Champagner

Prickelnder Franzose erobert die Schweiz

Martin A. Barak zeigt seinen exklusiven Firmensitz.  Irena Jurinak

Martin A. Barak zeigt seinen exklusiven Firmensitz. Irena Jurinak

Die Schweizer Niederlassung von Louis Roederer setzt auf Exklusivität.

Gewinnt ein noch junges Unternehmen einen Preis für Traditionsbewusstsein und Know How, ist das aussergewöhnlich. Dass die von der Handelskammer Frankreich-Schweiz in Montreux ausgezeichnete Firma ihren Hauptsitz im deutschschweizerischen Mittelland hat, ebenfalls.

Der «Prix Tradition & Savoir-faire 2010» ging in diesem Jahr an die Maisons Marques et Domaines (MMD) unter der Leitung von Martin A. Barak. Seit fast vier Jahren vertreibt die Schweizer Niederlassung des französischen Hauses Louis Roederer Weine und Champager direkt an Fachhändler, 4- und 5-Stern-Hotels und die gehobene Gastronomie.

Hohe Dichte an Luxus-Hotels

Der Schritt hin zum eigenen Vertrieb im Schlüsselmarkt Schweiz hat sich für Roederer ausgezahlt. Die Konzentration an hochstehender Hotellerie und Gastronomie, ebenso wie der Tourismus tragen dazu bei. «Die Liebe zu schönen und edlen Weinen ist in der Schweiz stark verankert», sagt Martin A. Barak. Die Schweiz ist nach Frankreich, Grossbritannien, den USA und Japan der fünftgrösste Abnehmer von Roederer.

«Wir haben nun eine stärkere Kundennähe und eine höhere Flexibilität. Ausserdem können wir uns nur auf unsere eigenen Produkte konzentrieren.» Der direkte Vertrieb schaffe Vertrauen. «Wir kennen den Markt, weil wir vor Ort sind. Das bringt nur Vorteile.»

10 Millionen Umsatz pro Jahr

Der Jahresumsatz von MMD beträgt in der Schweiz rund 10 Millionen Franken. Die Firma beschäftigt acht Mitarbeiter, darunter vier Regionaldirektoren. «2010 war unser bestes Jahr in der Schweiz sowie für das Haus Louis Roederer weltweit.» Während der Wirtschaftskrise 2009 ist der Champagner-Export um 40 Prozent eingebrochen. Bei Maisons Marques et Domaines Suisse bewegte sich der Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich, so Barak.

Massenmarkt wird nicht bedient

Das Erfolgsrezept des Champagnerproduzenten ist Exklusivität. Man arbeitet nicht mit Discountern zusammen. «Das liegt daran, dass wir den Massenmarkt rein mengenmässig nicht bedienen könnten», sagt Barak. Man legt zudem Wert darauf, dass die eigenen Produkte nur dort in den Verkauf gelangen, wo fachkundiges Personal die Kunden berät.

Nicht den Massenmarkt zu bedienen, lohnt sich, davon ist Barak überzeugt. «Konsumenten sind sehr gut informiert und nehmen sich Zeit, zu vergleichen. Anbieter im Luxussegment werden deshalb je länger je mehr auf Qualität setzen müssen.»

Vom Herrenhaus zum Firmensitz

Dass sich der Firmensitz von MMD im Mittelland befindet, liegt nicht etwa daran, dass das logistisch praktischer ist. Die Lagerbewirtschaftung wird von einem Logistikbetrieb gemacht, in Wildegg sind nur Büros untergebracht.

Der Firmensitz von MMD ist ein altes Herrschaftshaus, 1776 vom Geschäftsmann Christian Friedrich Laué erbaut. Im gleichen Jahr wurde übrigens das Roederer-Weingut in Reims gegründet. Martin A. Barak hatte das Laué-Gut in seiner Jugend entdeckt und davon geträumt, darin zu wohnen. Vor sieben Jahren ging sein Traum in Erfüllung. Als weitere Räumlichkeiten frei wurden, war er daran, die Schweizer Niederlassung von Roederer aufzubauen – mittlerweile ist das Laué-Gut in deren Logo integriert.

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