«Verhilft die Superbatterie dem E-Auto zum Durchbruch?», fragt die Zeitung «Die «Welt» in grossen Lettern. Das Nachrichtenmagazin «Focus» schreibt: «Neuer Super-Akku ermöglicht angeblich 1000 Kilometer Reichweite». Mit einer Meldung, weltweit gestreut, hat die in Basel angesiedelte Firma Innolith eine Flut von Medienberichten ausgelöst. Sie verkündet darin, an der Entwicklung der ersten wiederaufladbaren Batterie zu arbeiten, deren «innovative Akkutechnologie» die neuen Höchstleistungen ermögliche. «It’s a big jump», unterstreicht CEO Alan Greenshields gegenüber dem US-Technikmagazin «The Verge» die Bedeutung der Ankündigung. Die Entwicklung und Vermarktung der Innolith Energy Battery werde voraussichtlich noch drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Frühestens 2022, so Greenshields, werde das Produkt auf den Markt kommen.

Wer die Medienmitteilung mit einer Meldung vom vergangenen Oktober vergleicht, stellt allerdings irritiert fest: Die Erwartungen wurden um zwei Jahre nach hinten korrigiert. Da hiess es noch, 2019 würden Produktionslinien-Tests aufgenommen, die Massenproduktion solle 2020 anlaufen. Nachfragen sind nur bedingt aufschlussreich. Marketing-Chef Julian Tanner erklärt, Ziel sei es, ab 2024 eine neue «high energy»-Batterie zu produzieren.

Auf Trümmern gebaut

Diese Zeitung hat erstmals im vergangenen Sommer über die Innolith AG berichtet, die der russische Oligarch Dmitri Rybolowlew auf den Trümmern der Alevo Group aufbaute. Die Alevo, die in Martigny domiziliert war, strebte bereits mit der gleichen Technologie nach der Wunderbatterie. Der Versuch endete mit der Vernichtung von rund 350 Millionen Franken, wovon 200 Millionen Rybolowlew angeblich selbst im Spiel hatte. Und auch die Alevo war bereits auf Trümmern errichtet worden. Diese stammten von der Fortu Holding, die ebenfalls schon das grosse Batterierad drehen wollte und dabei 60 Millionen Franken verbrannte. Wie die Innolith war die Fortu in Basel angemeldet und Greenshields war ihr erster Manager.

Das Versprechen von Innolith entspricht dem Bedarf des Marktes, um die Energiewende zu schaffen: Eine Speichertechnologie für Strom, die als Grossanlage hilft, Schwankungen im Netz auszugleichen, und in kleinerem Format die E-Mobilität beflügelt. Innolith meint, dass der deutsche Ingenieur Günther Hambitzer die ursprüngliche Zauberformel gefunden hatte, als er als Neuerung anorganische Elektrolyten verwendete. Damit könne eine hohe Energiedichte bei tiefen Materialkosten erreicht werden, die Batterie könne ohne Leistungsabbau 55'000-mal auf- und vollständig entladen werden und sei zudem nicht explosiv. Hambitzer ist längst aus dem Geschäft, seine weiterentwickelten Patente wurden von der Fortu Holding an die Alevo und danach an die Innolith Assets weitergereicht.

Greenshields wie Rybolowlew glauben an die Technologie und investieren. 85 Fachleute arbeiten derzeit im deutschen Bruchsal an der Entwicklung, zwölf in der Zentrale in Basel. Mittlerweile hat Innolith zwölf Patente angemeldet, die den Technologievorsprung sichern sollen. Doch diese ist schwierig zu bewerten. Selbst Spezialisten der ETH, die sich intensiv mit der internationalen Batterieforschung beschäftigen, enthalten sich eines Urteils; es sei darüber zu wenig bekannt.

Zumindest als Marketingprodukt hat die Batterie den Praxistest bestanden: Schon zweimal vollständig entladen, setzt sie die Medienwelt bereits wieder unter Spannung.