Angriff
Rudolf Bohli: der Hedgefonds-Manager, der die Credit Suisse aufspalten will

Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli hat 0,2 Prozent aller Aktien der Credit Suisse gekauft. Nun will er sie in drei Teile zerlegen. Die Rede ist von einer geheimen Abmachung mit weiteren Aktionären.

Philipp Felber und Andreas Möckli
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Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli gilt als unbequemer Aktionär.

Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli gilt als unbequemer Aktionär.

Laif

Der Credit Suisse droht neues Ungemach. Nun wird die Grossbank von einem Schweizer Hedgefonds angegriffen. Für den Verwaltungsrat und die Chefetage der Grossbank ist scharfe Kritik jedoch nichts Neues. Bussen in Milliardenhöhe und horrende Verluste in den Jahren 2015 und 2016 sorgten für grossen Frust unter den Aktionären. Dennoch bewilligte der Verwaltungsrat seinen Top-Managern für das Jahr 2016 deutlich höhere Löhne. Die Empörung war CS-Präsident Urs Rohner und seinen Mitstreitern gewiss.

Der Rückblick zeigt, dass die Grossbank angreifbar ist. Deshalb überrascht es nicht, dass mit dem Ex-Banker Rudolf Bohli nun ein HedgefondsManager die CS ins Visier nimmt. Mit seinem Investmentvehikel RBR Capital Advisors will er die Grossbank in drei Teile aufspalten. Bislang besitzt der Zürcher jedoch lediglich zwischen 0,2 und 0,3 Prozent aller CS-Aktien, schreibt die «Financial Times» (FT).

Geringe Erfolgschancen

Noch vor der FT hat die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» über Bohlis Vorstoss berichtet. Übereinstimmend schreiben die beiden Blätter über die detaillierten Pläne Bohlis. So soll die Investmentbank der Credit Suisse abgespaltet und an die Börse gebracht werden. Daneben soll die Grossbank in die Sparten Asset Management und Vermögensverwaltung aufgeteilt werden. Letzteres würde auch das Schweizer Geschäft inklusive Privat- und Firmenkunden beinhalten.

Angesichts seines bescheidenen CS-Aktienpakets von 0,2 Prozent werden die Erfolgschancen von Bohli weitherum als sehr gering eingestuft. Laut der FT habe Bohli eine geheime Vereinbarung mit 100 anderen Investoren unterzeichnet, darunter auch bestehende CS-Aktionäre. Dies suggeriere laut der Zeitung, dass seine Kampagne an Fahrt gewinnen könnte.
Die Credit Suisse äussert sich derweil gelassen: «Wir begrüssen die Sichtweise von jedem unserer Aktionäre, konzentrieren uns aber auf die Umsetzung unserer Strategie und unseres Drei-Jahres-Plans.» Die Grossbank sei mit dem Plan auf Kurs und erwarte, dass er bedeutenden Wert für Kunden und Aktionäre schaffen werde. Mit dem Drei-Jahres-Plan meint die Bank die neue Strategie, die einige Monate nach Amtsantritt von Konzernchef Tidjane Thiam an einem Investorentag vorgestellt wurde.

Eine Nummer zu gross?

Wie der Angriff auf die Credit Suisse zeigt, scheint für Hedgefonds kein Ziel mehr zu gross zu sein. Der Grund für ihren Aktivismus ist die Tiefzinspolitik der Notenbanken. Dadurch fliesst den Hedgefonds enorm viel Geld zu, da sich die Investoren mit Hedgefonds höhere Renditen erhoffen als mit gewöhnlichen Anlagen.

Kenner der Szene sind der Meinung, dass sich Bohli angesichts seines bescheidenen Aktienpakets mit dem Angriff auf die Grossbank bei weitem übernimmt. Zwar soll Bohli über einen scharfen analytischen Verstand verfügen, wie Personen sagen, die ihn kennen. Gleichzeitig geniesst er aber einen zweifelhaften Ruf. Er wird als sehr emotional, zuweilen cholerisch und als unberechenbar beschrieben.

