SNB-Entscheid
Peter Bodenmann: «Druck von Spekulanten und SVP war offenbar zu gross»

Den Hotelier und ehemaligen SP-Parteipräsidenten Peter Bodenmann trifft der Nationalbank-Entscheid besonders hart. Er spricht von einem Tsunami für die Tourismusbranche und stellt konkrete Forderungen an Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Rafaela Roth
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Peter Bodenmann: «Der SNB-Präsident ist offensichtlich überfordert.»

Peter Bodenmann: «Der SNB-Präsident ist offensichtlich überfordert.»

Alex Spichale

Herr Bodenmann, was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Entscheid der Nationalbank hörten?

Peter Bodenmann: Kopfschuss!

Das müssen Sie erläutern.

Der Entscheid der Nationalbank, den Mindestkurs aufzuheben, ist schlicht unverständlich. Die Untergrenze hat sich bewährt. Die Nationalbank hatte genügend Instrumente, um diese Untergrenze mit weniger Aufwand als bisher zu verteidigen. Etwa höhere Negativzinsen.

Warum hat die SNB aus Ihrer Sicht so gehandelt?

Sie ist eingeknickt. Der Druck der Spekulanten und der SVP war offenbar zu gross. Die Nationalbank hat ihr Gesicht und ihre Glaubwürdigkeit verloren. Dies zum Schaden der Schweiz und ihrer Wirtschaft.

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan sagte, dass der Mindestkurs keinen Sinn mehr macht.

Haben Sie die Pressekonferenz verfolgt? Jordan hat auf viele Fragen nicht geantwortet, sondern mit rotem Kopf immer die drei gleichen Sätze wiederholt. Der SNB-Präsident ist offensichtlich überfordert. Schade, dass niemand die Fragen nach der Kaufkraft-Parität zum Euro gestellt hat.

Warum?

Weil sich die Kaufkraft-Parität in den letzten drei Jahren nicht verändert hat. Sonst hätten wir nicht immer mehr Einkaufstouristen in Lörrach und Konstanz. Die Hochpreisinsel Schweiz wurde nicht abgetragen. Jetzt verschärft sich die Situation für den Werkplatz Schweiz unnötigerweise.

Dass Sie keine Freude am SNB-Entscheid haben, ist naheliegend, schliesslich ist Ihre Branche besonders betroffen, die Hotellerie.

Ja. Heute titelte die «Frankfurter Allgemeine»: «Damit wird ein Urlaub in der Schweiz sehr viel teurer.» Das werden alle im Ferientourismus zu spüren bekommen.

Erwarten Sie erste Rückgänge für die verbleibende Skisaison?

Logo. Für den Tourismus ist der Entscheid – wie für die Uhrenindustrie – ein unnötiger «Tsumani», wie sich Swatch Group CEO Nick Hayek treffend ausdrückte.

Ist der SNB Entscheid für Sie existenzgefährdend?

Nein, aber auch für Betriebe mit 300 Betten führt der unverständliche Entscheid der Nationalbank zu brutalem Druck auf Kosten und Margen. Weil wir die Preise in Euro nicht erhöhen können, ohne Gäste zu verlieren.

Sehen Sie einen Ausweg?

Jetzt sind vier konkrete Massnahmen nötig: Erstens müssten europäische Fleischpreise für die Hotellerie her. Pro Übernachtung müssten wir das Recht bekommen, 300 Gramm Fleisch zollfrei zu importieren. Zweitens ist eine Revision des Kartellgesetzes gegen die überhöhten Importpreise dringend nötig. Drittens verlange ich endlich eine kostenfreie Buchungsplattform für alle Schweizer Hotelbetten. Und viertens? Ein neues Direktorium für die Nationalbank!

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