Umweltschutz

Plastik-Recyling ist im Trend – aber ist das wirklich die Lösung?

Ein Mann wischt vor einem Abfallberg aus Plastik, fotografiert am Mittwoch, 22. August 2018, bei InnoRecycling AG in Eschlikon. Aus den sortenreinen Kunststoffen stellt man hochwertige Recyclingkunststoffe (Regranulate) fuer neue Produkte her. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Ein Mann wischt vor einem Abfallberg aus Plastik, fotografiert am Mittwoch, 22. August 2018, bei InnoRecycling AG in Eschlikon. Aus den sortenreinen Kunststoffen stellt man hochwertige Recyclingkunststoffe (Regranulate) fuer neue Produkte her. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Die Wiederverwertung von Plastik wird in der Schweiz von verschiedenen Akteuren vorangetrieben. Doch, lohnt es sich überhaupt – finanziell und ökologisch?

Der Anteil des verbrauchten Kunststoffs, der in der Schweiz rezykliert wird, ist immer noch tief. Jährlich entstehen etwa 780 000 Tonnen Kunststoffabfälle. 80 000 Tonnen und somit rund 10 Prozent werden rezykliert. Der grosse Rest wird in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt und zur Energieproduktion genutzt. Um die Recyclingquote zu erhöhen, wurden in den vergangenen Jahren viele politische Vorstösse eingereicht und regionale Sammlungen lanciert. Zuletzt wollte die Migros ein flächendeckendes Sammelsystem einführen, aufgrund fehlender Absprachen mit den Behörden wurde das Projekt aber sistiert (siehe Kasten).

Ob es sich lohnt, Plastik zu sammeln und zu rezyklieren, darüber gehen die Meinungen allerdings nach wie vor auseinander. Die Schwierigkeit ist, dass es Hunderte verschiedene Kunststoffarten und tonnenweise gemischte Kunststoffabfälle gibt, die sich nur schlecht verwerten lassen. Die Seite der Skeptiker scheint deshalb zu überwiegen. Zu ihnen gehört auch der Bund: Er empfiehlt die Sammlung von sortenreinem Kunststoff wie PET-Getränkeflaschen und PE-Flaschen (etwa Hygienemittel), die Sammlung gemischter Kunststoffabfälle sei jedoch nicht sinnvoll.

Weitere Recyclingfirmen könnten auf Markt drängen

Fakt ist aber, dass sich das Recycling von Kunststoffen weiterentwickelt. Generell können die Abfälle immer besser getrennt, sortiert und zu immer hochwertigeren Kunststoffgranulaten verarbeitet werden. Der Schweiz kommt dabei zugute, dass sie vergleichsweise spät in das Kunststoffrecycling eingestiegen ist. Sie kann jetzt eine Infrastruktur nach dem neusten Stand der Technik anstreben. Ein grosser Schritt wäre eine eigene Sortieranlage, wie sie die Migros zusammen mit den Ostschweizer Firmen Innorecycling und Innoplastics plant. Schweizer Kunststoffabfälle werden heute noch in Vorarlberg in Österreich sortiert.

Innorecycling sieht im Kunststoffrecycling ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Geschäftsführer Markus Tonner ist überzeugt, dass in der Zukunft weitere Firmen auf den Markt drängen werden. Heute sind im Kunststoffrecycling hierzulande drei Firmen tätig. Doch auch Innorecycling beschränkt sich noch auf die sortenreinen Abfälle und Kunststoffverpackungen aus dem Haushaltsbereich. «Heute gewinnen wir daraus über 60 Prozent wiederverwertbares Granulat», sagt Tonner. «In den nächsten Jahren wollen wir 70 Prozent erreichen. Das ist auch die Zielvorgabe des Bundesamts für Umwelt.»

Das beim Recycling entstehende Granulat wird beispielsweise für Kunststoffrohre oder Kabelummantelungen verwendet. Innorecycling verkauft das Granulat an Abnehmer in der Bau- und Transportbranche. Aus Kunststoffrezyklaten werden heute ausserdem schon viele andere Produkte wie Gartenstühle, Kleiderbügel, Teppiche und Faserpelze hergestellt.

KVA spüren Recycling nicht

Geschlossene Stoffkreisläufe im Bereich der Kunststoffe gibt es teilweise also bereits. Setzt man diese Mengen jedoch in einen grösseren Kontext, sind sie verschwindend klein: Lediglich 80 000 Tonnen der jährlichen Kunststoffabfälle werden rezykliert – gleichzeitig werden in den 30 Kehrichtanlagen jährlich über 4 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle sowie Abfälle aus Gewerbe und Industrie verbrannt. Ein Verhältnis von 2 zu 98 Prozent.

«Als in der Ostschweiz vor ein paar Jahren diverse Plastiksammelsäcke eingeführt worden sind, haben das die dortigen Kehrichtverbrennungsanlagen überhaupt nicht gespürt», sagt Robin Quartier, Präsident des Branchenverbandes. Für die Umwelt sei es nicht wichtig, wie viel Kunststoff rezykliert wird, argumentiert er. Viel wichtiger sei es, Littering zu vermeiden.

Die Recyclingbestrebungen stören die Kehrichtverbrennungsanlagen nicht, betont Quartier. Dass in den Anlagen dadurch Überkapazitäten entstehen könnten, wie es ihnen in den vergangenen Jahren wiederholt vorgeworfen wurde, befürchtet er nicht. Die Abfallmenge nehme mit dem Wachstum der Bevölkerung und der Wirtschaft tendenziell zu. Da in den nächsten Jahren zwei Anlagen vom Netz gehen, könnte es sogar eher knapp werden.

Autor

Gabriela Jordan

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