Letztes Jahr verzeichnete SBB Cargo ein operatives Minus von 37 Millionen Franken, dazu kam eine Wertberichtigung von 189 Millionen Franken. Das angekündigte Sparprogramm in Verbindung mit einem Abbau von rund 800 Jobs scheint nun erste Interessenten angelockt zu haben.

Bereits bekannt war, dass Migros, die Logistikfirma Planzer und der Zementkonzern LafargeHolcim Interesse an einer Minderheitsbeteiligung haben. Nun sind auch das Transportunternehmen Galliker und die Landi-Muttergesellschaft Fenaco ins Rennen gestiegen, wie Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen. Migros-Konkurrentin Coop hat derweil kein Interesse an einer Minderheitsbeteiligung.

Fenaco ist ein grosser Kunde von SBB Cargo. Ob das Unternehmen auch wirklich investiert, steht aber noch nicht fest. «Für konkrete Aussagen ist es aufgrund des noch laufenden Prozesses zu früh», sagt ein Sprecher. Der andere nun bekannte Interessent kommt aus einer ganz anderen Ecke. Die Galliker AG ist ein Lastwagen-Transporteur und könnte daher diese Kompetenz in die Firma einbringen.

Im Gegensatz zur Migros hat Coop abgesagt. Die Detailhändlerin will ihr Nein zu einer Beteiligung an Cargo aber nicht weiter kommentieren. Klar ist: Coop wie auch Migros sind grosse Kunden von SBB Cargo und dürften das auch bleiben.

Allerdings ist Coop bereits im Besitz einer eigenen Gütereisenbahn. Die Detailhändlerin kaufte im Jahr 2010 die Firma Railcare und baute das Unternehmen seither aus. Ende 2017 arbeiteten über 300 Mitarbeiter an elf Standorten bei der Coop-Tochter. Im letzten Jahr wuchs der Warenumschlag um 6 Prozent.

Die Vermutung liegt nahe, dass Coop eher auf die wachsende Railcare hofft, statt sich bei SBB Cargo dem Risiko auszusetzen, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das nicht vom Fleck kommt.

SBB schweigen zu Interessenten

Wie viele Firmen sich genau bei den SBB gemeldet haben, wollen die Bundesbahnen nicht kommunizieren. Aber: «Qualifizierte Parteien, die ihr Interesse bekundet haben, erhalten nun vertieften Einblick in die Geschäftsunterlagen der SBB Cargo», schreibt ein SBB-Sprecher auf Anfrage.

Ein Beobachter sagt, dass rund ein Dutzend Unternehmen Interesse an einer Minderheitsbeteiligung angemeldet hat. Das wäre durchaus ein Erfolg für SBB Cargo. Ob sich die Interessenten am Ende als Aktionäre beteiligen, ist allerdings offen.

Die Güterfirma der SBB schrieb in den letzten Jahren wiederholt Verluste. Immerhin: Im ersten Halbjahr 2018 vermeldete die Firma eine Aufwärtstendenz, sie schrieb nach langem wieder schwarze Zahlen. Allerdings wird das zweite Halbjahr wieder schwieriger für die SBB Cargo.

Der Druck auf SBB Cargo ist hoch, das Projekt Minderheitsbeteiligung muss klappen. Sonst steht die Firma erst recht vor einem Problem. Denn auch die Politik will, dass die Firma sich für andere Firmen öffnet. Zudem soll der Verwaltungsrat unabhängiger werden vom Mutterhaus. Besonders der Einsitz von SBB-Chef Andreas Meyer ist in der Kritik. Dieser soll mit der Einführung von Minderheitsbeteiligungen als Verwaltungsratspräsident abgesetzt werden.

Weil der Druck so hoch war, wurde das Projekt entsprechend generalstabsmässig aufgegleist: Damit möglichst viele potenzielle Interessenten die Partnersuche mitbekommen, hat SBB Cargo sie gleich selber angesprochen. Der momentan laufende Prozess wurde derweil an die Beratungsfirma PwC ausgelagert.

Zudem mussten die interessierten Unternehmen eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, damit keine Details nach aussen dringen.

Bereits im Januar 2019 soll jemand von aussen in den Verwaltungsrat einziehen. Die Suche sei derzeit noch im Gang, sagt ein Sprecher. Allfällige Partner werden künftig maximal 49 Prozent an SBB Cargo halten können. Wie viele Aktionäre sich beteiligen werden, ist offen. Es ist durchaus möglich, dass es mehrere Firmen sein werden.