Geldpolitik

Noch keine Zinswende: US-Notenbank belässt Leitzins unverändert

Auf Janet Yellens Worte wartet am Donnerstagabend die ganze Welt.

Auf Janet Yellens Worte wartet am Donnerstagabend die ganze Welt.

Die US-Notenbank Fed hält am niedrigen Leitzins fest. Der Schlüsselsatz bleibt damit zwischen null und 0,25 Prozent.

Die US-Notenbank Fed beendet die Ära des billigen Geldes noch nicht. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems mit Geld bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent.

Dies teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Die meisten Experten hatten damit gerechnet, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende wegen des jüngsten Börsenbebens in China und Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft vorerst noch aufschieben würde.

Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise Ende 2008 bei nahe null. Die Fed hat jedoch eine Erhöhung noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt - es wäre die erste seit fast zehn Jahren.

Zur Begründung für ihre Entscheidung führte die Zentralbank "die jüngsten Entwicklungen der Welt- und Finanzwirtschaft" an.Diese Entwicklungen könnten der US-Wirtschaft nach Fed-Einschätzung zusetzen und auch weitere negative Auswirkungen auf die Inflation haben. Fed-Chefin Janet Yellen verwies unter anderem auf die Unsicherheiten in China. Die Börsenkurse in den USA reagierten kaum auf die Entscheidung der Zentralbank.

Der Offenmarktausschuss hatte bereits seit Mittwochnachmittag über die Festsetzung des Leitzinses beraten, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Fed Geld leihen können. Ein Mitglied stimmte gegen die Zinsentscheidung.

Yellen hat eine Zinserhöhung in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Viele Marktbeobachter waren sich bis vor kurzem sicher gewesen, dass sie am Donnerstag den Leitzins erstmals seit fast einem Jahrzehnt anheben würde. Zuletzt liessen die Turbulenzen in Chinas Wirtschaft aber bereits Zweifel am Zeitpunkt der Zinswende aufkommen.

In ersten Reaktionen begrüssten Analysten den Entscheid. "Wir wünschen uns Zeiten, in der auch Zinserhöhungen möglich sind. Eine US-Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber gefährlich gewesen, weil wir vielen globalen Krisenherden ausgesetzt sind - von China bis Brasilien", sagte Volker Treier, Aussenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK. "Viele Schwellenländer befinden sich in einer Konjunkturkrise. Mit einer US-Zinserhöhung wäre der Kapitalabfluss aus diesen Schwellenländern noch grösser als ohnehin schon", sagte er.

Die robuste Konjunktur und der verbesserte Arbeitsmarkt in den USA legten nahe, dass die Zinswende nicht ausser Reichweite sei. "Nach wie vor ist der Preisdruck über Lohnerhöhungen aber recht gering, so dass Eile nicht geboten ist. Irgendwann wird und muss die Zeit des billigen Geldes auch enden."

Otmar Lang, Chefökonom der deutschen Targobank, sagte: "Seit zwei Jahren prognostizieren Analysten weltweit den Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA - und immer wieder wird dieser verschoben. Klar rechnen auch wir irgendwann mit einem Zinsschritt. Aber wir glauben nicht, dass damit auch tatsächlich langfristig eine Schubkraft für die Kapitalmärkte verbunden wäre. Denn eine Erhöhung würde ohnehin nur im minimalen Bereich erfolgen - das würde dann sicher auch für die weiteren Folgeschritte in den kommenden Monaten gelten."

Eine andere Taktik könne sich die USA auch gar nicht erlauben. "Sie ist im Prinzip gefangen in ihrer eigenen Zinsstarre - denn eine tatsächliche Wende in der Politik des billigen Geldes könnte die Erholung am US-Immobilienmarkt ins Wanken bringen. Ausserdem würde bei steigenden US-Zinsen und gleichzeitig einem Null-Zins-Kurs in der restlichen Welt der US-Dollar sehr stark an Wert gewinnen", sagte der Experte weiter.

Zwei Konsequenzen wären dann naheliegend: "Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfliessen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen. Wir sind der Überzeugung, dass die US-Notenbank nicht bereit ist, diese Risiken einzugehen."

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