Schweizer Aktien

Oswald Grübel prophezeit: Die Börsenparty geht weiter

Oswald Grübel verbreitet Optimismus. (Archiv)

Oswald Grübel verbreitet Optimismus. (Archiv)

Der Ex-Chef von Credit Suisse und UBS sieht die Schweizer Aktien 2017 auf gutem Weg. Dennoch warnt er.

Die Börsenhändler sind in Partylaune: Der Swiss Market Index (SMI), der die grössten börsenkotierten Schweizer Firmen vereint, befindet sich auf Rekordkurs. Nur 500 Punkte fehlen, und das Allzeithoch von 9548 Punkten ist erreicht. Bereits wird spekuliert, die magische Grenze von 10'000 Punkten könnte geknackt werden.

Oswald Grübel, ehemaliger CEO der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS, ist bis Ende Jahr optimistisch: «Einige Titel mögen sehr hoch bewertet sein. Aber die Aussichten für die Schweizer Aktien sehen gut aus, wenn man von einer kurzfristigen Korrektur absieht.» Die Hausse werde weitergehen. So stark, dass sogar die 10'000er-Marke überschritten wird? «Das scheint mir dann doch etwas zu euphorisch», sagt Grübel. «Dafür müsste der Schweizer Franken deutlich schwächer werden, und das wird die aktuelle Strategie der SNB nicht schaffen.»

«EU-Zerfall geht weiter»

Zudem teilt Grübel nicht die Meinung vieler Analysten, wonach in der EU mit der Wahl Emmanuel Macrons Ruhe eingekehrt ist. Im Gegenteil: «Der Zerfall der EU wird leider weitergehen.» Mit dem Austritt Grossbritanniens, der zweitgrössten Industrienation der EU, sei er eingeläutet worden. Macron habe schöne Reden gehalten, der wahre Test stehe der «Grande Nation» aber erst bevor: In den kommenden Monaten geht es für den 39-jährigen Ex-Banker darum, eine Mehrheit im Parlament zu erreichen. «Ohne eine solche Mehrheit wird er auch seine Wirtschaftsreformen, die dringend nötig sind, nicht durchziehen können», sagt Grübel. «Das Land ist extrem überschuldet, die Staats- und Privatschulden übersteigen den Wert des Bruttoinlandprodukts um rund 385 Prozent, in Deutschland sind es 135 Prozent.»

Auch in den USA wird gefeiert. Der sogenannte S&P-500-Index sowie die Technologie-Indizes Nasdaq Composite und Nasdaq 100 erreichten diese Woche Höchststände. Vor allem die Aktie des kalifornischen iPhone-Konzerns Apple sorgte für einen gehörigen Schub und erzielte erstmals eine Marktkapitalisierung von mehr als 800 Milliarden Dollar.

Und: Die genannte P/E Ratio, die das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien zeigt und durch den Cape-Shiller-Index dargestellt wird (siehe Grafik), ist dank den tiefen Zinsen ebenfalls im Hoch – fast wie 1929, kurz vor dem grossen Crash.

Trügt also der Schein? Nein, glaubt Grübel. «Im Gegensatz zu den Jahren vor der Subprime-Krise in den USA, bei der Ramsch-Hypotheken die Krise verursachten, ist der Markt heute fundierter, und die Unternehmensgewinne steigen.» Doch auch früher waren hohe Nasdaq-Zahlen trügerisch. Wieso sollten sie es heute nicht sein? «1999 und 2000 kauften alle neue Technologie-Titel, ohne dass sie verstanden, wie die neuen Technologien überhaupt funktionieren. Heute ist das anders», glaubt der ehemalige Grossbanken-Chef. Allerdings gebe es durchaus Ausnahmen, wie das prominente Beispiel Snapchat zeige. Als die Social-Media-Firma im März an die Börse ging, wurde sie zeitweise mit bis zu 27 Milliarden Dollar bewertet. Doch im ersten Quartal dieses Jahres erzielte das Unternehmen einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar, wie am Donnerstag bekannt gegeben wurde.

Ein Elefant namens Trump

«Das zeigt, dass durchaus scharfe Korrekturen im Nasdaq von 10 bis 20 Prozent jederzeit möglich sind, auch wenn die Situation besser ist als zu Zeiten der Dotcom-Blase in der Jahrtausendwende», so Grübel. Und im Biotech-Sektor gebe es hochbewertete Firmen, die zwar tolle Visionen hätten, aber noch keine abgeschlossenen Tests ihrer Produkte vorweisen könnten.

Und da wäre noch der Unsicherheitsfaktor Trump. «Er führt sich auf wie ein Elefant im Porzellanladen», sagt Grübel mit Verweis auf die Entlassung des FBI-Direktors diese Woche. Zudem lassen Trumps angekündigte Steuersenkungen für Firmen auf sich warten. «Immer hiess es, sie kämen nächste Woche», so Grübel. Nun rechne man frühestens 2018 damit. «Wenn sie je kommen, werden sie einen gewaltigen Effekt auf die US-Wirtschaft haben und den Aktienmarkt antreiben.»

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