Der Shopping-Club Fashion Friends wechselte am 1. April seinen Besitzer. Das Medienunternehmen Tamedia verkaufte die Onlineplattform an das deutsche Modehaus Schustermann & Borenstein. Dies nachdem es 2015 einen Umsatzrückgang hinnehmen musste. Mit der Übernahme durch Schustermann & Borenstein schöpften die Angestellten in Langenthal BE Hoffnung, dass sich die Lage der Firma bald zum Bessern wenden würde. Nun steht aber womöglich die Massenentlassung aller Angestellten in Langenthal bevor.

Das Schreiben, das letzte Woche an die Angestellten per Einschreiben versendet wurde, liegt der «Nordwestschweiz» vor. Zudem bestätigt die Berner Volkswirtschaftsdirektion das eingeleitete Konsultationsverfahren. Wie das Obligationenrecht vorschreibt, wenn ein mittelgrosses Unternehmen mehr als zehn Prozent seiner Angestellten kündigt. Das Verfahren dauert vom 2. bis am 17. Juni.

Daniel Schustermann, Geschäftsführer von Schustermann & Borenstein liess sich in der Medienmitteilung damals wie folgt zitieren: Mit der Übernahme stärke Schustermann & Borenstein seine Position in der Schweiz, einem Markt mit einem «grossen Potenzial an modeaffinen Kundinnen und Kunden». Von der besagten Stärkung und Expansion ist indes nichts zu spüren.

Wie im jüngsten Schreiben an die Angestellten von Fashion Friends steht, müsse «die wirtschaftliche Ertragsfähigkeit bereits kurzfristig verbessert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft zu erhalten und nachhaltiges Agieren auch zukünftig zu ermöglichen».  Weiter werde derzeit geprüft inwiefern Logistik und Lager von der Schweiz ins Zentrallager der deutschen Firma in Poing bei München verlagert werden könnten. Im Schreiben erklärt das deutsche Modehaus indes, mit welchen Folgen zu rechnen sei, nämlich «der Kündigung der Arbeitsverhältnisse der maximal 68 der rund 99 in der Regel beschäftigten Mitarbeiter innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen». 18 Personen befänden sich bereits in gekündigtem Verhältnis. Zudem werden die Angestellten angewiesen in den kommenden 16 Tagen der Geschäftsleitung Verbesserungsvorschläge einzureichen, um die drohende Massenentlassung abzuwenden. Von Sozialplänen für die womöglich bald entlassenen Mitarbeiter ist im Schreiben noch nichts erwähnt.

Gemäss Insiderinformationen wurden bei Fashion Friends seit April die Materialeinkäufe gedrosselt. Die Kampagnen seien sogar um 50 Prozent zurückgefahren worden, so eine Quelle. Das Geschäftsprinzip der Onlineplattform funktioniert ähnlich wie ein Outlet-Center – einfach im Internet. Es bietet über eine Zeitdauer von wenigen Tagen wechselnde Aktionen an. Wie also die Mitarbeitenden von Fashion Friends den Umsatz, bei sich leerendem Lager und mangelnder Möglichkeit an Aktionen, verbessern sollen können, ist schleierhaft.

Alfredo Schilirò, Mediensprecher von Fashion Friends, bestätigt das laufende Verfahren und räumt ein: «Erst nach definitivem Entscheid über den potenziellen Stellenabbau – voraussichtlich Ende Juni – werden weitere Schritte eingeleitet.» Im Falle eines Jobabbaus sei man bemüht, für die Betroffenen eine passende Lösung zu finden.