Kommentar
Die ÖV-Branche lanciert neue Angebote – aber zu spät und für zu wenige

Bus, Bahn und Tram leiden noch immer unter der Krise. Nun richtet sie sich mit neuen Angeboten an Pendler, die vermehrt im Homeoffice arbeiten. Doch davon profitieren längst nicht alle. Ein Kommentar.

Stefan Ehrbar
Stefan Ehrbar
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Neue Angebote für die Passagiere. Aber es profitieren nicht alle.

Neue Angebote für die Passagiere. Aber es profitieren nicht alle.

Symbolbid: Keystone

Von allen Verkehrsmitteln leidet der ÖV am stärksten unter der Krise. Den SBB fehlen derzeit im Fernverkehr 3 von 10 Fahrgästen im Vergleich zu 2019. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Angst vor Ansteckung bis zum bequemen neuen Auto. Viele fahren weniger häufig ins Büro und arbeiten stattdessen zwei oder drei Tage zu Hause. Das Problem dabei: Flatrate-Abos wie das GA oder Zonenabos sind teurer und unattraktiver, wenn sie weniger genutzt werden.

Am Mittwoch präsentierte die Branche deshalb einen ganzen Strauss neuer Produkte. Besonders attraktiv ist das Wahltage-Abo, eine Art GA für zwei bis drei Tage pro Woche, die frei und spontan ausgewählt werden können. Auch das Angebot, für 2000 Franken Ticket-Guthaben im Wert von 3000 Franken zu erhalten, wäre attraktiv.

Wäre – denn für die meisten Kunden stehen diese Produkte weiterhin nicht zur Verfügung. Sie werden regional oder in einem kleinen Kundenkreis getestet. Erst Ende 2022 könnte ein erstes Angebot allenfalls regulär eingeführt werden.

Dabei hätte die Branche ein Vorbild aus den eigenen Reihen: 1987 wurde der Preis des Halbtax-Abo auf einen Schlag um über zwei Drittel gekürzt. Die Verkaufszahlen schossen daraufhin durch die Decke. Dass die Branche nun zwei Jahre braucht, um selbst in ihrer grössten Krise vergleichsweise kleine Innovationen beim Sortiment auszurollen, ist bedenklich – und eine gefährliche Wette darauf, dass die Passagiere sowieso zurückkommen.

Twitter: @sehrbar

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