Windenergie
Projektentwickler von Axpo-Beteiligung ist ein Sanierungsfall

Deutschlands Nummer 1 bei Windparkprojekten ist zahlungsunfähig: Windreich meldete in Esslingen (D) Insolvenz an. Das Windreich-Projekt Global Tech 1 ist von der Pleite nicht betroffen. Die Axpo hält daran 24 Prozent.

Roman Seiler
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Der Mann ist eine 1,85 Meter grosse und 85 Kilogramm schwere Windmaschine: Willi Balz (52), gemäss Eigenaussage nicht nur Ingenieur, sondern auch Pilot, Regattasegler und Hobbymetereologe. Seine Firmengruppe Windreich hat Dutzende von Windparks projektiert und ist damit Markführerin in diesem Geschäft. Windreich hat sich 35 Prozent aller Flächen draussen im Meer vor der deutschen Nordseeküste gesichert. Dort können 132 Meter hohe Windräder verankert werden, um Strom zu produzieren.

Am Dienstag musste sich Windmacher Willi Balz von seinen Projekten verabschieden. Windreich liess mitteilen, Balz habe sich «mit sofortiger Wirkung» aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Die Gesellschaft stellte beim Amtsgericht in Esslingen einen Antrag auf «Insolvenz in Eigenverwaltung». Dank diesem Verfahren ist das Unternehmen vor dem Zugriff seiner Gläubiger geschützt. Innert dreier Monate muss Windreich nun ein Sanierungskonzept vorlegen können.

Global Tech 1

Eines der Grossprojekte, das Willi Balz angeschoben hat, ist der rund zwei Milliarden Franken teure Windpark Global Tech 1. Er befindet sich rund 180 Kilometer vor Bremerhaven in der Nordsee. 80 Windräder sollen ab 2014 jährlich 1,4 Milliarden Kilowattstrom liefern. Damit lässt sich der Strombedarf von 445 000 Haushalten decken. Daran ist die Axpo mit 24 Prozent beteiligt. Weitere Grossinvestoren sind die Stadtwerke München und die HEAG Südhessische Energie. Windreich-Töchter halten noch mehr als zehn Prozent. Die Errichtung des Windparks sei in vollem Gange, sagt Global-Tech-Sprecherin Bettina Schwarz.

Im Herbst sei mit ersten Stromlieferungen einzelner Anlagen zu rechnen. Axpo sagt, sie nehme «das Insolvenzverfahren von Windreich zur Kenntnis». Dieses Insolvenzverfahren, «beziehungsweise eine mögliche Insolvenz der Windreich GmbH», habe «keinerlei Auswirkungen auf die Umsetzung des Projekts», sagt Schwarz: «Die Finanzierung des Windparks ist vollständig gesichert. Die Windreich GmbH hat gegenüber der Projektgesellschaft alle ihre Verpflichtungen erfüllt.»

Basler Bank Safra Sarasin

Ob dies auch für die Windreich-Anleger gilt, ist offen. Balz lockte 2010 und 1011 Investoren für Firmenanleihen mit einem Zinssatz von 6,5 Prozent an. Das Volumen belief sich auf total 125 Millionen Euro. Bei seinen Projekten, sagte Balz, seien Eigenkapitalrenditen von 11 bis 12 Prozent zu erwarten. Nur: Der Wind hat gedreht. Sinkende Strompreise erschweren die Finanzierung von Windparks. Willi Balz geriet zunehmend in Turbulenzen: Im März kam aus, dass der Windreich-Firmensitz im schwäbischen Wolfschlugen sowie mehrere Privatwohnungen von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft durchsucht worden waren.

Die Vorwürfe sind happig: Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Bilanzmanipulation und Kreditbetrug. Der Windpark-Entwickler Windreich hatte Ende 2012 rund 370 Millionen Franken Schulden angehäuft. Unter anderem gewährte die Basler Privatbank J. Safra Sarasin dem Unternehmen einen 70-Millionen-Euro-Kredit. Dieses Darlehen ist nun gefährdet. Wie ein Sprecher bestätigt, hat die Bank bereits entsprechende Rückstellungen vorgenommen. Wie hoch die sind, will die Bank nicht kommunizieren. Zudem ist gegen J. Safra Sarasin beim Landgericht Regensburg eine Klage von Anlegern eingereicht worden, die Anleihen von Windreich gezeichnet haben. Das Geldhaus habe Anleger zu wenig informiert. Unter anderem sei der Kredit an Windreich verschwiegen worden. Zu diesem laufenden Verfahren bezieht die Bank keine Stellung.