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Post-Gewinn bricht ein – Präsident Schwaller kündigt Rücktritt an: «Mit 68 Jahren ist es der richtige Moment»

Im Coronajahr 2020 war die Post gefragt. Sie hat fast alle Ziele erfüllt, konnte aber den Wert des Unternehmens nicht steigern. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller tritt überraschend zurück.

Stefan Ehrbar
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Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller gab bei der Pressekonferenz der Post seinen Rücktritt bekannt.

Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller gab bei der Pressekonferenz der Post seinen Rücktritt bekannt.

Keystone

Die Post rückte im vergangenen Jahr plötzlich in den Fokus der Schweiz. Weil viele Läden geschlossen waren und die Menschen zum Zuhausebleiben aufgerufen wurden, stieg die Zahl der versendeten Pakete deutlich an. Dank einem «boomenden Onlinehandel» seien 191 Millionen Pakete durch die Post zugestellt worden, teilte der Bundesbetrieb am Donnerstag mit. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr.

«Die Mitarbeitenden haben einen Kraftakt erfüllt», sagte Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Die Post habe die Pandemie gut gemeistert – und die richtigen Ausbauten getätigt, etwa in neue regionale Paketzentren. «Ohne diese wäre die Bewältigung der Paketflut nicht möglich gewesen», so Schwaller. Die Paketsparte PostLogistics konnte mit einem Betriebsergebnis von 201 Millionen Franken jenes des Vorjahres denn auch um 73 Millionen Franken übertreffen. Das reichte aber nicht, um negative Entwicklungen in anderen Sparten zu kompensieren.

Ende März 2020: Online-Bestellungen sorgen für Dauerstress im Paketzentrum Härkingen.

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Auch Postauto litt

Dass der Betriebsertrag um 1,6 Prozent auf 7,05 Milliarden Franken und der Konzerngewinn um 77 Millionen Franken auf 178 Millionen Franken sank, liegt einerseits an der erneut stark rückläufigen Menge der verschickten Briefe. Diese nahm um 5,6 Prozent auf 1,71 Milliarden Franken ab. Negativ auf das Resultat wirkte sich auch die Negativzinssituation bei Postfinance aus – die Finanztochter verzeichnete ein Betriebsergebnis von 161 Millionen Franken, 79 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Hinzu kam laut der Post ein Rückgang bei den Geschäften an den Schaltern in den Filialen und der Aufwand für zusätzliche Schutzmassnahmen.

Postauto litt unter der Krise.

Postauto litt unter der Krise.

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Auch die Post-Tochter Postauto litt wegen der Einschränkungen im öffentlichen Verkehr und dem Rückgang der Passagierzahlen. Sie transportierte noch 127 Millionen Passagiere. Im Vorjahr waren es 167 Millionen gewesen. Das drückte auf das Betriebsergebnis durch, das -79 Millionen Franken betrug, 55 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Postauto musste Reserven auflösen und hat kein Anrecht auf die vom Parlament beschlossene finanzielle Unterstützung des öffentlichen Verkehrs.

Post gibt sich zuversichtlich

Den Effekt der Pandemie bei Postauto beziffert die Post auf 48 Millionen Franken. Insgesamt habe die Pandemie für den ganzen Konzern finanzielle Einbussen in der Höhe von 139 Millionen Franken zur Folge gehabt, so die Post. Für die Zukunft gibt sich die Post aber zuversichtlich. Die Weichen seien richtig gestellt, sagte Verwaltungsratspräsident Schwaller vor den Medien.

Er selber tritt überraschend per 1. Dezember von seinem Amt zurück: «Mit heute 68 Jahren ist auch für mich persönlich der richtige Moment gekommen, bewusst beruflich kürzerzutreten», wird Schwaller zitiert. Der Bundesrat wird nun eine Nachfolge zur Wahl vorschlagen müssen.

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«Ich bin noch einer der letzten Mohikaner», der Briefe schreibt, sagt Urs Schwaller im Video-Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Post-Chef Roberto Cirillo wird in einer Mitteilung zitiert, «aufgrund der grossen und viel­seitigen Herausforderungen durch Corona können wir mit dem Ergebnis des letzten Jahres unter dem Strich zufrieden sein, auch wenn es schlechter ausfällt als in ver­gangenen Jahren». Die Post betont, sie habe fast alle Ziele des Bundes als Eigner erfüllt – ausser jenes, den Unternehmenswert zu steigern, was sie mit der Coronakrise begründet.