Telekom

Nokia Siemens gewinnt Orange

Nokia Siemens Networks wird Ausrüster bei Orange. (Archiv)

Nokia Siemens Networks wird Ausrüster bei Orange. (Archiv)

Huawei und Ericsson wachsen auch in der Schweiz. Alcatel-Lucent baut ab und Nokia Siemens Networks wird Ausrüster bei Orange.

Für Cathy Meng war es am Montag in Peking der erste grosse Auftritt vor Medien und Analysten. Die Finanzchefin des grössten chinesischen Telecom-Netzwerkausrüsters Huawei brachte gute erste Zahlen zum letzten Geschäftsjahr mit: Der Umsatz war um 8 Prozent auf umgerechnet 35,4 Milliarden Dollar gestiegen. Huawei hat laut Medienberichten möglicherweise Ericsson, den schwedischen Telecomausrüster, überholt.



Analysten sagen, dass hier Äpfel und Birnen verglichen würden. Der Grossteil des Wachstums von Huawei kommt aus dem Handy- und dem Firmennetzwerkbereich. In diesen Geschäftsfeldern sind die Schweden gar nicht (mehr) aktiv. Im Bereich der Telecom-Netzausrüstung ist Ericsson laut Analysten mit einem geschätzten Umsatz von 34 Milliarden Dollar weiterhin die Nummer eins vor Huawei (25,6 Milliarden), Alcatel-Lucent, Nokia Siemens und Cisco.

Laut Meng hält Huawei die Budgets für die Verwaltung möglichst klein, um das Geld in Forschung, Auslieferung, Servicequalität und Kundenzufriedenheit zu investieren. Sehr zufrieden ist Sunrise laut eigenem Bekunden mit dem chinesischen Lieferanten. Anfang September 2012 hatte Huawei die gesamte Verantwortung für die Netzinfrastruktur von Sunrise im Rahmen eines 5-Jahres-Vertrages übernommen. Als neuer Technologiepartner ist Huawei laut einem Sunrise-Sprecher verantwortlich für den Ausbau, Betrieb und Unterhalt des Mobilfunk- und Festnetzes von Sunrise.

Schweiz ist «extrem wichtig»

Für Huawei ist der Schweizer Kunde laut Telecom-Experten extrem wichtig. Es ist der erste Kunde, bei dem die Chinesen nicht nur einige Ausrüstungsteile liefern, sondern sich gleich um das ganze Netz kümmern. Klappt das mit Sunrise, winken laut Experten weitere Aufträge in Europa. Auch bei den anderen grossen beiden Netzbetreibern ist Huawei gut im Geschäft. «Huawei liefert uns schon seit geraumer Zeit im Festnetzbereich Ausrüstungen in den Bereichen Access-Equipment (DSL und FTTH) sowie dem Transportnetz», sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk.

«Orange bezieht den weitaus grössten Teil ihres Netzwerks von Nokia Siemens Networks NSN», sagt Orange-Sprecherin Therese Wenger. «Einzelne Netzwerkkomponenten bezieht Orange von verschiedenen Ausrüstern wie Ericsson, NEC, Nokia Siemens Networks, Alcatel-Lucent und Huawei.» Der neue Ausrüster ist laut Wenger noch nicht bestimmt. Branchenkreise sagen aber, dass Nokia Siemens Networks bei Orange das Rennen machen wird. Nicht alle Angestellten, die sich bisher um den Netzunterhalt gekümmert hatten, kommen beim neuen Wartungspartner Ericsson unter (siehe Kasten).

In der Schweiz tritt Ericsson laut eigenen Angaben insbesondere als Hauptausrüster für Swisscom (Mobilfunk) und seit Jahresanfang mit Managed Services auch für Orange in Erscheinung, dazu als Glasfaser-Ausrüster und Generalunternehmer für diverse städtische Energie oder Wasserversorger. «Uns geht es in der Schweiz stabil gut», sagt Ericsson-Sprecher Lars Bayer. «Wir haben alle Hände voll zu tun.» Innerhalb von 12 Monaten ist Ericsson von 150 auf 350 Mitarbeiter gewachsen.

Alcatel-Lucent vor Exit?

Huawei wächst vor allem auf Kosten der kleineren Anbieter. «Huawei arbeitet mit allen drei Operators in der Schweiz zusammen und konnte sich so die Marktführerschaft im Carrier Geschäft sichern», sagt Felix Kamer, Huawei-Geschäftsführer in der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt in der Schweiz 450 Angestellte.

Bei Alcatel-Lucent zeichnet sich eine Schliessung des Netzwerkwartungsgeschäfts ab, nachdem Sunrise und Orange als Kunden verloren wurden. Gemäss Brancheninsidern wollte Alcatel-Lucent bei einer Vertragsveränderung mit Orange mehr Geld für die gleiche Leistung. «Das macht man nur, wenn man aus einem Vertrag aussteigen will», kommentiert ein Branchenexperte. Alcatel-Lucent reagierte auf Anfragen nicht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1