014 kaufte er sich laut lokalen Medienberichten das Schloss Roseck im deutschen Tübingen. Eine Lokalzeitung nannte ihn Anfang Jahr immer noch als Besitzer, als es Streit um einen Wanderweg gab, den Schmid sperren liess. Laut «Handelszeitung» habe Schmid 2012 ausserdem in Küssnacht am Rigi eine weitere Villa am Vierwaldstättersee gekauft.

Wer will Schlossherr werden?

Wer will Schlossherr werden? (Beitrag vom Februar 2019)

Was Schmid derzeit beruflich macht, ist nicht bekannt. Selbst als er im letzten Herbst als Angeklagter vor dem Zuger Strafgericht stand, wollte er laut dem Onlineportal «Zentralplus» keine Angaben zur aktuellen Lebenssituation machen. Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte Schmid gestern, er beschäftige sich «hobbymässig mit Elektronik und Mikroprozessoren».

Im Handelsregister existiert die Rapidshare AG weiterhin. Ausserdem ist Schmid Gesellschafter einer Firma, die sich in Konkurs befindet. Ihr Zweck war der Betrieb von Online-Browsergames. Seit 2010 war Schmid im Verwaltungsrat von fünf weiteren Firmen, die alle liquidiert worden sind.