Aus dem Flug geworfen

Diese Charakterzüge werden durch eine Geschichte aus dem Jahr 2001 illustriert, die Rudolf Bohli später dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» erzählte. Nachdem er von einer längeren Auszeit bei seinem damaligen Arbeitgeber Bank am Bellevue von den USA in die Schweiz zurückflog, kam es im Flugzeug der damaligen Swissair zu einem Eklat. Bohli geriet mit einer Flugbegleiterin in einen derart heftigen Streit, dass sie den Captain informierte und dieser einen ausserplanmässigen Stopp in Montreal einlegte, um Bohli aus dem Flieger hinauszuspedieren. Die Kosten für die Landung des Jumbos beliefen sich offenbar auf einen sechsstelligen Frankenbetrag, den er selber bezahlte, wie er sagt.

Nach seinem Abgang bei der Bank am Bellevue startete Bohli im Januar 2003 mit einem Mitstreiter den Hedgefonds RBR. Dieser verwaltet mit knapp zehn Personen etwas mehr als 250 Millionen Franken. Zu den besten Zeiten habe Bohli gegen 800 Millionen Franken verwaltet, wie er gegenüber der «Bilanz» im Jahr 2015 bestätigte. Als aktivistischer Investor trat Rudolf Bohli das erste Mal im Jahr 2015 auf, als er bei der Ex-Swissair-Tochter Gategroup für Unruhe sorgte. Bohli und seine Mitstreiter forderten vier Sitze im siebenköpfigen Verwaltungsrat. Am Ende wurden zwei seiner Kandidaten tatsächlich gewählt. Allerdings wurde
Gategroup 2016 an die chinesische HNA verkauft. Bohli selbst soll mit seinem Engagement bei Gategroup gutes Geld verdient haben, wird kolportiert.

Und auch mit seinem zweiten Auftritt als aktivistischer Investor sei er, was den Gewinn betrifft, zufrieden, sagte Bohli, nachdem er im Juni 2017 beim Vermögensverwalter GAM wieder ausstieg. Bei GAM stieg er mit der gleichen Taktik wie bei Gategroup ein. Er forderte drei Sitze im Verwaltungsrat. Doch hier ging seine Taktik nicht vollends auf, da er und seine beiden Vertreter die Wahl in den Verwaltungsrat nicht schafften. Jedoch wurde der Vergütungsbericht an der Generalversammlung bachab geschickt, was Bohli zu verdanken war. Kurz darauf verabschiedete sich Bohli bei GAM durch die Hintertür. Durch seinen verfrühten Abgang liess er sich einen noch höheren Gewinn entgehen.

Er sucht das Rampenlicht

Bohli sei mit seinen Angriffen auf Gategroup und GAM sozusagen auf den Geschmack gekommen und suche nun stärker als in der Vergangenheit das öffentliche Rampenlicht, sagt ein neutraler Beobachter. Bohli gilt im Umgang mit seinen Gegnern als wenig zimperlich und trägt seinen Kampf auch gerne in den Medien aus. Dies unterscheidet ihn von anderen Hedgefonds. So haben sich etwa die oppositionellen Clariant-Aktionäre, die 17 Prozent an der Firma halten, in der Öffentlichkeit weit stärker zurückgehalten. Sie suchen vorwiegend den direkten Kontakt mit Clariant und mit anderen Aktionären des Spezialchemiekonzerns, um Investoren von ihrem Vorhaben zu überzeugen.

Weit höher als Bohlis Engagement ist auch jenes des US-Hedgefonds-Manager Daniel Loeb. Er hat knapp 1,3 Prozent aller Nestlé-Aktien gekauft und dafür mehr als 3,5 Milliarden Dollar ausgelegt. Loeb sieht grosses Verbesserungspotenzial für Nestlé. Denn seit langer Zeit zeige der Konzern nur noch unterdurchschnittliche Leistungen. Er fordert daher eine höhere Rendite.