Neuanfang

Pascal Gantenbein kämpft um Akzeptanz: Bei der Raiffeisen-Basis sind Professoren unerwünscht

Pascal Gantenbein kämpft um Akzeptanz.

Pascal Gantenbein kämpft um Akzeptanz.

Der neue Präsident der Genossenschaftsbank soll laut Delegiertenversammlung über einschlägige Bankerfahrung verfügen. Diese Kernkompetenzen bringt der interimistische Bankchef Pascal Gantenbein jedoch für die Kandidatur nicht mit. Insbesondere die Nähe des Finanz-Professor und Vorstand des Aufsichtsgremium der Genossenschaftsbank zu CEO Patrik Gisel stösst der Raiffeisen-Basis sauer auf.

Er will Raiffeisen in die Zukunft führen. Pascal Gantenbein (bankintern «PG1» genannt) stellt sich zur Wahl als neuer Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen Schweiz. Der St. Galler Finanz-Professor, der in Basel lehrt, steht dem Aufsichtsgremium der Genossenschaftsbank seit dem Rücktritt von Johannes Rüegg-Stürm von Anfang März interimistisch vor.

Gantenbein gab während Monaten widersprüchliche Signale von sich. Zunächst liess er eine Kandidatur offen. Dann sagte er in einem TV-Interview, dass für ihn das Präsidium nicht infrage komme. Später änderte er seine Meinung und schloss eine Kandidatur nicht aus.

Pikant ist, dass Gantenbein auch an der Delegiertenversammlung vor zwei Wochen in Lugano alles offenliess und entsprechende Fragen von Delegierten nicht beantwortete, wie Recherchen ergeben haben. Erst nach der Versammlung liess er die Katze aus dem Sack und verkündete an der anschliessenden Medienkonferenz, dass er kandidieren werde.

Mit dieser Zickzack-Kommunikation verärgerte er manche der 162 in Lugano anwesenden Delegierten. Ein Vertreter sagt gegenüber der «Schweiz am Wochenende»: Gantenbein sei an der Delegiertenversammlung mindestens drei Mal gefragt worden, ob er kandidieren werde oder nicht. Er habe die Frage drei Mal nicht klar beantwortet. Mit seiner Geheimniskrämerei habe er sich fürs Amt disqualifiziert, sagt der Delegierte. «Glaubwürdige Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung, die ein Präsident haben muss.»

Aber auch auf fachlicher Ebene zweifeln Delegierte an den Kompetenzen des Kandidaten. Als Oberverantwortlicher der Raiffeisen Schweiz müsse er der Geschäftsleitung auf die Finger schauen können. Dazu brauche der Präsident Bankerfahrung auf Stufe Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat.

Zudem müsse er strategisch denken und handeln können und finanziell unabhängig sein. Zudem müsse er Erfahrung im Umgang mit IT-Projekten haben. Der Hintergrund dieses letzten Punktes: Die Einführung einer neuen IT-Plattform bei Raiffeisen verzögert sich um Monate, dabei drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen. Die budgetierten 500 Millionen Franken werden nicht reichen.

Diese Kernkompetenzen bringt er aufgrund seines bisherigen beruflichen Backgrounds nicht mit. Insbesondere fehlt es ihm an Erfahrungen und Kenntnissen im Führen einer Bank. Delegierte sehen es zudem nicht gerne, dass mit Gantenbein ein weiterer an der Universität St. Gallen geschulter Professor der Bank vorstehen würde. Sein Vorgänger Johannes Rüegg-Stürm, ebenfalls St. Galler Uniprofessor, liess sich von Pierin Vincenz auf der Nase herumtanzen.

Und noch etwas stösst den Delegierten sauer auf. Gantenbein ist nicht bemüht, auf Distanz zu CEO Patrik Gisel zu gehen. Ganz im Gegenteil: Die beiden Ostschweizer scheinen eine geradezu symbiotische Beziehung miteinander zu pflegen. Gantenbein verpasst damit, sich als unabhängiger Chairman zu profilieren.

Glaubwürdiger Neuanfang nötig

Einen glaubwürdigen Neuanfang bei Raiffeisen geht indes über die Erneuerung des Verwaltungsrats hinaus und schliesst auch die Geschäftsleitung mit ein. Dort befinden sich mit Patrik Gisel und Privat- und Anlage-Kundenchef Michael Auer zwei langjährige Weggefährten von Vincenz weiterhin in Amt und Ehren.

Insbesondere Gisel hatte schon vor Jahren klare Hinweise erhalten, dass sein Chef bei Aduno Geschäfte anriss, bei denen es zu Interessenskonflikten gekommen war. Unternommen hatte er nichts.

Der Ruf nach Erneuerung kommt auch vom Regulator. Die Finanzmarktaufsicht hat zum Abschluss des Enforcement-Verfahrens angeordnet, dass sich der Raiffeisen-Verwaltungsrat fachlich verstärken muss. «Dabei hat die Bank dafür zu sorgen, dass mindestens zwei Mitglieder die für die Grösse des Instituts erforderliche Erfahrung im Bankwesen haben», heisst es in der Verfügung.

Zudem müsse mindestens ein Mitglied über ausgewiesene, den Verhältnissen des Instituts angemessene Erfahrung im Bereich Compliance verfügen, heisst es weiter. Pascal Gantenbein erfüllt keine dieser Anforderungen.

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